Full text: 1954 (0082)

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Der muntere Jubilar war früher eifriger Sän 
ger — aber heute klappt es leider mit der Puste 
nicht mehr, so daß er keinem Chor mehr an 
gehören kann. Die lustige Sängerart hat er des 
halb aber doch noch nicht abgelegt. Und das 
ist gut so! 
* 
Griesborn — Eisenbahnschacht. Der Arbeits 
lärm auf dieser Anlage ist verstummt. Wohl 
ragt noch stolz das Gerüst des Förderturms in 
den blauen Himmel. Aber es ist nur Attrappe 
— kein Seil läuft mehr emsig um die Räder, 
und die Förderkörbe wurden längst verschrottet 
oder einer anderen Verwendung zugeführt. 
Dennoch rührt sich auch auf diesem stillgelegten 
Schacht Leben. Und zwar recht emsiges und 
rühriges Leben — wenn es auch im ersten 
Augenblick weniger auffällt. Wir befinden uns 
inmitten der Lehrlingswerkstätten. 
Unser Weg führt uns in den Lehrstollen. Ge 
blendet vom Tageslicht, steigen wir auf einer 
Leiter in ein dunkles Loch hinab. Knaben 
stimmen und Axtschläge tönen uns entgegen. 
Und nun erkennen wir endlich im Licht der 
Lampen etwa zehn Lehrlinge, die damit be 
schäftigt sind, unter Anleitung des 56jährigen 
Ausbildungshauers Heinrich Schweitzer aus 
Schwalbach Holzstempel zurecht zu sägen oder 
zu hauen. Hier in diesem Lehrstollen, der in 
etwa das Bild einer Grube unter Tage wieder 
gibt, werden die Jungen in vier Wochen auf 
ihre Tätigkeit unter Tage vorbereitet. Hier er 
halten sie die letzten Instruktionen bevor sie 
zum erstenmal einfahren. 
Unser Jubilar — ein aufgeschlossener Mann, 
der das Herz am rechten Fleck hat und es tadel 
los versteht, mit der Jugend umzugehen, führt 
uns durch den Stollen und erklärt uns, was 
Grundbedingung ist für die Arbeit unter Tage 
und die Lehrlinge demnach bei ihm lernen müs 
sen. Dazu gehört das Stempelsetzen, die 
„Rutsch" umlegen, Bergeversatz machen, Holz 
arbeiten aller Art, unfallsicheres Sägen, ziel 
sicheres Hauen, geschicktes Umgehen mit der 
Ausbildungshauer Schweitzer (Griesborn) 
Schaufel, günstiges Tragen von Lasten, Kom 
mandos geben und anderes mehr. 
Schweitzer ist den Jungen ein guter Lehr 
meister, denn er war selbst fast 40 Jahre lang 
unter Tage tätig. Erst im Jahre 1949 wurde er 
zum Ausbildungshauer berufen und übt seit 
vier Jahren diese Tätigkeit mit Erfolg aus. 
Zu Hause besitzt er noch 50 Ar Land und 
zwei „Bergmannskühe“. Deshalb kann er, wenn 
er nach der Schicht nach Hause kommt, noch 
lange nicht die Hände in den Schoß legen. 
* 
Kraftwerk Fenne. Grüne Rasenflächen und 
blühende Rosen umgeben die imposante Anlage 
des Kraftwerkes. Gleich am Eingang finden wir 
Sanitäter Felten (Kraftwerk Fenne) 
die Arbeitsstätte des 55jährigen Sanitäters 
Georg Felten aus Bous, der uns freundlich in 
dem kleinen, sauberen Sanitätsraum willkom 
men heißt. 
Der Jubilar macht uns darauf aufmerksam, 
daß er und seine Kameraden, die in Wechsel 
schicht arbeiten, damit beauftragt sind, in Un- 
glücksfällen Erste Hilfe zu leisten und außer 
dem das Bad sowie die Kaffeeküche zu reinigen 
und in Ordnung zu halten. Bei der etwa 350 
Mann starken Belegschaft gilt es, monatlich 
40—60 leichtere Verletzungen — vor allem 
Quetschungen und Schürfungen — zu verarzten. 
Glücklicherweise kam es in den letzten Jahren 
nicht zu schweren Unglücksfällen. Während der 
Sprechstunden des Werksarztes assistieren die 
Sanitäter, und schließlich nehmen sie die Aus 
gabe, Reinigung und Desinfektion der Staub 
masken vor, die beim Kesselreinigen getragen 
werden. Außerdem finden wir in einem der
	        

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