Full text: 1949 (0077)

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BLIESKASTEL 
Vom Römer-Castell 
zur modernen Qrafenresidenz 
An der « via regia », jener bedeutenden 
Heeres- und Verkehrsstrasse, die schon in 
alter Zeit eine wichtige Verbindung zwischen 
Metz und Mainz herstellte, hatten die Römer 
im Tale der Blies als günstigen, die ganze 
Gegend beherrschenden Stützpunkt das « cas- 
tellum ad Blesam» angelegt, einen befestigten 
Platz, der unserem heutigen Blieskastel seinen 
Namen geben sollte. Dieses Blies-Castel diente 
naturgemäss auch den späteren Grafen des 
Bliesgaues, der uns bereits im 8. Jahrhundert 
als « pagus Blesinsis » begegnet, als Residenz. 
Das Jiönigsgut wird Qrafenhurg 
Aus der Geschichte wissen wir, dass deutsche 
Kaiser aus gegebener Gelegenheit diese oder 
jene gefährdeten Gebiete ihres ausgedehnten 
Reiches gelegentlich unter einen ihnen zuver 
lässig erscheinenden Schutz stellten, wobei 
ihnen als besonders geeignete Betreuer dieser 
Bandesteile von jeher die Bischöfe von Metz 
galten, wenigstens soweit unsere Saargegend 
in Frage kommt. So ist es durchaus kein eigen 
artiger Fall, wenn wir erfahren, dass Kaiser 
Otto I. (936-973) die Bliesgegend dem Metzer 
Kirchenfürsten Adalböron schenkte, der ihm 
die Gewähr bot, «chäteau Blieskastel et ses 
döpendances » in dem erwarteten Sinne zu ver 
walten und seinen Bewohnern gehörigen Schutz 
zu bieten. Auf diese Weise erklärt sich dann 
auch die Tatsache, dass wir während fast drei 
Jahrhunderten im wesentlichen Grafen von 
Luneville als Inhaber dieses Königsgutes und 
damit als Gaugrafen von Blieskastel feststellen. 
Mit dem Tode des kinderlosen Grafen Renaut 
de Bitche (1274), — er war ein Sohn des loth 
ringischen Herzoges Friedrich II., — dem 
zweiten Gemahl der bekannten Gräfin Elisabeth 
von Blieskastel, die übrigens als Stifterin von 
Kloster und Kirche Gräfintal gefeiert wird, 
entwickelten sich zwischen dem genannten 
Herzog und dem Metzer Bischof als Lehnsherrn 
bedenkliche Erbstreitigkeiten. Nun herrschten 
damals in Lothringen recht verwirrte Verhält 
nisse ; in den erbitterten Kampf des Herzoges 
gegen den Bischof und die Stadt Metz waren 
sozusagen alle Herren der weiten Umgebung 
verwickelt. Im wechselvollen Spiel von Bünd 
nis und Entzweiung, von Fehde, Urfehde und 
Vertrag war hier ein Kampf aller gegen alle 
ausgebrochen. 
Kurfürst Balduin von Trier, der den Raum 
an der Saar möglichst ganz unter seinen Ein 
fluss zu bringen suchte, verstand es, aus dieser 
Situation Nutzen zu ziehen, indem er sich 
bemühte, die Herrschaft Blieskastel zu erwer 
ben und diese so dem Zugriff des lothringischen 
Herzoges zu entziehen. In der Verfechtung 
seiner erhobenen Ansprüche auf Blieskastel 
hatte der Trierer Erzbischof und Kurfürst tat 
kräftige Unterstützung bei Graf Walram II. 
von Zweibrücken gefunden, nicht minder bei 
dessen Schwager, dem Saarbrücker Grafen 
Johann I. Walram gelang es, nach längerer 
Belagerung die Burg Blieskastel einzunehmen 
und zu zerstören, nachdem bereits Richard von 
Blieskastel gelegentlich eines Ausfalles anfangs 
1338 in die Hände der Zweibrücker gefallen war. 
Auf diese Weise kam Blieskastel in kurtrieri- 
schen Besitz. Wohl in Anerkennung für dje 
geleistete Hilfestellung übertrug Balduin die 
Verwaltung der nunmehrigen « Herrschaft Blies 
kastel » seinem wackeren Gefolgsmann Walram, 
der die Burg mit Zustimmung des Metzer 
Lehnsherrn und des Trierer Erzbischofes als 
Lehnsträger wieder aufbaute. Im Jahre 1356 
dann, als Boemunt aus dem Saarbrücker Burg 
mannen- und Adelsgeschlechte den erzbischöf 
lichen Stuhl in Trier einnahm, übertrug dieser 
infolge Erledigung des bisherigen Lehens die 
Burg mit allem Zubehör auf Lebenszeit dem 
Grafen Heinrich II. von Veldenz und dessen 
Sohn Heinrich. 
Erneut wurde das Casteilum an der Blies 
schwer heimgesucht, als Franz von Sickingen 
gegen den Trierer Kurfürsten von Greiffenklau 
zu Felde zog, bei welcher Gelegenheit auch das 
kurtrierische Blieskastel nicht unversehrt blieb. 
Nach Erstürmung der Burg (1523) liess er den 
Flecken Blieskastel einäschern ; da dieser aber 
bald Wiederaufbauer fand, liess der damalige 
Kurfürst 1533 die Burg wiederherstellen und 
befestigen. Doch nach eben hundert Jahren, 
als im Verlaufe des dreissigjährigen Krieges 
polnische Truppen durch Blieskastel zogen, 
bedeckten am Ende nur noch Trümmerhaufen
	        

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