Full text: 1950 (0078)

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KALIDÜNGESALZ, 
ein wichtiges bergmännisches Erzeugnis 
Von D i p 1. -1 n g. Blanke, Lehrer an der Bergschule Saarbrücken 
D ie Nahrungsmittelknappheit in Europa 
besonders nach dem letzten Kriege hat 
jedermann davon überzeugt, daß eine 
Ertragssteigerung der europäischen 
Landwirtschaft mit allen Mitteln angestrebt 
werden muß. Die Bemühungen um diese Er 
tragssteigerung haben aber nur dann Aussicht 
auf Erfolg, wenn der Landwirtschaft wertvolle 
Düngemittel in genügender Menge und zu 
tragbaren Preisen zur Verfügung gestellt wer 
den können. Auch hier kann der Bergmann, wie 
in manchen anderen Fällen, zur Besserung der 
Lebensbedingungen in Europa entscheidend bei 
tragen, wenn er hochwertige Kalidüngesalze 
in ausreichender Menge zutage fördert. 
Die Entstehungsgeschichte der Salzlager und 
damit auch die der Kalisalziagerstätten ist für 
die europäischen Vorkommen allem Anschein 
nach im wesentlichen die gleiche. Sie sind 
alle durch Eindunstung salzhaltiger, wässeriger 
Lösungen entstanden. Die größte wässerige Lö 
sung dieser Art ist das Weltmeer, welches nach 
neueren Forschungen mindestens einige hun 
dert Millionen Jahre alt ist. Stark umstritten 
ist die Frage, wie sich die Salzlager im ein 
zelnen gebildet haben können. Unmöglich er 
scheint die einfachste Annahme, daß sich die 
teilweise sehr mächtigen Salzlager aus einer 
einmaligen Anfüllung eines Beckens mit Meer 
wasser abgesetzt haben könnten. Ein solches 
Becken müßte mehrere Kilometer tief gewesen 
sein, Am meisten Wahrscheinlichkeit hat die 
sog. Großflutentheorie des früheren Leiters der 
Bergvorschule Forbach Dr. Wilfarth. Nach 
seiner Auffassung waren die Unterschiede der 
Meeresspiegelhöhen bei Ebbe und Flut wegen 
größerer Erdnähe des Mondes zur Entstehungs 
zeit der Salzlager wesentlich größer als heute. 
Das hatte zur Folge, daß die von der Flut über 
spülten Küstenstreifen, die sog. Watte, Aus 
dehnungen von vielen hunderttausend Quadrat 
kilometern hatten. Lag nun in einem solchen 
Riesenwatt eine tiefe Senke, dann blieb bei 
Ebbe ein mit Meerwasser gefüllter See zurück. 
Unter dem Einfluß der Sonnenbestrahlung ver 
dunstete das Wasser. Lag das Watt mit dem 
See sehr hoch, so wurde durch die Flut dem 
See nur wenig Wasser zugeführt, vielleicht 
sogar weniger, als während der Ebbezeit ver 
dunstete. So entstanden immer stärker ge 
sättigte Lösungen und schließlich schieden sich 
feste Salze aus. Einen solchen Salzsee im 
Großwatt kann man sich also als Schauplatz 
der Bildung einer großen Salzlagerstätte vor 
stellen. 
Man muß annehmen, daß eine solche Lager 
stätte ursprünglich mit deutlich erkennbarer 
Schichtung flach gelagert war. In dieser Lage 
befinden sich im wesentlichen die Gewinnungs 
stätten in der oberrheinischen Tiefebene und 
im Werratal noch heute. In anderen Gebieten, 
zum Beispiel im mitteldeutschen Kalibezirk, 
sind tiefgreifende geologische Veränderungen 
eingetreten. Die Lagerstätten sind durch Ge 
birgsbewegungen wegen der Plastizität des 
Salzgebirges in Hohlräume hineingequetscht 
und zu hohen Salzdomen herausgepreßt worden 
und haben so teilweise bedeutende Mächtig 
keiten erreicht. 
Als Folge dieser verschiedenen Ablagerungs 
formen sind auch die Abbaumethoden, mit 
denen die Kalisalze bergmännisch gewonnen 
werden, sehr verschieden. In den gering mäch 
tigen, flach gelagerten Flözen der oberrheini 
schen Tiefebene unterscheiden sich diese Me 
thoden kaum von dem im saarländischen Stein 
kohlenbergbau vorherrschenden streichenden 
Strebbau. Es werden streichend im Lager eine 
Grundstrecke und im Abstand von etwa 200 
Metern eine Wetterstrecke aufgefahren, die 
durch eine schwebende Strecke verbunden 
werden. (Bild 1.) Von dieser schwebenden
	        
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