Full text: 1949 (0077)

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Hochwasserpegel in Saarbrücken und über 
schritt damit die bisher bekannten höchsten 
Hochwasser an der Saar von 1784 und 1824. 
An diesem unvergesslichen Tag glich die Saar 
nicht mehr dem lieblich dahinfliessenden Flüss 
chen, sie war ein reissender Strom geworden, 
der mit ungeheurer Gewalt alles, was in seinem 
Weg lag, nht sich fortriss. Die Holzvorräte der 
flussaufwärts gelegenen Sägewerke wurden von 
den Fluten wie Flösse mit grosser Geschwindig 
keit abgetrieben. Dazwischen sah man Hunde 
hütten, Hühnerställe, Bäume und Gartenhäus 
chen, die die wilden, losgelösten Elemente 
forttrugen. 
Ein trostloses Bild bot die Stadt Saarbrücken. 
In den überschwemmten Strassen ruderten die 
Anwohner mit Paddelbooten, Kähnen und selbst 
zusammengebauten Flössen, um so eine Verbin 
dung mit ihrer Wohnung aufnehmen zu können 
oder ihre Habe in Sicherheit zu bringen. 
Ebenso waren Lastwagen eingesetzt, die, so 
weit als möglich, den bedrängten Menschen 
Hilfe leisteten. Auch die Versorgung der vom 
Wasser eingeschlossenen Bevölkerung mit Le 
bensmitteln wurde auf diesem Wege vorgenom 
men. Die Bewohner der Stadt griffen in der 
vorbildlichsten Weise helfend ein. Besonders tat 
sich die Städtische Feuerwehr hervor, die uner 
müdlich tätig war, um die in Gefahr schwe 
benden Menschen zu retten und die flüchten 
den, obdachlos gewordenen in eine Notunter 
kunft zu bringen. 
Kurz nach 16 Uhr wurden alle Brücken im 
Stadtgebiet wegen Einsturzgefahr gesperrt. Die 
beiden Stadtteile Saarbrücken und St. Johann 
waren somit voneinander abgeschnitten, obwohl 
die Fluten die Fahrbahnen der Brücken nicht 
erreichten, standen doch die seitlichen Zugänge 
stark unter Wasser. Alle Brücken haben jedoch 
den anströmenden Fluten standgehalten, ja sogar 
die kurz unterhalb der « Alten Brücke » wäh 
rend des Hochwassers noch stehende, nach dem 
Kriege errichtete Schiffsbrücke. Abbildung 3 mit 
der « Alten Brücke » zeigt deutlich im Hinter 
grund die im stumpfen 
Winkel aufragende 
Schiffsbrücke. 
Von der gewaltigen 
Strömung wurden ledig 
lich die nach dem Kriege 
errichteten Behelfs 
brücken über die Saar 
zwischen Völklingen - 
Fürstenhausen, Mett 
lach -Keuchingen und der 
Fussgängersteg Bous- 
Wadgassen weggerissen. 
In den Abendstunden 
bis in die Nacht zum 
30. Dezember war im 
mernoch ein stündliches 
Ansteigen von 8-16 cm 
zu verzeichnen. Am 30. 
Dezember erreichten in 
einer klaren Winter 
nacht, in der die Tem 
peratur stark gefallen 
war, um 3 Uhr die 
Fluten ihren Höchst 
stand mit 9,66 m am 
Hochwasserpegel Saar 
brücken. 
Mit diesem Stand wurde das bekannte höchste 
Hochwasser um 1,13 m überschritten. Dieser 
Höchststand währte bis gegen 7 Uhr, dann be 
gann das Wasser langsam zu fallen. Am 1. Ja 
nuar 1948 um 19 Uhr erreichte die Saar wieder 
ihren Normalstand. 
Der Aufstieg des Wassers erfolgte bis zum 
Höchststand in rund 50 Stunden, wogegen der 
Ablauf bis zur Erreichung des Normalstandes 
64 Stunden dauerte. 
Bei diesem Flöchststand von 9,66 m hatte die 
Saar eine Durchflussmenge von über 1.200 Ku 
bikmeter in der Sekunde, was einer Geschwin 
digkeit von 2,5—3,0 m je Stunde entspricht. 
Dagegen fliessen in Saarbrücken bei gelegten 
Wehren und einem Wasserstand von 3 m am 
Hochwasserpegel rund 120 Kubikmeter in der 
Sekunde ab. 
Bis zum Höchststand mit 9,66 m sind etwa 
130 Millionen und vom Höchststand bis zum 
Bild. 2 Die untere Bahnhofstrasse (Photo Gressung)
	        

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