Full text : 1952 (0080)

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eine  schwere  Zeit.  Monat  für  Monat  mußte  ein
Teil  des  aufgenommenen  Darlehns  und  die
hohen  Zinsen  abgetragen  werden.  Dabei  waren
vier  Kinder  zu  versorgen.  Da  mußte  man  sich
schon  ordentlich  schinden,  nach  der  Schicht  auf
dem  eigenen  Acker  arbeiten,  die  Winterkartoffeln ­
  pflanzen,  das  Vieh  —  Ziegen,  Gänse,
Hühner  und  auch  Schweine  —  versorgen.  Heute
gönnt  sich  der  Jubilar  etwas  mehr  Ruhe.  Das
Vieh  ist  —  bis  auf  die  Gänse  —  abgeschafft.
Aber  Acker  und  Garten  bleibt.  —  Ja,  die  Kinder
sind  jetzt  erwachsen.  Ein  Sohn  ist  Elektrosteiger
auf  Grube  Hirschbach,  ein  anderer  Lohnrechner
auf  Grube  Maybach.  Der  dritte  Sohn  wurde
Dachdecker,  und  die  Tochter  heiratete  einen
Kraftfahrer  der  Regie.
Kleinbauer  ist  aufgeschlossen  und  redegewandt. ­
  Er  erzählt  uns  von  Lehrjahren  der
jungen  Burschen  zu  seiner  Zeit.  Mit  14  Jahien
kamen  sie  auf  die  Grube,  mit  16  Jahren,  falls
sie  tauglich  waren,  unter  Tage.  Dort  wurden  sie
den  Hauern  zugeteilt,  die  sie  bei  der  Arbeit
anwiesen  und  sie  auf  die  Gefahren  in  der  Grube
aufmerksam  machten.
Schließlich  kommt  der  Jubilar  noch  auf  die
Vorteile  des  heutigen  umfassenden  Lehrsystems
zu  sprechen,  das  den  Jugendlichen  ein  ausgezeichnetes ­
  Rüstzeug  sowohl  in  praktischer  als
auch  theoretischer  Hinsicht  mitgibt.
¥
Die  nächsten  beiden  Bergleute  suchen  wir  in
ihrem  Heim  auf.
Der  Bergmann  Brück  Peter  aus  Bildstock
ist  54  Jahre  alt.  Wir  treffen  ihn  in  seinem
kleinen  Garten  hinter  dem  Hause,  das  ihm  die
Regie  vermietet  hat.  Der  Jubilar  ist  in  Urlaub.
Das  eintönige  Schürfen  seiner  Hacke  dringt  bis
zum  Hof  herüber.  Als  wir  den  sauberen  Pfad
seines  Gärtchens  entlangkommen,  schaut  er  erstaunt ­
  auf.
„So,  für  den  Bergmannskalender  wollen  wir
Aufnahmen  machen?"
Er  führt  uns  ins  Haus.
In  der  blitzsauberen  Küche  sitzt  seine  freundliche ­
  Frau  beim  Kartoffelschälen.  Die  Gartenarbeit ­
  sei  wohl  ein  schöner  Ausgleich  für  seine
Arbeit  unter  Tage?  Ja,  aber  seit  ein  paar
Wochen  —-  seit  April  —  sei  er  nicht  mehr  unter
Tage  beschäftigt  —  untauglich  —  —.  Es  fiele
ihm  schwer,  denn  die  liebste  Arbeit  sei  ihm  die
vor  Stoß.
Im  April  1911  fuhr  Brück  in  Maybach  an,
von  1919—1931  arbeitet  er  auf  Grube  Helene
und  wurde  dann  im  Jahre  1931  nach  Heinitz
verlegt,  wo  er  seit  1945  als  Brandmeister  fungierte. ­
  Als  Bub  fuhr  er  zusammen  mit  seinem
Vater  ein,  der  38  Jahre  lang  auf  der  Grube
geschafft  hat.  Er  erinnert  sich  noch  gern  der

alten  Zeit.  Erst  mußte  er  die  Kohlenwagen  abschleppen, ­
  sie  den  Bremsberg  hinunterleiten  und
zusammenkoppeln,  damit  der  Fuhrmann  sie  mit

Bergmann
Peter  Brück.
Nach
schwerer  Schicht
Erholung
im  Garten

seinen  Pferden  abtransportieren  konnte.  Ja,  so
schaffte  man  damals.  Da  wußte  man  noch  nichts
von  Preßluftlokomotiven,  von  Transportbändern,
Schüttelrutschen  und  Schrämmaschinen,  sondern
schaffte  mit  Pickel,  Hammer  und  Schlägel  und
war  zu  fünft  oder  zu  sechst,  wo  heute  einer
allein  steht.
Der  Bergmann  Brück  —  einst  übrigens  ein
emsiger  Sänger  —  hat  fünf  Kinder  großgezogen
und  sie  zu  anständigen  und  tüchtigen  Menschen
gemacht.  Sein  Ältester  —  bereits  30  Jahre  alt  —
ist  heute  Steiger.
T
Der  Bergmann  E  h  1  i  c  k  e  r  Christian  aus
Bildstock  scheint  uns  zu  erwarten,  als  er  von
der  Nachtschicht  nach  Hause  kam.  Er  empfängt
uns  im  Kreise  seiner  Angehörigen  in  der
schönen,  gepflegten  Wohnstube,  und  wir  haben
das  Empfinden,  daß  er  ganz  in  seiner  Familie
aufgeht.  Er  hatte  sieben  Kinder.  Ein  Sohn  fiel
im  zweiten  Weltkrieg  als  Flieger  —  ein  anderer
wurde  Bergmann,  und  der  jüngste  befindet  sich

Bergmann  Christian  Ehlicker.
Sein  jüngstes  Enkelkind  fürchtet  den
Kameramann
            
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