Full text: 1949 (0077)

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Der Bergbau bestimmte seine Entwicklung 
I n der Reihe der saarländischen Dörfer, deren 
Entwicklung unzweifelhaft durch den seit 
dem Jahre 1797 stetig wachsenden Stein 
kohlenbergbau bestimmt wurde, ist mit in 
erster Linie die Bergarbeitersiedlung Elversberg 
zu nennen, jenes Dorf im Kreise Ottweiler, von 
dem man sagt, dass es die dichtbesiedeltste 
Gertieinde des Saarlandes — Saarbrücken aus 
genommen — auf kleinstem Banne des Kreises 
sei, aber auch jenes Dorf, das innerhalb weniger 
Jahrzehnte eine solch rasche Aufwärtsentwick 
lung erlebte, wie wir sie im vergangenen Jahr 
hundert kaum sontwo antreffen. Ja, noch mehr: 
die heute so stolze Gemeinde verdankt dem in 
ihrer nächsten Nähe betriebenen Bergbau ihr 
Entstehen. 
Es war vor etwas mehr denn hundert Jahren, 
als auf dem bewaldeten Höhenrücken des ur 
alten Dorfbannes Spiesen neues Leben mit einer 
vielverheissenden Zukunft einzog. Schon bei 
Gelegenheit der 23. Jahresbefahrung der nahen 
Grube «König», am 19. Dezember 1843, war 
der Plan aufgetaucht, im Felde der genann + en 
Grube einen neuen Förderpunkt zu schaffen, 
weil man vorauszusehen glaubte, dass die pro 
jektierte Bahn Forbach-Saarbni^ken-Bexbarh 
einen regen Verkehr und somit auch eine Söme 
rung des Kohlenabsatzes mit sich b angen 1 önnö. 
Und im Jahre 1845 fasste dann der Gedanke 
Fass, im sogenannten «Holzhauertal», 
dem südlichsten Ausläufer des Blies f ales nach 
dem Bildstockzuge, einen Betriebspunkt anzu 
setzen, um von hier aus die Flöze der Fett 
kohlenschicht zu erschliessen. Hier hatte man 
nämlich bei Schürfversuchen dieselben Flöze 
angetroffen, wie sie auf der Grube «König» 
abgebaut wurden, man hatte sogar eine grössere 
Mächtigkeit festgestellt. Unschwer war daher 
de»- Entschluss, am oberen Ende des « Ho'zhauer- 
tales» einen Förder- und WasserstoFen über 
dem höchsten Wasserstande des Neunkirchener 
Hüttenwerkes am südlichen Talgehänge anzu 
setzen, um die auf «König» gebauten Flöze 
querschlägig anzufahren. 
Wie die Anlage von Gruben von jeher schwie 
rige und umfangreiche Vorbereitungsmassn?hmen 
erforderte, so schien es auch hier der Fall zu 
sein. Nach Erwerb des notwendigen Grund und 
Bodens konnte am 12. Juli 1847 der geplante 
Stollen auerschlägig ins Liegende angesetzt wer 
den. Freiherr von Heinitz sollte diesem mit 
grossen Erwartungen angehauenen Stollen den 
Namen geben. Dieser «Heinitz-Stollen», 
dessen Anhieb mit 11 Mann erfolgte, die aus 
Schiffweiler und Landsweiler stammten, unter 
stand, wie oben angedeutet, der Verwaltung von 
Grube «König» unter dem damaligen Ober 
geschworenen Busse aus Wellesweiler. 
Zu dieser Zeit zählte man auf dem mit Wald 
reich bestandenen Elversberger Höhenrücken nur 
drei kleine Häuser, unter denen jenes eine beson 
dere Bedeutung hatte, das einstmals Forsthaus 
eines Försters des bedeutendsten Saarbrücker 
Fürsten Wilhelm Heinrich war. So erzählt uns 
eine gusseiserne Tafel am heutigen Elversberger 
Bankgebäude ganz kurz, dass dieses Forsthaus, 
1756 errichtet, im Jahre 1932 einem Neubau 
weichen musste. Und wenn wir hier der vor 
hundert Jahren noch so bescheidenen Wald 
siedlung das nahe Spiesen mit damals 869 Ein 
wohnern gegenüberstellen, dann sollten sich die 
Verhältnisse in dieser Waldeinsamkeit bald von 
Grund auf ändern. 
Die ersten im Jahre 1848 geförderten Kohlet? 
des «Heinitz-Stollens» hatte man zu Verko 
kungsversuchen nach Grube « König » geschafft, 
wo man hinsichtlich des Ergebnisses überrascht 
war. Der erfreuliche Erfolg war denn auch hin 
reichende Veranlassung, an Ort und Stelle selbst 
die Ve r knk>mg der in ausgiebigem Masse gefun 
denen Steinkohle durchzuführen. Man stellte 
daher im nächsten Jahre in Heinitz zwei Koks 
öfen des Systems « Schaumburg » auf. Und ein 
Jahr später ging man daran, die bekannten Flöze 
«Blücher», «Tauentzien» und «Scharnhorst» 
aufzuschliessen, abgesehen von weiteren Kohlen 
flözen, die in Vorrichtung genommen wurden. 
Der sich lohnende Abbau von weit über 100 000 t 
bester Kokskohle bereits im Jahre 1850 führte 
dazu, dass man in kurzen Abständen weitere 
74 Koksöfen errichtete und in Betrieb nahm. 
Angesichts dieser ungeahnt raschen Entwick 
lung der Heinitzer Anlagen fehlte es naturgemäss 
nicht an Arbeitslustigen, die aus der näheren und 
weiteren Umgebung hierhin kamen, um lohnende 
Arbeit und besseres Brot zu suchen. Wie die 
Chronisten vermerken, waren unter ihnen auch 
viele aus der benachbarten Pfalz, die sogar ein 
Interesse zeigten, sich hier ansässig zu machen. 
Schwieng schien allerdings die Frage der Unter 
bringung dieser auswärtigen Belegschaftsmitglie
	        

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