Full text: 1954 (0082)

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Gartenland — Kinderland! 
Von A. Buschmann, St. Ingbert 
ir bejahen das Eigenleben der Pflanzen 
und der Tiere unseres Gartens, wir spüren die 
geheimen Zusammenhänge auf, die gesetzmäßig 
in allem Leben liegen. Dadurch kommt uns die 
Erkenntnis, daß auch in jedem jungen Menschen 
wesen sich ein eigenes Gesetz erfüllen will. 
Würden wir eine Blumenknospe, die sich morgen 
oder übermorgen aus innerem Antrieb öffnen 
wird, mit Ungeduld auseinanderzerren? Und wie 
oft zerren wir so an der Seele eines Menschen 
kindes, weil es eine „Pädagogik“ fordert! 
Der Garten und die Nähe der einfachen, natür 
lichen Gesetze läßt uns in der Kindererziehung 
einen natürlicheren Weg finden. Schon dadurch, 
daß wir unseren Kindern im Garten ein eigenes 
Stüde Land einräumen, kommen wir ein gutes 
Stück vorwärts. Das eigene Stück Land gibt 
dem Kinde die erste Verantwortung. Pflanzen, 
lebendige Wesen, werden ihm anvertraut. Der 
bei Kindern natürliche Trieb der Zerstörung aus 
Unkenntnis der inneren Werte kann hier mühe 
los abgeschaltet werden. Als ich einem kleinen 
Mädchen erzählte, daß die Akelei, die man ihr 
für ihr Beet geschenkt hatte, eine lebendige, 
kleine Dame ist, als ich ihr erzählte, daß sie 
ganz tief unten in ihrem Wurzelhaus wohnt und 
nur wartet, bis es warm wird, um heraus 
spazieren zu können, da nahm das Kind mit 
scheuer Behutsamkeit den Wurzelstock in die 
Hand und pflanzte ihn mit Ehrfurcht. Und wenn 
ich ihr sagte, daß es der Akelei weh tut, wenn 
das Wurzelhaus Trockenheit leidet oder mit zu 
viel Wasser überschwemmt wird, dann war ich 
sicher, daß der kleine Kerl bald die Geheim 
nisse des richtigen Gießens herausfindet. Tauch 
ten Zweifel auf, so wurden rasch Vater und 
Mutter um Rat gefragt, denn nie hätte die kleine 
Blumenhüterin zugegeben, daß ihre Schützlinge 
dürsten oder ertrinken. Groß war der Jammer, 
wenn ja einmal eine Pflanze nicht wachsen 
wollte. Wie schnell hat doch so ein kleines Ge 
müt das Pflanzenleben erfaßt! Auf dieses Er 
fassen kommt es allein an: Hat das Kind erst 
vom großen Reich der Natur ein Stücklein nahe 
am Herzen, so ist es dem ganzen Kosmos ver 
bunden. 
Feiern wir auch unsere Feste wieder im 
Garten! Ostern suchen wir die Eier unter Strauch 
und Baum. Das ist Auftakt für viele Garten 
feste in Sommer- und Herbstzeit. Kann man 
nicht ein Fest feiern, wenn die ersten Radies 
chen reif sind? Muß man nicht ein Fest feiern, 
wenn hochgehäufte Erdbeerschüsseln auf dem 
Tisch stehen? Ist es nicht ein Fest, im selbst 
getrockneten ersten Heuhaufen zu liegen, die 
ersten Frühäpfel zu pflücken? Und erst die 
goldenen Tage herbstlichen Einheimsens! Dann 
wird es stiller im Garten. Ich könnte mir schon 
noch einen Chrysanthemenfesttag denken, ganz 
spät im Oktober, wenn die Nebel über den 
Garten ziehen, ohne die Glut und Farbe unserer 
Chrysanthemen zu dämpfen. Und im November 
holen wir zum Adventskranz Zweige und winter 
grünes Laub und lassen den Garten so teil 
haben an unserer Adventsfeier. Selbst Weih 
nachten, wenn der Garten bis über die Ohren 
in seiner weißen Pelzmütze steckt, vergessen 
wir ihn nicht. Ist der Himmel klar, so stecken 
wir Kerzen draußen an ein Tannenbäumchen 
und erfreuen uns vom warmen Zimmer aus an 
diesem Zauberbild. Wenn wir solche Feiertage 
mit unseren Kindern erleben, dann machen wir 
ihnen den Begriff „Gartenfeste“ wieder lebendig. 
Aber auch mitarbeiten müssen wir die Kinder 
lassen! Freilich gehört dazu Geduld. Die kleinen 
Hände sind eben noch tolpatschig; mit pedan 
tisch - schulmeisterlicher Belehrung oder gar 
ärgerlichem Beiseiteschieben werden wir die 
Liebe zur Gartenarbeit nicht wecken, Kamerad 
schaftlich müssen wir immer wieder den Kindern
	        

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