Full text: 1952 (0080)

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Die Rußhütie 
Von Kurt Hoppstedter 
I m Jahre 1909 wurde aus den Städten Saar 
brücken, St. Johann und Malstatt-Burbach die 
Großstadt Saarbrücken gebildet. Diese vorher 
selbständigen Städte sind nun zusammenge 
wachsen und stellen sich heute als verhältnis 
mäßig geschlossene Siedlung dar. Doch wenn 
man sich den Stadtplan ansieht, erkennt man, 
daß verschiedene Stadtteile ihre isolierte Lage 
noch nicht verloren haben. Nur die Straße 
zwischen dem bewaldeten Homburg und den 
Gleisanlagen des Verschiebebahnhofes Saar 
brücken verbindet Jägersfreude mit der Stadt, 
und an der sich langhinziehenden Fischbach 
straße hängt zwischen dem Ludwigsberg und 
dem Rastpfuhl der Stadtteil Rußhütte und er 
streckt sich in die Waldungen des Fischbach- 
tales. Die isolierte Lage dieser Stadtteile ist in 
erster Linie auf die enge Talbildung des Sulz 
baches und des Fischbaches zurückzuführen, 
aber die Struktur dieser beiden Wohnplätze ist 
doch wenig großstädtisch. Es sind Industrie 
arbeitersiedlungen mit einem uniformen Cha 
rakter, die jedoch auch heute noch deutlich er 
kennen lassen, daß ihre Entwicklung nicht durch 
das Wachsen der Großstadt bedingt wurde, 
sondern daß sie sich um eigene Siedlungskerne 
gebildet haben. 
Das wollen wir hier für den Stadtteil Ruß 
hütte, der vor der Bildung der Großstadt zu 
Malstatt gehörte, untersuchen. 
Bevor im Fischbachtal die Steinkohlenflöze 
erschlossen und abgebaut wurden und der Berg 
bau ihm sein heutiges Gesicht gab, wurde in 
seinen dichten Wäldern Eisenerz gegraben. In 
einer hinterlassenen Handschrift, die um 1860 
entstand, macht der Saarbrücker Geschichts 
forscher Köllner folgende Angaben: 
„Das Fischbacher Tal war in früherer Zeit 
sehr ergiebig an Eisenerzen, die sich beson 
ders am waldigen Bergabhange auf der linken 
Seite dieses Baches vorfanden 
und häufig dort gefunden wur 
den. In jener Zeit wurde das 
Erz ohne weitere Umstände an 
Ort und Stelle im Freien ge 
schmolzen, wie aus verschiede 
nen Schmelzplätzen, die noch 
vor 50 Jahren (also um 1810) 
im Rußhütter Wald gegen den 
sogenannten Entchensbrunnen 
gefunden wurden und einer 
großen Menge halb geschmolze 
nes Erz und Schlacken unzwei 
deutig hervorgeht. Daß aber 
hier in diesem Tale ein Hütten 
werk (Schmelze und Hammer) 
wirklich bestanden, davon gibt 
uns nicht nur ein älteres Reper 
torium des Saarbrück’schen Ar 
chivs einen Beweis, indem das 
selbe eines „Malstatter Eisen- 
und Hüttenwerkes“ gedenkt, 
sondern auch die Ruinen eines Gebäudes, die 
1765 dicht an dem Fischbach zwischen dem 
jetzigen Dorf Rußhütte und dem Torhaus ent 
deckt wurde, an welchem man den Wasser- 
Kanal, die Feuer-Esse usw. deutlich erkennen 
konnte, sowie ebenfalls eine dort Vorgefun 
dene Luppe auf ein Hammerwerk hindeutet. 
Dieses Werk mag beiläufig im Dreißigjäh 
rigen Krieg in Abgang gekommen sein.“ 
Diese Angaben hat Ruppersberg fast wörtlich 
in seine Stadtgeschichte übernommen. 
Das von Köllner genannte Hüttenwerk hat 
etwa dort gelegen, wo in der Zeit der letzten 
Fürsten von Nassau-Saarbrücken eine Mühle 
entstand, die 1763 als Pulvermühle genannt 
wird, dann nacheinander Schleifmühle, Loh 
mühle und Mahlmühle war und noch 1852 als 
Schleifmühle an der Fischbach existierte. Der 
Name des Bahnhofes Saarbrücken-Schleifmühle 
hält die Erinnerung an diese Mühle fest. 
■NEUFANG GOLDHALS 
Fischbachstraße
	        

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