Full text: 1952 (0080)

4.5 
Drei repräsentative saarländische Maler 
Von Dt. Werner S p i 1 k e r , Saarbrücken 
Nicht nur zur Goethezeit hatte das Saarland 
tüchtige Künstler, wobei man unter den Malern 
besonders an die beiden Saarbrücker Johann 
Friedrich Dryander und Kaspar Pitz denkt. Zwar 
fiel im ersten Weltkrieg mit dem St. Ingberter 
Albert Weisgerber eine ganz große Hoffnung, 
— nicht nur für die saarländische Kunst. In 
dessen weist das heutige Kunstleben eine über 
raschende Reichhaltigkeit und Vielfalt auf, die 
allerdings durch die Gliederung in mehrere Ver 
einigungen und Gruppierungen nicht gerade 
übersichtlich geworden ist. Um so glücklicher ist 
der saarländische Kunstfreund zu preisen, daß 
er sich nicht lange umzuschauen braucht, bis er 
solchen Repräsentanten begegnet, die stellver 
tretend für die ganze lebende Künstlergenera 
tion stehen können. Nicht, daß sie etwa alle 
vorkommenden Strömungen in sich verkörperten. 
Aber ihre Namen haben Geltung. Und hinter 
ihren Namen steht ihr Werk. Gemeint sind die 
drei Maler: Richard Becker, Fritz 
Zolnhofer und Albert Bohn. Sie leben 
alle drei in Saarbrücken, und will man sie be 
suchen, braucht man nur wenige Minuten, um 
vom einen zum anderen zu gelangen. 
Richard Becker 
So nahe liegen sie sich in ihrer künstlerischen 
Welt nicht. Richard Becker ist der älteste unter 
ihnen und mit seinen 63 Jahren überhaupt der 
Senior der saarländischen Künstlerschaft, der 
dem Bund bildender Künstler des Saarlandes 
präsidiert. Wie jung er aber ge 
blieben ist, nicht nur in seinen 
Fähigkeiten als Maler, sondern 
auch in seinem Aussehen und 
seiner Energie als Mensch, dar 
auf dürfen mit ihm alle stolz 
sein, die sich seiner Führung 
anvertraut haben. Auch Reisen 
unternimmt er noch wie der 
Jüngsten einer, dieser unruhige 
Entdecker immer neuer mal- 
würdiger Länder, der gerade 
seine Koffer für die Balearen- 
Reise packt, als man ihn noch 
in letzter Minute in seinem 
Atelier antrifft. Selten hat es 
Künstler gegeben, bei denen 
das Reisen und das Malen so 
zusammengehören und so in 
einander verwachsen sind wie 
bei Becker. Um sich aber zu 
diesen Malreisen aufmachen zu 
können, hatte sich der Maler zunächst einmal 
im Leben und künstlerisch durchzusetzen. 
Er entstammt einer Bergmannsfamilie und 
wurde 1888 in Wiebelskirchen geboren. Seine 
Eltern starben, als er noch nicht ein Jahr alt 
war, und er bekam Pflegeeltern. Mit ihnen ging 
er 1900 nach Saarbrücken, wohin sein Pflege 
vater, ein Lehrer, versetzt worden war. Den 
ersten Malunterricht bekam der talentierte 
Junge in der Malschule, die der Münchener 
Maler und gute Porträtist Hans Heß im Dach 
geschoß des Museums eingerichtet hatte. Der 
Pflegevater hatte zwar ursprünglich andere Ab 
sichten, die aus Richard Becker vielleicht einen 
Postbeamten gemacht hätten. Bald fand sich der 
Ausweg, der beide Teile befriedigte: er bezog 
die Staatliche Kunstschule in Kassel und wurde 
Zeichenlehrer. Aber sein Ziel war, endlich als 
freier Künstler zu schaffen. Er setzte sein 
Studium an den Kunstakademien Berlin und 
Rom fort. 
Die 1926 in Saarbrücken ausgestellten italieni 
schen Landschaften erregten Aufsehen. Zwei 
einhalb Jahre lebte er in Paris. Dann kamen 
die Normandie, Südfrankreich, Korsika, Sizilien 
und Tunis. Richard Becker hat keine seiner 
Landschaften oberflächlich eingefangen oder nur 
zur Erinnerung notiert. So wird die von innen 
heraus begriffene Landschaft auch innerlich in 
Besitz genommen und zu seinem persönlichen 
Erlebnis. Dadurch auch hat er sich unter den 
Landschaftsmalern einen ganz persönlichen Stil 
erworben. Landschaften, die er liebt, malt er 
Provemalische Landschaft Ölgemälde von Richard Bedte?
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.