Full text: 1954 (0082)

57 
ler zugängig, sondern speziell zu einer Form 
des persönlichen Ausdrucks bei Günter Maas. 
Die Verbindung von materialgerechter Ver 
arbeitung und persönlicher Handschrift ist eben 
so das Merkmal der Bildhauerarbeiten, die oft 
Sandstein oder Ulme und Linde bevorzugen. Die 
Schlankheit eines Engels ist aus dem Stamm ge 
wachsen. Die Ansatzstellen von Ästen zeichnen 
bedeutungsvolle Runen in die Gesichter einer 
Pieta-Gruppe. Das Gesicht der Muttergottes ist 
das einer Frau unserer Tage und enthält das 
ganze Erlebnis unserer Zeit. Die von den Holz 
narben angelegte Steilfalte in ihrer Stirn er 
scheint ebensowenig wie in Christi Antlitz zu 
fällig, sondern geradezu vorbestimmt. In der 
Saarbrücker Christ-König-Kirche steht ein Chri 
stus mit Johannes in farbig gebeiztem Linden 
holz, in der Kirche in Maybach die „Unbe 
fleckte“, und im Besitz des luxemburgischen 
Konsuls befindet sich die Sandsteinplastik „In 
memoriam". 
Das größte bildhauerische Werk von Günter 
Maas ist der Marktbrunnen in Homburg, der 
im Jahre 1952 aufgestellt und eingeweiht wurde. 
Aus dem internationalen Wettbewerb ging Maas 
unter 88 Bewerbern als erster Preisträger her 
vor. Er war einer der jüngsten Teilnehmer, 
aber seine künstlerischen Ideen und sein Kön 
nen siegten doch im Wettstreit mit sehr nam 
haften Künstlern aus Stuttgart, Darmstadt, Mün 
chen, Berlin, Mailand und noch anderswoher. 
Auf drei Stufen setzt die Sternform des Brun 
nenbeckens an. In zwölf Reliefs aus Kunststein 
ist die Homburger Heimatgeschichte geschildert, 
wobei Maas sogar bestrebt war, die historischen 
Personen porträtähnlich zu geben. Uber der 
Brunnenschale, die ihr Wasser aus den sechs 
Ecken des Sterns in weitbogigen Strahlen emp 
fängt, erhebt sich der Sockel, der mit den vier 
wasserspeienden Fischen aus einem einzigen 
Block Euville-Muschelkalk gehauen ist. Darüber 
die drei Frauengestalten, deren dunkler Bronze 
ton so feierlich vom weißen Muschelkalk ab 
sticht, sind aus dem von Bauxit gewonnenen 
Lafarge-Schmelzzement gegossen worden, wo 
bei dieses neuartige, unbegrenzte Dauer ver 
sprechende Verfahren überhaupt zum ersten 
mal angewandt wurde. 
Das Schmuckstück für eine saarländische Stadt 
ging aus der Bauhütte Rotenbühl des Bildhauers 
Günter Maas hervor. Mögen auch im heutigen 
Bauschaffen die Aufträge für bildende Künstler 
infolge fehlender gesetzlicher Verpflichtung 
noch spärlich fließen, so zeigt sich doch, daß 
sich Auftraggeber eher finden lassen, wenn 
ihnen der Künstler aus seinem elfenbeinernen 
Turm entgegenkommt und mit handwerklicher 
Erfahrung ans praktische Werk geht. Günter 
Maas ist noch jung und verspricht noch viele 
Beweise seines sicheren, vielseitigen und mit 
echtem Handwerksgeist gepaarten Könnens.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.