Full text: 1953 (0081)

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Weidenruten, Matten aus Binsen und Bast. Sie 
bearbeiteten den Flachs mit hölzernen Flachs 
brechen, knöchernen Hecheln und hölzernen 
Karden. Die Frauen spannen mit der Spindel 
das Garn. In den Pfahlbauten der Schweiz 
kamen aus dem Seegrund noch ganze Knäuel 
Garn und Spulen zum Vorschein. In den Häu- 
Kulturpflanzen aus schweizerischen Pfahlbauten 
(Nach Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit) 
sern der jüngeren Steinzeit wurde die Leinwand 
auf dem Webstuhl gewoben. Das Weberschiff 
chen und der Weberknoten waren bekannt. Man 
stellte Fischnetze her, erzeugte Fransenborden 
und Quasten zur Dekoration. Die Steinzeit 
frauen verstanden das Knüpfen, Häkeln, Sticken 
und Färben. Vielerlei Kunst und Handwerk, das 
hier nicht aufgezählt wird, gehörte zur täg 
lichen Übung (Abb. 13). 
Nimmt man dazu, was die Leute alles in der 
Natur gesammelt haben: Bucheckern, Hasel 
nüsse, die Wassernuß, Mohn, wilde Äpfel und 
Birnen, Beeren, Kräuter, wilden Honig usw. — 
nimmt man dazu, was sie im Garten- und Acker 
bau kultiviert haben: Weizen in mehreren Arten, 
Gerste in mehreren Arten, Hirse, Erbsen, die 
Ackerbohne (Saubohne), Flachs usw. (Abb. 14) 
— nimmt man die Tiere hinzu, die durch Zäh 
mung und Zucht zu Haustieren geworden 
waren: Hunde, Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen 
und am Ende der Steinzeit auch schon das Pferd 
— bedenkt man die Folgerungen daraus, die 
Gewinnung von Milch, Fleisch, Fellen, Leder, 
Knochen, Sehnen und Wolle, so rundet sich das 
Kulturbild der jüngeren Steinzeit zu einem le 
Abb. 15 
Steinzeitliches Moordorf Riedschachen 
(Nach Reinerth, Das Federseemoor) 
bensvollen Gemälde. Der Mann des Neolithi 
kums war es schließlich auch, der Kupfer und 
Zinn entdeckte und das Gold, womit er am 
Ende seinem Zeitalter selbst eine Grenze setzte, 
denn mit der Kenntnis dieser Metalle begann 
für die Menschheit eine neue Epoche, die 
Bronzezeit. 
Bei einem solchen Stand der Kultur im vierten 
und dritten Jahrtausend vor Christus in unserer 
eigenen Heimat nimmt es nicht wunder, wenn 
die Ausgrabungen kunstvolle Häuser (Abb. 15), 
und ganze Siedlungen (Abb. 16), ja sogar 
Festungen mit Wällen, Gräben, Palisaden und 
Wehrgängen freigelegt haben. Die Gräber der 
Steinzeitmenschen spiegeln ihre gesellschaftliche 
Schichtung wider. Die Familie als Urzelle 
menschlicher Ordnung spielte dabei die Haupt 
rolle. Darüber stand die Großfamilie, die Sippe 
und der Volksstamm. Die Gräber zeigen auch, 
daß es Reiche und Arme gab, Häuptlinge und 
Gefolgschaft (Abb. 17). Uber die Dorfgemein- 
Abb. 16 Rekonstruierte Ansicht des Moordorfes Aichhühl (Nach R. R. Schmidt)
	        

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