Full text: 1955 (0083)

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Abb. 3. Schleiferei 
Gegenstand einem Kühlungsprozeß unterworfen 
werden. Auf 4—5 Bändern durchlaufen die Glas 
körper lange Kühlöfen, in denen sie zunächst 
wieder auf 500 Grad erhitzt und dann innerhalb 
von 2 Stunden, verschiedene Temperaturzonen 
durchlaufend, auf die Normaltemperatur abge 
kühlt werden. 
Bis jetzt ist das Glas durch eine Kappe ver 
schlossen. Beim folgenden Arbeitsprozeß muß 
diese abgesprengt werden. Das Bild in der Fa- 
brilkhalle hat sich raun vollkommen geändert. 
Während an den Schmelzöfen nur Männer be 
schäftigt waren, finden wir an den Absprerag- 
maschinen Frauen. Neben sich haben sie Kästen 
mit Gläsern von je einer Arbeitsgruppe stehen, 
die pro Tag etwa 500—800 Gläser produzieren. 
Sie entnehmen ein Glas, ritzen es mittels einer 
Hartmetallspitze an, stellen es auf eine rotie 
rende Scheibe und heben nach einigen Sekunden 
die Kappe ab. Einfach unverständlich. Das grenzt 
an Hexerei! Doch bei näherem Hinschauen be 
merkt man eine fast unsichtbare, feine Gas 
flamme, die das rotierende Glas bestreicht und 
infolge der künstlich herbeigeführten Spannun 
gen des Glases an der angeritzten und damit 
schwächsten Stelle einen Sprung erzeugt. — 
Nun besitzen zwar die Gläser schon ihre nor 
male Form, der Rand muß aber noch begradigt 
werden. Bevor sie an die sogenannten Flettma- 
rchinen waltergeleitet werden, die das Abschlei- 
fen des Randes besorgen (siehe Abb. 3), passie 
ren sie Sortierstellen, in denen das fehleiihafte 
Material dem Fabrikationsprozeß entzogen wird. 
Nach dem Fletten werden die Gläser abgewa 
schen und gelangen dann zur Versdunelzma- 
sdhine, wo der abgeschliffene Rand, der nach 
dem Flettvorgang zwar glatt ist, aber noch 
scharfe Kanten besitzt, durch Verschmelzen ab- 
Abb. 5. Formschöne Kristallgläser 
gerundet wird. Da sich durdi diesen Arbeits 
vorgang neue Spannungen gebildet haben, folgt 
ein zweiter Kühlungsprozeß. Danach werden die 
Gläser ein zweites Mal sortiert. Von den Glas 
körpern, die von der Arbeitsgruppe an den 
Häfenöfen hergestellt werden, fallen etwa 
30—40°/o aus. Die Waren, die nicht für die Wei 
terverarbeitung vorgesehen sind, werden an Ort 
und Stelle verpadet, die übrigen für die Ver 
edelung vorgesehenen Gegenstände in die 
„Malerei“ (s. Abb. 4) bzw. in die Schleiferei 
geleitet. 
In der Abteilung „Malerei“ sehen wir eine 
Zeichnerin bei ihrer Arbeit. Mit großer Geschick 
lichkeit malt sie Palmen auf Limonadegläser. 
Andere Frauen stempeln kunstvolle Dekore auf, 
indem sie einen die Verzierung enthaltenden 
Stempel mit dickflüssigem Öl bestreichen, das 
Glas auf dem Stempel abrollen, sodaß das Öl 
daran haften bleibt und schließlkh die Glaskör 
per mit einer Farbe bepudern. Die bemalten 
Abb. 4. Zeichnerin beim Bemalen von Limonadegläsern
	        

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