Full text: 1952 (0080)

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bedeutende Rolle. Aus ihnen werden natürliche 
Verbindungen aus der Gruppe der Salizylsäuren 
gewonnen. Heute allerdings werden diese Säu 
ren meistens auf chemischem Wege hergestellt. 
Medikamente und Salben gegen Rheumatismus 
und Fieber, die Salizyl enthalten, sind überall 
bekannt. Auch die Hausfrau verwendet das Sa 
lizyl als Konservierungsmittel ihres Einmach 
gutes. 
Der in der Rinde enthaltene Bast wurde frü 
her zu Matten verarbeitet. Das Holz der Weide 
ist sehr weich, weiß, leicht und biegsam und 
läßt sich ohne Mühe spalten. Es wird gern zur 
Herstellung von Schachteln, Kisten, zu Schnitz 
arbeiten, Holzschuhen und Zahnstochern ver 
wandt. 
Der Gärtner nimmt die dünnen Zweige zum 
Anbinden der Jungbäume an die Pfähle, auch 
zum Bündeln von Sträuchern, wo gerade die 
kräftigeren, derberen Weidenruten den Bast 
faden übertreffen. Durch eine geschickte Dreh 
bewegung und der damit verbundenen Span 
nung in den Zweigen wird das Ende der Rute 
zusammengeschlagen und gibt, gleich einem 
Knoten, dem Verband einen festen Abschluß. 
In vielen Dörfern findet man ältere Leute, 
die für den eigenen Gebrauch, aber auch zum 
Verkauf, aus Weiden Körbe flechten. Körper 
behinderte und Blinde lernen in ihrer Aus 
bildung das Korbflechten und wählen es oft 
zum Lebensberuf. Mit Vorliebe werden die be 
kannten, runden Kartoffelkörbe, die ovalen 
Waschkörbe und die kleinen, mit einem großen 
Henkel versehenen Obst- oder Pflückkörbe her 
gestellt. Die weniger wertvollen Körbe werden 
aus rohen, natürlichen Weiden geflochten, bes 
sere fertigt man aus entrindeten und hell ge 
bleichten Ruten. Bei weniger stabilen Körben 
werden die Weiden gespalten, und aus ihnen 
werden hübsche Einkaufskörbe in den verschie 
densten Formen und Flechtmustern hergestellt. 
Die Korbflechterei des Bauern gehörte zu sei 
ner Winterarbeit. 
Wenn der Frühling durchs Land zieht und die 
Weidenkätzchen verblüht sind, wenn der Saft 
steigt und die Blätter sich an den Büschen ent 
wickeln, dann beginnt die Jugend sich mit den 
Weiden zu beschäftigen. Um die Pfingstzeit lie 
fert der Weidenbusch die Musikinstrumente zu 
den Umzügen der alten Volksbräuche. Die Ju 
gend versteht es durch Klopfen der Rinde und 
gleichmäßiges Drehen des Holzes diese vom 
Holz zu lösen. Es wird herausgezogen und das 
Rohr dient als eintöniges Blasinstrument. 
„Huppe" oder „Huppert" nennt man die ein 
fachste Form. Je nach Dicke und Länge werden 
dem Instrument durch kräftiges Blasen hohe oder 
tiefe Töne entlockt. Windet man, um den Ton zu 
verstärken, die abgeschälte Rinde eines ande 
ren Holzes trichterförmig um die „Huppe", ent 
steht eine Schalmei, die „Taratsche“, die nicht 
mehr ein Musik- sondern ein Lärminstrument 
ist. Es können auch wohltönendere Pfeifen aus 
Weidenholz hergestellt werden, doch gehört 
dazu schon mehr Geschick. Diese Naturinstru 
mente sind nur bei starkem Saftstand aus ast 
freien Trieben mit Erfolg zu machen. Je nach 
der Gegend werden während des Klopfens mit 
dem Taschenmesser oder mit einem glatten 
Holz lustige Saftlösereime gesprochen. 
Auch im Kinderlied hat die Weide ihren 
Platz eingenommen. In einem Versehen, das be 
stimmt einen sehr alten Ursprung hat, heißt es: 
„Hoppe, hoppe, Rößje, 
dort owe steht e Schlößje, 
gugge drei Madamme raus. 
Die eine spinnt Seide, 
die anner wiggelt Weide, 
die dritte macht e rote Rock 
for de liewe Herrgott!" 
So liebenswürdig die weißen Weidenkätzchen 
und die schon früh im Jahr mit einem licht 
grünen Schleier umhangenen Weidenbüsche am 
Bache sind, so schwermütig sind die düsteren 
Volkserzählungen und Geschichten, die sich mit 
den verkrüppelten, kopfartigen Kronen alter, 
verschnittener Weiden verbinden. Ihre Woh 
nung im Talgrund, die die Dämmerung und die 
Morgenfrühe mit Nebelschleiern verhüllt, wirkt 
geheimnisumwoben. Dort, wo Binsen, hohes 
Schilf und im Morast Erlen und Weiden 
wachsen, kann es nicht geheuer sein! Sagen 
und Spukgestalten werden an diese Orte ge 
bannt. Es ist das Gespensterreich des Erlkönigs. 
Die Weide ist der Unglücksbaum, an dem sich 
Judas erhängt hat. 
So ist unsere Weide ein Baum, der im Volks 
leben bald eine frohe, bald eine wehmütige 
und umheimliche Rolle spielt. Ihre natürliche 
Verbreitung an Wasserläufen, Sümpfen und 
Schutthalden, in alten Steinbrüchen und auf 
dem Dorfanger läßt sie nie aus dem Bild un 
serer Heimatlandschaft verschwinden. 
mineralreich 
erfrischend 
gesund
	        

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