Full text: 1952 (0080)

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Der Rolltabak und Sauaahn 
aus den vergangenen Zeiten 
(Geschrieben von einem alten Bergmann) Karl D e n ne , St. Ingbert 
D er St. Wendeier Rolltabak war das erste 
Genußmittel des Bergmannes. Man kannte 
kaum Zigaretten. Er benutzte den Rolltabak 
nicht nur zum Kauen, sondern auch zum 
Rauchen. Der Jungbergmann wurde schon früh 
von den älteren Kameraden ans Kauen dieses 
Krautes gewöhnt. Immer kostete es viel Mühe 
und Gewalt, bis er eine Schicke, Brimche, 
Quetsch oder Guzje vertragen konnte. Die 
Kohlengräber behaupteten, daß das Kauen den 
Durst stille und verhindere. Auch der Staub 
könne nicht in die Lunge dringen. Aber der 
Wirklichkeit wird wohl die Tatsache näher 
kommen, daß es den Nikotingenuß ohne Feuer 
gebrauch erlaubt, weil in der Grube das Rau 
chen ja verboten ist. 
Aber wie erwähnt, wurde der Rolltabak auch 
geraucht. Das war ein Genuß! 
Der Rolltabak wurde fein geschnitten und in 
einer Tonpfeife geraucht. Sauzahn hieß diese, 
wenn das Rohr lang war, abgebrochen hieß sie 
„Backewärmer* oder „Klowe*. Ich kann mich 
noch gut erinnern, wie mein Vater mit glühen 
den Eisen, Stahl- oder Steinzündern den Tabak 
zum Glühen brachte. Den Kauf des Tabaks be 
sorgten die Frauen. Wenn sie am Zahltag beim 
Krämer einkauften, wie es damals Sitte war, 
wurde „em Babbe sei Bestes" nett vergessen. 
Gewöhnlich wurde er im Pfund gekauft. Die 
Krämer hatten das edle Kraut in Rollen in 
großen Steinbütten eingelegt, damit es recht 
speckig und feucht blieb. 
So ist es wohl kein Wunder, wenn man die 
Bergleute die „Tuwake“ nennt. 
Trotz strengsten Rauchverbots sagte der 
Jakob, ein älterer Bergmann, eines Tages: „Du, 
Karl, morje bringe mer unser Klowe met und 
raache an der Brotzeit e bißche Tuwak." 
Ich war sofort damit einversanden. Es war 
weiter keine Gefahr, die „Arwet* war ungefähr 
zwanzig Meter unter der Tagesoberfläche. Doch 
als wir gerade am Schmauchen waren, kommt 
der Steiger und ruft: „Da rieche ich ja Tabak!" 
„Ach wo", sagte der Jakob, „das kenne ehr 
nette, ihF wisse jo garnet, daß die Buwe, wo 
do owe in Günterschwies die Geiße un die Kieh 
aushüre, dabei e Flämmche hann, un dann die 
Holzhauer do owe im Wald e Feier hann für ihr 
Supp warm zu mache. Vor einige Ta hat die 
NEUFANG MALZBIER 
Bas Schrumbelse, die of der Anlach wohnt, 
Pankkuche gebadet, do isch de Geruch a do 
runner gezoo in unser Streck." 
Damit gab sich der Steiger zufrieden und hat 
sich sogar noch einige Minuten mit uns unter 
halten, wie das so üblich war. Doch plötzlich 
wurde der Jakob ganz unruhig und sagte zum 
Steiger: 
„Ehr misse jetzt gehn, denn es fehle uns noch 
zwei Wähn Kohle!" 
Der Steiger ging, sagte aber: „Sorgt, daß ihr 
eijer Soll grin und esch marsch de Schennl e 
nunner." 
Da beginnt der Jakob plötzlich zu fluchen: 
„Kreuzmiljohne dunnerwärrer soll mer der 
do samme schlan. Do gucke mol, Karl, was ich 
mer do e Bios an de Daume gebrennt hann, so 
fescht hann ich mei Klowe zugehall. Wat nor, 
morje gringmer denne, do wärre zwei Pefe do- 
vor geraacht!" 
Am nächsten Tag, als der Steiger kam, ruft 
der Jakob ihm von weitem zu: „Mer hann heit 
Bech im Schennl gehat, mehr fehle noch vier 
Wähn.“ 
Der Steiger antwortete: „Macht nur, daß ihr 
eijer Förderung bekommt", und weg war er.
	        
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