Full text: 1954 (0082)

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Das Z Volksgetränk der Saarländer 
Jährlich 70 Liter pro Kopf der Bevölkerung 
Wenn der Volksmund behauptet, Durst sei 
schlimmer als Heimweh, so mag es eine Reihe 
von Leuten geben, die auf dem gleichen Stand 
punkt stehen. 
Wir wollen hier nicht darüber streiten, wel 
ches von beiden Übeln wohl das größere sei. 
Fest steht, daß unter Heimweh nur bestimmte 
Menschen leiden, während wir den Durst alle 
schon am eigenen Leibe verspürt haben, und 
darin sind wir uns dann wieder einig, Durst 
haben ist eine scheußliche Angelegenheit. Um 
so schöner, von kühlen erfrischenden Geträn 
ken zu sprechen, deren es ja heute wieder eine 
Fülle gibt. Gott sei Dank sind die Zeiten vor 
bei, wo man sich mit Faßbrause, Malzkaffee 
oder gar Wasser begnügen mußte. Die Krone 
der durststillenden Getränke ist aber immer 
noch ein goldgelbes Bierchen, wenn es kühl 
und frisch ins Glas zischt und sein weißes 
Schaumhäubchen Erquickung verspricht. 
Die Saarländer sind ausgesprochene Bier 
trinker. Für sie ist der Gerstensaft nicht nur 
der Freudenspender in geselligen Stunden, 
sondern sie betrachten ihr Bier mit Fug und 
Recht als wertvolles Nahrungsmittel. Wie sehr 
sich das Bier wachsender Beliebtheit im Saar 
land erfreut, zeigen die folgenden Ausstoß- 
und Verbrauchszahlen der letzten fünf Jahre: 
1948 = 299.384 hl = 33,11 Liter pro Kopf 
der Bevölkerung, 
1949 = 497.604 hl = 53,78 Liter pro Kopf 
der Bevölkerung, 
1950 — 568.423 hl = 60,31 Liter pro Kopf 
der Bevölkerung, 
1951 = 605.268 hl = 63,20 Liter pro Kopf 
der Bevölkerung, 
1952 = 671.084 hl = 69,5 Liter pro Kopf 
der Bevölkerung. 
(Statistisches Jahrbuch für das Saarland 1952.) 
Den meisten Durst in unserer Heimat gibt es 
wohl im dunklen Schoß der Erde, am glühen 
den Hochofen, an lärmenden Maschinen und 
wo immer der saarländische Mensch schwere 
körperliche Arbeit verrichtet. Darum sind auch 
unsere Bergleute und Hüttenarbeiter treue 
Kunden der saarländischen Brauindustrie. Die 
Brauer wissen um die Vorliebe der schaffenden 
Bevölkerung für ein Qualitätsbier, ist dies doch 
eine grundlegende Bedingung für die günstige 
Aufwärtsentwicklung ihrer Betriebe gewesen. 
Dieses Vertrauen immer aufs neue zu recht- 
fertigen, wetteifern 12 moderne Betriebsstätten 
an der Saar, denen es gelungen ist, trotz durch 
den Krieg bedingter Zerstörungen und den 
Rohstoffmangel der Nachkriegsjahre heute 
wieder ein Bier auf den Markt zu bringen, das 
preisgünstig ist und dabei gleichzeitig auch 
den verwöhntesten Geschmack befriedigt. Der 
Gang durch eine neuzeitliche Brauerei zeigt, 
daß das Brauen heute ein wenig mehr Auf 
wand erfordert als zu Zeiten unserer Vor 
fahren. Und doch, so berichtet uns Tacitus, 
spielte das Bier im Leben der Germanen schon 
eine bedeutende Rolle. Singen wir nicht im 
Scherzlied: 
„Es saßen die alten Germanen 
zu beiden Seiten des Rheins. 
Sie saßen auf Bärenfellen, 
und tranken immer noch eins!“ 
Was da in kunstvollgefriebeneai Bechern im 
mer wieder die Runde machte, die Festgelage 
Kessel in einem saarländischen Sudhaus
	        

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