Full text: 1951 (0079)

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Wenden wir uns nun wieder — dieses Mal schon 
mit etwas mehr Verständnis — dem Loch, das bei 
Hangard in die Erde gebohrt wird, zu. 
Am 28. Februar 1949 wurde mit dem Bohren be 
gonnen, und zwar zunächst mit einem Flachmeißel von 
30,5 cm Schneidenlänge. Aber warum hat man nicht 
gleich mit dem Kernbohren begonnen? Durch Kon 
struktion konnte unter Berücksichtigung des Einfall 
winkels der Gebirgsschichten festgestellt werden, daß 
das Holzer Konglomerat im Bohrloch in einer Teufe 
von 180—200 m angetroffen werden muß, das heißt, 
wenn die Lagerungsverhältnisse normal sind. Jetzt 
wird auch dem Fernstehenden klar, daß es keinen 
Zweck hat, schon gleich mit dem verhältnismäßig 
teuren Kernbohren zu beginnen. Der Schichten 
abschnitt ist bekannt und Flöße sind nicht zu er 
warten. An der Farbe und der Körnung der bei der 
Meißelbohrung entstehenden und mit dem Spülstrom 
zutage gelangenden Gesteinstrümmerchen erkannte 
man, daß das Holzer Konglomerat bereits schon in 
einer Teufe von 175 m durchsunken war, und es 
stellten sich bereits die ersten Kohlenflöße ein. In 
besonderen Kasten mit 10—10-cm-Fächern werden 
die Meißelproben aufbewahrt. In einer Tiefe von 
rund 190 m begann man daher mit dem Kernbohren. 
In 36 Tagen wurde diese Teufe erreicht und 36 Tage 
und Nächte gingen die Männer im Kreis her 
um, jeder ein Krügelende gegriffen, um das Um 
setzen des Meißels während des Hebens und Fal- 
lens zu bewerkstelligen. Das Bohrloch hat von hier 
ab nur noch einen Durchmesser von 17,8 cm. 
Der Fortschritt war nicht immer gleich groß. Be 
sonders in dem sehr harten Holzer Konglomerat, 
dessen Rollstücke vorwiegend aus Quarzit und 
Quarz bestehen, wurde der Meißel sehr schnell 
stumpf. Die ganze Gestängetour mußte wieder ge 
zogen werden, und noch war die Zahl der drei und 
drei zusammengeschraubten Gestängerohre nicht 
sehr groß. Robert, der junge und freundliche Schmied, 
bekam wieder Arbeit an Esse und Amboß. (Abb. 3.) 
Bald war der schwere Meißel wieder geschärft und 
gehärtet, Ersatzmeißel waren immer zur Stelle, so 
daß die Gestängetour mit dem frischen Meißel als 
bald wieder eingelassen werden konnte. Unver 
drossen gingen dann die „Krückelmänner" wieder 
an ihre Umsetzarbeit. 
Anders gestaltete sich die Arbeitsweise beim 
Kernbohren. Für dieses drehende Bohren wurde nun 
der sogenannte Bohrwagen eingebaut. Das Bohren 
wurde ebenfalls maschinell mit Kegelrad-Uber 
tragung ausgeführt; die Krückelmänner bekamen 
andere Arbeit. Mit einer Tourenzahl von 200 bis 
300 in der Minute geht das drehende Bohren in 
nicht allzu hartem Gestein ziemlich flott vonstatten. 
Je flotter, desto öfter mußte bei einer bestimmten 
Kernrohrlänge die Gestängetour zur Herausnahme 
des Bohrkerns gezogen werden. Vielfach wird der 
Kern in Stücken aus dem Kernrohr genommen. 
Sorgfältig werden die einzelnen Stücke genau der 
Reihe oder Teufe nach in die 2 m langen, schmalen 
Holzkasten gelegt. Jeder Kasten hat seine Nummer 
und die Bezeichnung, zum Beispiel 254,6 — — 
256,6 m. Entsteht Kernverlust durch weiche Ge 
steine, Störungszonen oder Kohle, die fast immer 
während des Bohrens zertrümmert wird, so kommt 
dies zum Ausdruck, wenn auf dem Kernkasten zu 
lesen ist: 296,1 — — 299,2 m. In diesem Falle be 
trägt der Kernverlust 1,1 m. Sogenannte „verstei 
nerte Kohle", das ist von Minerallösungen durch 
drungene und somit unbrauchbare Kohle, wird meist 
in größeren oder kleineren Kernstücken gewonnen. 
