Full text: 1952 (0080)

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in der Lehrwerkstatt in Heinitz, um das 
Schlosserhandwerk zu erlernen. Eine von 
Lhlickers verheirateten Töchtern ist gerade da 
bei, dem jüngsten der acht Enkelkinder das 
Gesicht abzuwaschen. Als echtes Bergmannskmd 
hat sich das kleine Mädelchen schon beim Ein 
schippen der Kohlen in den Keller nützlich ge 
macht. Nun aber betrachtet es mit ängstlichen 
Augen den Kameramann, der es mit dem Groß 
vater aufnehmen will. Die Kohle ist ihm un 
bedingt sympathischer als der schwarze, un 
heimliche Kasten des Photographen. 
Ehlicker, aus einer alten Bergmannsfamilie 
stammend (Vater und Großvater waren beide 
Bergleute), ist bereits 40 Jahre lang unter Tage 
tätig. 1910 fuhr er an und wurde nach kurzer 
Tätigkeit in der Sieberei unter Tage verlegt, 
wo er zunächst als Schlepper, dann als Voll 
bauer beschäftigt war. Seit 1942 macht er seine 
Kontrollen als Wettermann. Auf die Frage, was 
nach der Schicht seine Lieblingsbeschäftigung 
sei, antwortete er ehrlich — „schlafen“. Und 
das ist auch selbstverständlich, wenn man 
55 Jahre alt ist und 40 Jahre Bergarbeit auf 
dem Buckel hat. Seine Frau verrät uns aber, 
daß auch er ein Steckenpferd hatte — seine 
Brieftauben, mit denen er sich sogar an Wett 
flügen beteiligte. Als im Krieg die Futter- 
beschaffung große Schwierigkeiten bereitete, 
mußten sie leider abgeschafft werden 
* 
Weiter geht die Fahrt zur Kokerei Heinitz. 
Dichte Rauchschwaden über der Anlage — Gas 
gerüche — an der Teerstation ein Arbeiter, das 
Gesicht zum Schutz gegen Staub und Dämpfe 
mit einer weißen Creme verschmiert — und 
hier die lange Reihe der Batterien. Glühende 
Hitze. Vor Glut flimmernde Luft. Der Koks ist 
gar. Die Öfen werden entleert. Arbeiter mit 
nackten Oberkörpern — in Schweiß gebadet — 
hantieren mit langen Eisenstangen. Ein Wasser 
strahl. Zischend aufsteigende, weiße Gischt. 
Dampf verbirgt die Sicht. Wir gehen eilends 
unter den heißen Öfen hindurch. — 
An einer der Batterien treffen wir den 55- 
jährigen D ü t g e Otto aus Elversberg, Arbeiter 
und Vorarbeiter der ständigen Frühschicht. Ihm 
fällt die Aufgabe zu, für die Unterhaltung der 
Öfen zu sorgen, die Leute einzuteilen und evtl, 
anfallende Reparaturen zu vergeben. Aus der 
Unterredung mit ihm geht hervor, daß er sich 
genau im Kokereibetrieb auskennt, mit dem er 
sich sehr verwachsen fühlt. Er verfügt über ein 
erstaunliches technisches Wissen, das er sich im 
Laufe seiner 40jährigen Tätigkeit im Betrieb 
erworben hat. Dütge hat zwei Jahre lang die 
Werkschuloberklassen in Neunkirchen besucht, 
mußte den Schulbesuch krankheitshalber aber 
aufgeben. Dennoch blieb er bemüht, seine Bil 
dung zu vervollkommnen. Der Jubilar liest viel. 
Bevorzugt die einschlägige Fachliteratur, ist u. a. 
auch Abonnent des „Kosmos" und Mitglied der 
Saarländischen Buchgemeinschaft. Dütge inter 
essiert sich nicht nur für die Klassiker, sondern 
auch für die moderne in- und ausländische L.i‘e- 
Vorarbeiter 
Otto Dütge. 
Dütge (rechts) 
erteilt 
einem Arbeiter 
der Kokerei 
Anweisungen 
ratur. Doch ist er weit davon entfernt, sich 
einseitig zum Bücherwurm entwickelt zu haben. 
Nach seinen Aussagen ist er „Sportfanatiker" 
— wenn auch kein ausübender Sportler —, der 
vor allem Fußballspiele mit regem Interesse 
verfolgt. 
Sein Wunsch für die Zukunft: daß der Sohn 
des verstorbenen Bruders, den er an Kindes 
Statt angenommen hat, zu einem ehrlichen, 
braven Menschen heranwachse, der die Arbeit 
schätzt. Der Junge besucht die höhere Schule 
und soll einmal Architekt werden. 
* 
Der Vorarbeiter Dütge begleitet uns zum 
Kohlentransportband. Von seinem Arbeitsplatz 
aus luftiger Höhe kommt der 57jährige Koll- 
m a n n Wilhelm aus Spiesen herab. Wir unter- 
M aschinist 
Wilhelm Kollmann 
am Transportband 
der Kokerei 
halten uns miteinander beim monotonen Ge 
räusch des Transportbandes, das in stetem Fluß 
die zermahlenen, zur Verkokung vorbereiteten 
Kohlen den Sammelbehältern zuführt, von
	        

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