Full text: 1955 (0083)

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Die Geschichte der Herrschaft Püttlingen ge 
hört zu der interessantesten der Ortschaften des 
Köllertales. Wie viele Orte des Saarlandes ver 
dankt auch Püttlingen seine rasche Entwicklung 
zur größten Gemeinde des Köllertales einzig 
und allein den „Schwarzen Diamanten“. Bereits 
vor mehr als 200 Jahren, als man kaum noch 
unermeßlichen Reichtum, der tief in der Heimat 
erde des Köllertales lagerte, ahnte, wurde be 
reits in bescheidenem Maße mit dem „Abbau“ 
der Schätze begonnen. Im Jahre 1742 eröffnete 
der Fürst von Wied-Runkel im Großwald bei 
Altenkestsel und im Bauernwald Steinkohlen- 
gruben. Im Großwald waren 1773 drei Stollen 
mit vier Arbeitern, im Bauernwald ein Stollen 
mit zwei Arbeitern in Betrieb. Die Jahresförde 
rung betrug 1779 1752 Fuder = 2226 Tonnen 
und stieg auf 2952 Fuder = 4428 Tonnen im 
Jahre 1785. Immerhin bedeuten diese beiden 
Stollenanlagen den Anfang der späteren Berg 
baubetriebe des Köllertales. 
Die Straßenbezeichnung Crichingerstraße in 
Püttlingen erinnert uns an die Zeit als diese 
Gemeinde eine selbständige Herrschaft, gewis 
sermaßen ein „Staat im Staate“ war. Crichingen 
(Crichange) war eine kleine Herrschaft an der 
Nied bei Falkenberg in Lothringen. Am 28. Fe 
bruar 1408 wurde Johann II. von Crichingen 
durch Rudolf von Coucv, Bischof von Metz, mit 
der Veste Püttlingen im Köllertal (la forteresse 
de Putlange au Valan de Cologne) belehnt. Er 
geriet gegen das Jahr 1419 mit dem Grafen Phi 
lipp von Nassau-Saarbrücken in Streit. Es hatten 
criehingische Knechte, nämlich Peter von Lodi- 
weil und Johann von Püttlingen, im Saarbrück 
ehen Gebiet (Sulzbach, Exweiler, Hasborn) ge 
pfändet und gebrandschatzt und wurden dabei 
von den Amtleuten des Grafen ergriffen. Johann 
von Crichingen forderte mit Ungestüm deren 
Freiheit und brach,, als diese nicht erfolgte, in 
greuliche Verwünschungen und Schmähungen 
gegen den Grafen aus. Bei dem im folgenden 
Aus der Geschichte 
einer großen 
Bergarbeitergemeinde 
Von D. Otto, Riegelsberg 
Jahre durchgeführten Manngericht wurde Johann 
von Crichingen seiner Lehen, die er von Nas 
sau-Saarbrücken hatte, für verlustig erklärt. Im 
Jahre 1428 wurde durch einen Vergleich der Streit 
beigelegt und Johann von Crichingen erhielt 
seine Anteile wieder. 
Die Herrschaft von Püttlingen bestand aus 
mehreren abgesondert liegenden Ortschaften 
bzw. gewissen Anteilen an verschiedenen Dör 
fern (S. Skizze). Nach dem letzten Bestand die 
ser Herrschaft gehörten zu derselben folgende 
Ortschaften: 1. Püttlingen mit den auf diesem 
Bann gelegenen Weiler: Ernstthal, Rockershau 
sen oder Luisenthal, Großwald, 2. Obersalbach, 
ein Ort, der mit seinem ganzen Bezirk zur Herr 
schaft gehörte, aber vom Nassauischen Gebiet 
ganz umschlossen lag, 3. Reisweiler und 4. Fal 
scheid, beide Orte grenzten zwar zusammen, 
e,s gehörten indessen nur gewisse Teile derselben 
zur Herrschaft. Diese vier Ortschaften bildeten 
die Herrschaft oder Meyerei (Bürgermeisterei) 
Püttlingen, die ein eigenes Hochgericht besaß, 
welches den Herren von Crichingen als Hofmitt 
lere und niedere Gerichtsherren zustand. 
Die Untertanen in der Herrschaft waren ur 
sprünglich Leibeigene und denselben Lasten und 
Abgaben und Dienstleistungen unterworfen, wie 
dieses allerorts die Leibeigenschaft mit sich 
führte. Sie blieben in diesem Verhältnis bis zur 
Zeit der französischen Reunion (1680), in welcher 
alle mit der französischen Verfassung nicht ver- 
einbarlichen Feudalrechte aufgehoben wurden. 
Die Leibeigenschaft und die Fronden wurden 
abgeschafft. Durdi einen Vertrag vom 22. Fe 
bruar 1778 verkauft der Fürst von Wied-Runkel, 
nachdem er durdi Vertrag von 1768 die Fürsten 
von Nassau-Saarbrücken als Lehnsherren anerkannt 
hatte, die Herrsdiaft Püttlingen mit allen ihren 
Rechten für 120 000 Gulden an den Fürsten Lud 
wig von Saarbrücken. Von diesem Zeitpunkt an 
gehört Püttlingen zu Saarbrücken und sein Eigen 
leben ab „Staat im Staate“ hat aufgehört.
	        

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