Aber die im Bohrloch zerriebene gute Kohle kommt 
doch ans Tageslicht; im Spülstrom ist sie enthalten 
und muß sorgfältig aufgefangen, ausgewaschen und 
ihr Gesamtrauminhalt festgestellt werden. Durch 
Umrechnung erhält man dann die Mächtigkeit der 
durchbohrten Kohlenbank. Bei gutem Beobachten 
kommt die zerriebene Kohle nicht überraschend mit 
dem Spülstrom zutage. Auf dem Gestängerohr sind 
in Abständen von 10 cm Kreidestriche angebracht. 
Der dabei sitzende Mann, der u. a. die Nachlaß 
einrichtung bedient, stellt fest, daß das Gestänge 
plötzlich schneller zu sinken beginnt. Wahrschein 
lich liegt jetzt eine Kohlenbank vor, die der Bohr 
krone einen geringeren Widerstand entgegensetzt. 
Das ist das Zeichen zum besonderen Aufpassen auf 
das Spülgut, das je nach der Bohrlochtiefe nach 5, 
10 oder 15 Minuten oben ankommt. Der zuverläs 
sigste Mann ist für diesen Posten gerade gut genug. 
Auch in Störungszonen geht das Absinken des Bohr 
gestänges oft schneller vonstatten. Und was man 
an dem fehlenden Kern nicht mehr sehen kann, sagt 
einem mitunter das schnellere Absinken. Wird das 
Bohren nicht dauernd gewissenhaft überwacht, so 
ist das Gesamtresultat einer oft recht teuren Tief 
bohrung dementsprechend unbefriedigend. 
HEUFANG GOLDHALS 
Wie bereits erwähnt, war der Bohrdurchmesser 
in einer Teufe von rund 190 m schon wesentlich 
kleiner als am Anfang. Er wird sich auch weiterhin 
mit zunehmender Teufe verringern. Denn, um die 
Standfestigkeit weiter zu erhöhen, wird das Bohr 
loch verrohrt, das heißt, es werden bis zu einer 
bestimmten Teufe Rohre zusammengeschraubt, ein 
gelassen, dem Bohrlochdurchmesser entsprechend. 
Nun wird wieder weiter gebohrt. Die Verrohrung ist 
auch dann erforderlich, wenn sich Spülstrom-Ver- 
luste bemerkbar machen. Aber diese neue Verrohr 
tour hat einen kleineren Durchmesser als die vor 
hergehende, denn sie muß ja durch diese eingelas 
sen werden. Und somit wird denn auch jeweils eine 
Krone mit entsprechend kleinerem Durchmesser ver 
wandt. 
Es wird weiter gebohrt. Oft geht es recht langsam 
vorwärts. Das Gebirge ist wieder hart geworden. 
Nun geht es fast überhaupt nicht mehr voran. Also 
heraus mit der Krone! Am Seil kommt der Bohr 
haken herunter, die Gestängetour wird gegriffen und 
drei Gestängerohrlängen = 15 m hochgezogen. Zwei 
Mann machen sie urplötzlich mit einer konischen 
Klemmvorrichtung fest, damit die ganze Tour nicht 
ins Bohrloch zurückfällt. Dann werden mit einer 
riesigen Bohrzange unter Verwendung eines langen 
Hebelarms die drei oberen Gestängerohre abge 
schraubt und gleich nebenan auf die Seite gestellt. 
Um es wieder zu betonen: deshalb muß der Bohr 
turm hier mindestens 20 m hoch sein. Der Bohr 
haken wird wieder festgemacht, die restliche Ge- 
slängetour etwas angehoben, die Klemmen vorsichtig 
weggenommen und auf geht's wieder. Die nächsten 
drei Gestängerohre werden abgeschraubt. So geht 
es weiter, bis endlich das Kernrohr mit der Bohr 
krone herauskommt. Und siehe, diese ist wirklich 
so stark abgenützt, daß kein Fortschritt mehr mit 
ihr erzielt werden konnte. Robert hat wieder seine 
Arbeit; er verflucht das harte Gestein, den „Komm 
kamerad'Aber dann setzt er der Krone unter Sin
	        
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