Full text: 1954 (0082)

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1. Beauftragter des Betriebsrates Görgen (rechts) 
im Gespräch mit einem Arbeiter 
Am ersten Weltkrieg hat Bergmann Gerstner 
teilgenommen, geriet aber nach einigen Mona 
ten schon in französische Gefangenschaft. 1924 
baute er sich unter großen Opfern ein eigenes 
Haus. Damals gab es ja noch keine öffentlichen 
Unterstützungsfonds wie heute, und jeder war 
auf sich selbst angewiesen. Dabei waren vier 
Kinder großzuziehen, die heute erfreulicher 
weise alle versorgt sind. Auch dieser Jubilar 
besitzt Land — 120 Ar sogar. Da heißt es, nach 
der Schicht noch fleißig die Hände rühren, 
Außerdem bekleidet Gerstner das Amt eines 
Gemeinderatsmitglieds. Sein ruhiges, besonne 
nes und doch bestimmtes Wesen befähigt ihn 
gewiß vorzüglich zu diesem Amt, dessen er in 
seiner Bescheidenheit nicht einmal Erwähnung 
tat. 
einige Anträge seiner Kameraden erledigen. Im 
allgemeinen suchen ihn diese aber während 
seiner Sprechstunden bei Schichtwechsel auf. Der 
Jubilar bestätigt uns, daß seine Arbeit ihn voll 
kommen ausfüllt, ja daß es manchmal fast zuviel 
wird. Dabei muß manch harter Strauß aus- 
gefochten werden, und Ärger gibt es auch in 
Hülle und Fülle. 
Zu Hause geht die Arbeit weiter, denn unser 
Jubilar, der sich 1930 ein Haus gebaut hat, be 
treibt eine kleine Landwirtschaft. Doch dies 
allein befriedigt ihn nicht. Er liest viel, um sich 
in allen arbeitsrechtlichen Fragen auf dem lau 
fenden zu halten. Im übrigen betätigt er sich 
auf der kommunal-politischen Ebene und ist 
Gemeinderatsmitglied in Köllerbach. 
* 
Und nun zu Viktoria I. Der 58jährige Berg 
mann Philipp Gerstner aus Obersalbach wartet 
auf der Inspektion auf uns. Er hatte Nacht 
schicht, und wir wollen ihn nicht allzu lange 
durch Fragen vom wohlverdienten Schlaf ab- 
Bergmann 
Gerstner 
(Viktoria I) 
halten. Doch auch die kurze Zeit genügt, um die 
Umrisse eines arbeitsreichen Lebens aufzuzeich 
nen. Im Jahre 1912 fuhr unser Jubilar in Vik 
toria an. Zwanzig Jahre lang hat er schwer vor 
Stoß gearbeitet, später wurde er dann Stempel 
meister, Nachreißer und schließlich Wettermann 
— eine Tätigkeit, die er noch heute ausübt. 
Schichtwechsel auf Grube Göttelborn. Lange 
Reihen von Autobussen parken vor der Anlage. 
Im Verlesesaal herrscht Hochbetrieb, und auch 
am Schalter der Lampenkaue ist ein ewiges 
Kommen und Gehen. 14.00 Uhr. Nun mischen 
sich schon die ersten schwarzen Gesichter zwi 
schen die reinen weißen, und bald beherrschen 
die von der Arbeit Kommenden allein die große 
Halle. Eilends verschwinden sie im Bad. 
Wir treffen unseren Jubilar, den 56jährigen 
Bergmann Josef Busch aus Wiesbach gerade an, 
Bergmann Busch an der Lampenkaue (Göttelborn) 
als er seine Lampe abgibt. Auch er ist in Eile, 
denn der Bus wartet nicht. Deshalb gibt uns 
Busch nur kurz einige Daten seines Lebens an, 
wobei der Pfiffikus seine Aussagen mit Scher 
zen würzt. 1912 fuhr er auf Göttelborn an und 
arbeitete mit Unterbrechung des ersten und 
zweiten Weltkriegs seither als Maschinen 
schlosser unter Tage. Ein Herz- und Blasen 
leiden machte ihm die Ausübung der schweren 
Arbeit unmöglich, so daß er zur Zeit beim 
Transport beschäftigt ist. Busch hat fünf Kinder 
großgezogen, von denen zwei Söhne auf Grube 
Göttelborn und einer als Steiger auf Grube Mel 
lin tätig sind.
	        

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