Full text: 1951 (0079)

DIE GARTENARBEITEN DES MONATS 
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Bedecken der Gemüsebeete und Stauden mit 
Reisig zum Schutz gegen Kälte, 
Schützen von Rosen und Weinreben durch Dek- 
kung gegen Kälte, 
Umgraben, Rigolen und Düngung der leer 
stehenden Länder, 
Umarbeiten des Komposthaufens, 
Durchschauen des Gemüses und Obstes und Ent 
fernen des Faulenden, 
Instandsetzen der Gartengeräte, 
Düngung der Obstbäume und Beerensträucher, 
Zusammenstellung des Ertrages und der Kosten 
des Hausgartens. 
Schildläuse an Reben 
An der Rebe kommen besonders folgende 
Schildläuse vor: die Wollige Schildlaus 
(Pulvinari betulae), die Kleine Schild 
laus (Eulecanium corni) und zwei Arten von 
Schmierläusen (Phenacoccus aceris und 
Phenacoccus hystrix). Von der gefährlichen 
San-Jos6-Schildlaus wird die Rebe 
nicht befallen. 
Den Schildläusen gemeinsam ist die Vermeh 
rung durch Eier, aus denen bewegliche Jung- 
läuse entstehen. Nach einer Wanderzeit werden 
diese zu Geschlechtstieren. Die Weibchen setzen 
sich vor oder nach der Begattung endgültig fest. 
Die Schildläuse schaden bei starkem Auftreten 
durch Saftentzug, der Schwächung, Kümmer 
wuchs, Vertrocknung der Blätter, Abfallen der 
Beeren, also Totalverlust. Mit ihren zucker 
haltige» Ausscheidungen (sog. Honigtau) über 
ziehen sie die Blätter wie mit einer Lackschicht, 
auf der sich nachträglich noch schwärzliche 
Russtaupilze ansiedeln können. Der dadurch be 
dingte Luft- und Lichtentzug schadet der 
Pflanze gleichfalls. 
Bei der Wolligen Rebenschildlaus 
überwintern die Weibchen meist reihenweise 
hintereinander auf dem zwei- oder dreijährigen 
Holz, mit Vorliebe unter der sich lösenden 
Rinde. Im Frühjahr sondern sie ein weissfädiges 
Gespinst ab, das den Körper hochhebt und 
unter dem hinteren Teil des Schildes hervor 
quillt. Darin werden bis zu 2500 mattrosa 
farbige Eier abgelegt. Aus ihnen schlüpfen 
wenig später die schuppenartigen, gelbbraunen 
Jungläuse, die an die Triebe und Blätter wan 
dern, um dort zu saugen. Bis Oktober ent 
wickeln sie sich zu Weibchen und geflügelten 
Männchen. Nach der Begattung suchen die 
Weibchen das ältere Holz zur Überwinterung 
auf und bilden dort durch Einlagerungen in der 
Rückenhaut 4 bis 8 mm lange kastanienbraune 
Schilder. 
Die Kleine Rebenschildlaus, auch 
Gewöhnliche oder grosse S c h i 1 d 1 a u s , 
wegen ihres häufigen Vorkommens auf Steinobst 
meist Zwetschenschildlaus genannt, überwintert 
als Junglaus. Nach einer gewissen Wander 
periode vom zeitigen Frühjahr ab erfolgt die 
Entwicklung zu Geschlechtstieren. Die Weibchen 
setzen sich an geeigneten Stellen des letzt 
jährigen Holzes fest. Die braunrote Rückenhaut 
erhärtet zu einem halbkugeligen Schild. Im Mai 
und Juni werden unter dem Körper zahlreiche 
Eier abgelegt. Die bald schlüpfenden Jungläuse 
sind von Mitte Juni ab auf der Unterseite der 
Rebblätter, seltener auf den Blattoberseiten und 
den Trieben zu finden. Zur Überwinterung be 
geben sie sich im Herbst an das einjährige Holz. 
Bei den im Winter an jüngeren und älteren 
Trieben auffallenden braunen, höckerartigen 
Gebilden handelt es sich um die nach der Ei 
ablage gestorbenen Weibchen. 
Die Schmierläuse unterscheiden sich 
von den beiden anderen Arten dadurch, dass 
sie statt eines Schildes lange, strahlig ab 
stehende Rückenfäden und weisse, wollige 
Wachsschuppen bilden, so dass bei starkem Auf 
treten der Eindruck von Blutlausbefall entsteht. 
Die Schädlinge überwintern als ältere Larven 
unter der Borke, in Rindenlitzen und an den 
Pfählen. Im Frühjahr wandern sie auf die 
grünen Triebe und die Unterseite der jungen 
Blätter, wo sie zu Geschlechtstieren werden. 
Von Juni ab findet man Jungläuse, die im 
Herbst die Überwinterungsplätze aufsuchen. 
Das Schwergewicht der Bekämpfung v©n 
Schildläusen ist auf den Winter zu verlegen. Bei 
alleinigem Auftreten der Wolligen Reben 
schildlaus kann man in Kleinanlagen 
durch Abreiben der überwinternden Weibchen 
Erfolg haben. In grösseren Anlagen und bei 
Auftreten noch anderer Arten empfiehlt sich 
eine Winterbespritzung mit Obstbaumkarboli- 
neum emulgiert (Baumspritzmittel) 6—8proz., 
oder Obstbaumkarbolineum Mittelöltyp 5proz., 
oder Dinitroorthokresol (Gelbspritzmittel), das 
als Pulver zu einer lproz., als Paste zu einer 
2proz. Lösung angerührt wird. Bei der Verwen 
dung von Winterspritzmitteln ist Vorsicht am 
Platze, da sie für den Menschen giftig sind, 
Verbrennungen, die Dinitroorthokresole ausser 
dem eine Gelbfärbung von Haut und Kleidung 
verursachen. 
Es sind insbesondere die unteren Teile der Re 
ben zu spritzen, weiterhin auch noch die Pfähle, 
sowie bei Massenauftreten der Boden um den 
Rebstock. Es ist gründlich und mit hohem 
Druck unter möglichst nahem Herangehen mit 
der Spritzdüse an das Holz zu arbeiten, damit 
die Spritzbrühe auch bestimmt in die Winter 
verstecke vordringt. 
Die Bekämpfung ist in der Zeit vor voll 
endetem Schnitt bis kurz vor dem Austrieb an 
regen- und frostfreien Tagen vorzunehmen. Am 
günstigsten ist die Zeit kurz vor dem Schwellen 
der Knospen. Beginnen diese aber aufzubrechen, 
darf mit Obstbaumkarbolineum oder Dini 
troorthokresol wegen Verbrennungsgefahr 
keinesfalls mehr gespritzt werden. 
Die Schildläuse können auch noch im Sommer 
durch Berührungsgifte (Nikotin, Pyrethrum, 
Derris) oder einer l,5proz. Schmierseifenlösung 
wirksam bekämpft werden. Die bereits einge 
tretenen Schädigungen lassen sich aber nicht 
wieder gutmachen. Die Winterbekämpfung ist 
daher vorzuziehen.
	        
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