Full text: 1953 (0081)

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Dieser wurde dann herausgeschlagen. Man 
bohrte von der eine Seite bis zur Hälfte durch, 
drehte dann das Werkstück um und bohrte die 
zweite Hälfte von der anderen Seite. Daß die 
Löcher wirklich auf diese Art gebohrt wurden, 
beweisen Halbfabrikate und Fehlbohrungen, die 
oft schon gefunden wurden und alle Abschnitte 
des Arbeitsvorganges klar machen (s. Abb 5). 
Das Steinbeil war nicht nur Waffe, sondern 
vor allem Werkzeug. Es leuchtet ein, daß, mit 
einem solchen Werkzeug ausgerüstet, der 
In der jüngeren Steinzeit entstand ein blühen 
des keramischen Kunstgewerbe, dem heutige 
Keramiker, auch ein Picasso nicht, was Originali 
tät und phantasiereiche Erfindung betrifft, 
keineswegs gleichkommen. Die Keramik ist ge 
radezu zum Leitfaden des Forschers für die ver 
schiedenen steinzeitlichen Kulturen und Völker 
Abb. 12 
S teinzeitliches 
Tongeiäß mit weiß 
inkrustierter 
Stichverzierung 
(Nach Sprater, Die 
Saarpfalz in der 
Vor-und Frühzeit) 
Abb. 11 
Feuersteindolche der jüngeren Steinzeit 
mit erhaltenem Holzgrift 
(Nach Hülle, Die Steine von Carnac) 
Mensch ganz große Fortschritte in der Holz 
bearbeitung machen mußte. Er fällte Bäume, 
spaltete sie der Länge nach, baute Häuser 
daraus und höhlte die Bäume aus zu soge 
nannten Einbäumen, d. h. zu Schiffen, die aus 
einem halbierten Stamm gemacht sind (Abb. 10). 
Pfeil und Bogen, Spindel und Webstuhl, Schalen 
und Löffel sowie hunderterlei Geräte waren aus 
Holz gefertigt. Hunderte andere Dinge wurden 
aus Horn und Knochen hergestellt: Hirschhorn 
hacken für den Acker- und Gartenbau, Beil 
schäftungen, Pfriemen und Ahlen für die Leder 
bearbeitung, Beinnadeln zum Nähen, Angel 
haken zum Fischen 
und dergleichen 
mehr (Abb. 11). 
Eine geradezu 
epochemachende Er 
findung der Stein 
zeitmenschen ist die 
Herstellung des ge 
brannten Tonge 
fäßes. Der irdene 
Topf erlaubte es, 
Wasser zu kochen, 
und damit wird die 
Küche eine für da 
malige Zeiten un 
erhörte Umwälzung 
erfahren haben. 
Aber nicht nur das, 
sondern die Kera 
mik reizte von An 
fang an zur künst 
lerischen Betätigung 
in dem leicht form 
baren Tonmaterial. 
geworden. So spricht man von Linearband 
keramikern und meint damit Völker, die im 
3. Jahrtausend vor Christus ihre Töpfe mit ein 
geritzten Linienbändern verziert haben. So 
spricht man von Stichbandkeramikern, Glocken 
becherleuten, Megalithkeramikern, Schnurkera 
mikern usw., wie oben schon erwähnt. Die Ver 
zierungen auf der Gefäßwand wurden vielfach 
mit einer weißen Masse inkrustiert und dadurch 
erst recht zur Wirkung gebracht (Abb. 12). Es 
gibt Gefäße mit Dekorationen aus Zinneinlagen 
(diese allerdings erst später) oder mit Verzie 
rungen aus aufgeklebter Birkenrinde. Im Osten 
Europas war insbesondere die bunte Gefäß 
bemalung verbreitet. 
So bedeutend die Erfindung der Keramik für 
den menschlichen Fortschritt war, — die Stein 
zeitleute konnten mehr. Sie flochten Körbe aus 
Abb. 13 
Jungsteinzeitlicher Schmuck aus Marmor und Gagat
	        
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