Full text: 1954 (0082)

Entwicklung und Einsatz Von Karl Marz "' n 
des Panzerförderers im Saarbergbau 
K ennzeidinend für das Bemühen um eine 
wirkungsvolle Mechanisierung der Streb 
förderung im Rahmen der Verbesserung der 
Abbauverfahren in den Nachkriegsjahren, war 
mit an erster Stelle die Einführung des Panzer 
förderers. 
Voraussetzung für einen Einsatz war natur 
gemäß der moderne Zuschnitt der Abbau 
betriebspunkte mit ihren erhöhten Anforderun 
gen an das jeweilige Strebfördermittel. 
Für den Saarbergmann ist die Geschichte des 
Panzerförderers bestimmt nicht minder reizvoll 
zu lesen, als beispielsweise die Entwicklungs 
geschichte der in der gleichen Zeit erfundenen 
vielseitigen Maschinen und Vorrichtungen für 
Streckenvortriebe oder Abbau geringmächtiger 
Flöze. 
Der Panzerförderer ist ein Doppelkettenförde 
rer, der die Eigenschaften und jeweiligen Vor 
teile der bis dahin bekannten Bremsförderer 
und Kratzförderer in sich vereinigt. Darüber 
hinaus hat er jedoch eine Reihe ganz neuer 
Eigenschaften aufzuweisen, deren Beschreibung 
aus den nächsten Abschnitten hervorgeht. Er ist 
zu einem Fördermittel für die mechanisierte 
Kohlengewinnung schlechthin geworden, dessen 
Hauptanwendungsgebiet in flach gelagerten Ab 
baubetrieben zwischen 15 Grad Ansteigen und 
25 Grad Einfallen liegt. 
Die eigenartige Gestaltung der Rinnen — und 
Kratzeisenprofile sowie die durchdachte Form 
der Kettenschlösser sind das Produkt vieler Ver 
suche und Erfahrungen, welche anfangs nicht 
immer von Erfolg gekrönt 
waren. 
Daß die besonders kräftige 
Rinnenkonstruktion als Trä 
ger und Fahrbahn für 
Schrämmaschinen, Gewin- 
nungs- und Lademaschinen 
verschiedenster Art dienen 
kann, hat diesen Förderer 
gerade für unsere Abbauver 
hältnisse fast unentbehrlich 
gemacht. 
Nun kurz zur Geschichte 
des Panzerförderers: 
Bis in die ersten Kriegs 
jahre hinein verlief die Ent 
wicklung der Brems- und 
Kratzförderer ziemlich gleich 
artig. 
Dem leider zu früh ver 
storbenen technischen Direk 
tor der Eisenhütte Westfalia Lünen, Herrn 
Wilhelm Löbbe, ist es zu verdanken, daß der 
Doppelkettenförderer eine Sonderentwicklung 
zum Panzerförderer nahm und damit einen gro 
ßen Schritt nach vorwärts in der Abbauführung 
und Entwicklung anbahnte, an welcher heute 
noch in allen Ländern Bergingenieure und Tech 
niker arbeiten. 
Eine oberschlesische Grube, welche ein 12 m 
mächtiges Flöz in 3 Scheiben von je 4 m ab 
baute, wandte für jede Scheibe streichenden 
Abbau an. Da die Hereingewinnung durch 
Schießarbeit geschah, mußte die Schüttelrutsche 
in einem Abstand von mehreren Metern vom 
Kohlenstoß gehalten werden, um sie vor Schieß 
einwirkungen zu schützen. Dadurch mußte die 
Kohle mehrmals umgeschaufelt werden. 
Löbbe kam auf den Gedanken, einen Doppel 
kettenförderer kräftigster Bauart nahe an den 
Kohlenstoß zu legen, ihn durch sogenannte 
Panzerbleche schußsicher abzudecken, ihn zuzu 
schießen und durch Abheben der Abdeckplatten 
den Hauptteil der geschossenen Kohle ohne 
Handarbeit abzufördern. 
Von dieser Geburt des Panzerförderers bis 
zur heutigen Ausführung war noch ein langer 
Entwicklungsweg zurückzulegen, an welchem 
die Gruben des Saarlandes sehr lebhaft teil- 
nahmen. 
Es entstand schon frühzeitig der Gedanke, 
Schräm- und Lademaschinen so auf den Förderer 
zu setzen, daß der größte Teil der geschrämten 
Kohle sofort in denselben fiel und automatisch 
abtransportiert wurde (siehe Bild 1). 
Bild 1 
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