Full text: 1949 (0077)

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FRANZÖSISCHE 
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W er einmal von Völklingen aus über Lud- 
weiler den Wamdtwald durchwanderte, 
überquerte am Fusse des Hanges, auf dem 
das Ludweiler Bürgermeistereigebäude steht, den 
Lauterbach talaufwärts ohne zu wissen, dass er 
hier die ehemals bedeutungsvolle « Rixfurth im 
.Warnet» passierte, durch die auch die uralte 
Handelsstrasse von Metz über St. Avold durch 
das Lauterbachtal nach Wehrden/Saar führte, 
wo sich wichtige Kaufmannsstrassen kreuzten. 
An dieser Tatflirt, die vor wenigen hundert 
Jahren noch von wildem Wald umgeben war, 
Hessen sich im Jahre 1604 zwölf französische 
Familien nieder, die unter der Führung der bei 
den adligen Brüder Daniel und Osias de Conde 
standen, die eine zeitlang zuvor aus Innerfrank 
reich nach dem Osten, also nach Ostfrankreich 
gezogen waren. Daniel de Conde hatte bereits 
anfangs 1604 eipen regen Briefwechsel mit dem 
Saarbrücker Grafenhause geführt, weil er sich mit 
Gleichgesinnten an der Rixfurth ansiedeln wollte, 
aber vom Saarbrücker Grafen die günstigsten 
Bedingungen herauszuschlagen suchte. 
Und warn wir die uns erhaltene Gründungs 
urkunde der französisch-reformierten Kolonie 
Ludweiler durchstudieren, wundern wir uns mit 
Recht über die grossen Zugeständnisse an Rech 
ten und Freiheiten, die man den «welschen» Sied 
lern machte. Es wurden ihnen nämlich Privilegien 
erteilt, wie sie bisher ausser den Bewohnern der 
beiden Städte Saarbrücken und St. Johann keine 
Bewohner des Saarlandes kannten, wie sie den 
meisten erst im Zuge der französischen Revolu 
tion und der Verwaltung unserer Heimat durch 
Frankreich zuerkannt werden konnten. Jedenfalls 
wusste der Saarbrücker Graf, warum er den 
fremdländischen Kolonisten derartig weitgehende 
und ungewöhnliche Zugeständnisse machte. 
Dass es sich bei den Neuankömmlingen um 
kulturell und wirtschaftlich hochstehende Men 
schen handelte, um fleissige und strebsame Land 
wirte, um hochqualifizierte Llandwerker und 
Gewerbetreibende, ist uns hinreichend bezeugt. 
Denn diese Siedler, zu denen im Laufe der bei 
den nächsten Jahrzehnte weitere französische 
Kolonisten stiessen, waren Hugenotten. Und von 
den Hugenotten wissen wir wieder, dass sie mit 
geringen Ausnahmen in jeder Hinsicht zur Elite 
Frankreichs gehörten. Waren Landwirtschaft und 
Viehzucht vorerst die einzige Ernährungsgrund 
lage, so lösten sie die dringendste Aufgabe, dem 
bewaldeten und verwilderten Boden bald frucht 
bares Acker- und Gartenland abzuringen, in 
einer bis dahin unbekannten Weise. Denn aus 
den amtlichen Akten errechnen wir, dass der 
Bann des Dorfes um 1635 mehrere hundert Mor 
gen bebautes Ackerland hatte, weiter, dass in 
der Reihe der Abgaben, die die damals be 
stehenden Landgemeinden an die gräfliche Rent- 
kammer zu entrichten hatten, Ludweiler hinter 
dem schon fast vierhundert Jahre bestehenden 
grossen Völklinger Hof mit seinen fünf Gemein 
den rangierte, an Geld allein die für damalige 
Zeit beträchtliche Summe von 118 Gulden nach 
Saarbrücken abführte. 
Für den kulturellen Hochstand der westlichen 
Siedler mag die Tatsache sprechen, dass sie sich 
bereits im ersten Jahre daran machten, eine 
Kirche und Schule zu errichten, in denen ein 
französisch-reformierter Pfarrer predigte bezw. 
ein französischer Lehrer unterrichtete. Ludweiler 
war und blieb noch lange die erste protestan 
tische Gemeinde des Saarlandes. 
Wenn nun die jüngste Feststellung in den alten 
amtlichen Akten uns darüber unterrichtet, dass 
die Ludweiler Kolonisten zehn Jahre nach ihrer 
Ansiedlung beim Saarbrücker Grafen die Erlaub 
nis nachsuchten, im Lauterbachtale eine Glas 
hütte zu errichten, so kündet diese Tatsache 
wiederum von dem gesunden Streben dieser 
westlichen Menschen. Und so hören wir 1616, 
dass der Franzose Jacques de Titry, der mit 
einer Jeanne de Conde verheiratet war, mit 
Erlaubnis und Unterstützung des Grafenhauses 
etwas abseits des untersten Ludweiler Weihers 
— den viele als Badeweiher kennen — eine 
Glashütte erbaute, das erste Glashüttenwerk des 
Saarlandes. Doch scheint die Glashütte nach 
einigen Jahren eingegangen zu sein, jedenfalls 
fehlen uns die einschlägigen Akten.
	        
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