Full text : 1952 (0080)

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Fortschritte  der  Elektrifizierung
bei  den  Gruben  der  Regie  des  Mines

SICHERHEIT

Fast  alle  Leser  unseres  Bergmannskalenders
haben  schon  gehört  oder  gesehen,  daß  die  Abbaubetriebe ­
  unter  Tag  immer  mehr  elektrifiziert
werden.  Mancher  Bergmann,  aber  auch  manche
Bergmannsfrau,  stehen  mit  Bangen  dieser  neuzeitlichen ­
  Entwicklung  gegenüber.  Wir  möchten
in  den  wenigen  Zeilen,  die  uns  zur  Verfügung
stehen,  versuchen,  Ihnen,  liebe  Leser,  zu  zeigen,
daß  die  Elektrizität,  wenn  der  Fachmann  sie  zu
bändigen  versteht  und  der  Bergmann  ihm  dabei
behilflich  ist,  im  Grunde  ein  friedliches  Arbeitstier ­
  ist.
Welche  Rolle  spielt  nun  die  Elektrifizierung
bei  der  Modernisierung  unserer  Gruben?
Die  Welt  ist  im  Laufe  der  Zeiten  nicht  auf
einer  Entwicklungsstufe  stehen  geblieben.  Unsere
Urahnen  bebauten  noch  die  Erde  mit  einem  gekrümmten ­
  Holzstück.  Wir  aber  bedienen  uns
heute  hochdurchdachter  Maschinen.  Im  gleichen
Maße  hat  sich  auch  der  Bergbau  entwickelt.  Um
unsere  Kohle  verkaufen  zu  können,  müssen  wir
auf  dem  Weltmarkt  konkurrenzfähig  sein.  Um
aber  konkurrenzfähig  zu  sein,  müssen  die  Unkosten ­
  für  unsere  Kohle  möglichst  niedrig
liegen.  Wir  sind  also  gezwungen,  möglichst
wirtschaftlich  zu  arbeiten;  dies  wird  auch  meist
durch  eine  höhere  Produktion  erreicht.  Hierfür
gibt  es  aber  nur  einen  Weg:  wir  müssen
mechanisieren.  Wenn  Maschinen  zum  Abbau
der  Kohle  eingesetzt  werden  sollen,  brauchen
wir  auch  die  zu  ihrem  Antrieb  notwendige
Energie.  Diese  stand  bisher  in  Form  von  Preßluft ­
  zur  Verfügung.  Um  die  wenigen  luftangetriebenen
  Werkzeuge,  die  bisher  unter  Tage
vorhanden  waren,  anzutreiben,  waren  enorme
Einrichtungen  an  Kompressoren  und  Preßluftleitungen ­
  notwendig.  Preßluft  ist  aber  teuer,  so
daß  für  die  neuaufzustellenden  Maschinen  eine
andere,  wirtschaftlichere  Energieform  verwendet
werden  soll.  Der  Wirkungsgrad  der  Preßluft
und  der  Elektrizität  ist  aus  folgender  Gegenüberstellung ­
  zu  ersehen:
Wirkungsgrad
Erzeuger  Leitung  Arbeitsmaschine
Preßluft  0,7  0,6  0,2
Elektrizität  0,9  0,9  0,83
Gesamtwirkungsgrad
Preßluft  :  0,084  1
Elektrizität  :  0,69  8

d.  h.  die  Elektrizitätsversorgung  ist  achtmal
günstiger  als  die  Preßluftversorgung.  Weil  also
beim  Betrieb  mit  Preßluft  nur  8,4  %,  bei  der
Elektrifizierung  aber  69  °/o  der  aufgewendeten
Energie  in  Nutzenergie  umgewandelt  werden,
mußte  aus  wirtschaftlichen  Gründen  elektrifiziert ­
  werden.  Nach  dem  zweiten  Weltkrieg
konnte  man  in  den  Saargruben  unter  Tag,  mit
Ausnahme  der  Wasserhaltungen,  kaum  einen
elektrisch  angetriebenen  Motor  finden.  Heute
ist  es  wesentlich  anders.  Die  Elektrifizierung
der  Untertagebetriebe  haben  wir  im  Mai  1947
begonnen.  Bis  zum  1.  7.  1951  waren  105  Strebe
ganz  oder  teilweise  elektrifiziert,  ebenfalls
3  Kammer-  und  Pfeilerbaubetriebe.  Um  diese
Betriebe  elektrifizieren  zu  können,  mußten
allein  mehrere  hundert  Elektromotore  mit  einer
Gesamtleistung  von  15  200  kW,  d.  h.  20  700  PS,
installiert  werden.  Für  die  Abbaubetriebe
haben  wir  Transformatoren  mit  einer  Gesamtleistung ­
  von  20  480  kVA  im  Untertagebetrieb
installiert.  Diese  Leistungen  reichen  aus,  um  die
zur  Zeit  in  Betrieb  befindlichen  326  Bänder,
39  Panzerstrebanlagen  mit  74  Antriebsmotoren,
87  Schrämmaschinen,  18  Lademaschinen,  50  elektrisch ­
  angetriebene  kleine  Ventilatoren  und
72  Kratzbänder  zu  betreiben.  Da  nicht  alle  Leser
des  Bergmannskalenders  bisher  die  Möglichkeit
hatten  einen  elektrifizierten  Streb  kennen  zu
lernen,  möchten  wir  ihnen  nachstehend  die  elektrischen ­
  Maschinen  und  Schaltgeräte  darstellen,
die  im  allgemeinen  in  den  elektrifizierten  Abbaubetrieben ­
  verwendet  werden.  Diese  sind  in
den  nachstehenden  Abbildungen  zusammengestellt. ­

Um  die  Elektrizität  von  den  Speisepunkten
über  Tage  in  die  Strebe  zu  bringen,  benötigen
wir  viele  Kilometer  Kabel.  So  wie  der  Dompteur ­
  im  Zirkus  seine  wilden  Tiere  hinter  Eisengittern ­
  bändigt,  so  hat  auch  der  Elektriker  zum
Schutz  des  Bergmannes  und  zum  Wohl  der
Saargruben  die  Elektrizität  gebändigt.  Er  muß
mit  der  Elektrizität  genau  so  sicher  umgehen
wie  der  Dompteur  mit  seinen  Tieren.  Wenn  die
Elektrizität  auf  Kabeln  durch  die  Grube  geführt
wird,  benützen  wir  hierzu  ein  sicherheitsmäßig
ausreichendes  Kabel.
Dieses  Kabel  wird  an  den  verschiedenen  Betriebspunkten ­
  abgesichert.  Die  Sicherungen
dienen  dazu,  die  Elektrizität  in  dem  Augenblick
            
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