Full text: 1949 (0077)

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schicht stösst. Der Übergang von öberschall- zu 
Unterschall-Luftbewegung verursacht längs der 
Körperflächen starke Schwingungen. In Sturz 
kampfflugzeugen, bei denen die Bremsen während 
des Sturzes versagten, haben die Piloten dies fest 
gestellt, d. h., es reagieren die Steuer nicht mehr, 
die Flügel werden überbeansprucht, und es ge- 
Bild 3 Französisches Düsenflugzeug So 6000 
hört dann eine grosse Menge Glück dazu, die 
Maschine noch abzufangen. Diese Gefahren der 
Schallwand mussten durch Forschung erst er 
kannt werden. In den Uberschall-Windkanälen 
werden Flugzeugmodelle einem Luft- oder Gas 
strom ausgesetzt, welcher durch riesige Kom 
pressoren bis auf 2.000 m/sec. Geschwindigkeit 
gesteigert werden kann. Die bisherigen Erfah 
rungen lassen sich wie folgt zusammenfassen. Die 
Strömungszone der Schallwand wirkt sich so 
lange auf das Modell aus, als Teile desselben 
sich gerade mit Schallgeschwindigkeit bewegen. 
Nach Überwindung dieser Zone, also bei Ge 
schwindigkeiten von 1.500 Stdkm. z. B. verhält 
sich das Modell wieder ruhig, ohne Luftwirbeln 
ausgesetzt zu sein; allerdings ist nun der Stirn- 
widerstand grösser als der Auftrieb, d. h. der 
Flug der Maschine wird hauptsächlich von dem 
Antriebsmittel, weniger von den Tragflächen 
abhängig. Daraus folgerte man, dass Flüge in 
Überschallgeschwindigkeit nur mit aerodyna 
misch-vollkommenen Modellen, kurzen Flügeln in 
Pfeilform und starken Raketenmotoren (keine 
Turbinen) in sehr grosser Höhe bei geringer 
Luftdichte durchführbar sind. 
Man darf die Erfindung der Rakete nicht in 
unser Jahrhundert verlegen; sie ist viel älter. 
Die chinesischen Feuerschlangen waren nichts 
anderes als Flugkörper, welche durch Verbren 
nung von Schwarzpulver angetrieben wurden. 
Wenn es uns gelingt, die auf einem Körper 
lastende Schwerkraft durch grössere, entgegen 
wirkende Kräfte zu überbieten, so haben wir im 
Prinzip dasselbe, was in der Rakete vorgeht. 
Sprechen wir vom Gewicht eines Körpers, so 
ist dies ein Faktor aus Masse X Erdanziehungs- 
kraft. Wir wissen noch, dass Massen im luft 
leeren Raum in unseren Breiten 
mit g = 9 m 81/sec. beschleu- 
üjkjjü nigt werden. Wenn wir aber eine 
Masse mit g X 100 beschleunigen, 
so wird das Gewicht auch 100 
X grösser. Wenn ich daher in ei 
nem Lufttorpedo von 100 kg Ge 
wicht 1 kg Treibstoff in 2 sec. ver 
brenne und der Gasaustritt 2.000 
m/sec. beträgt, so wird durch den 
Rückstoss die Schwerkraft aufge 
hoben, und der Körper kann 2 sec. 
lang über der Erde schweben. Je 
grösser das Verhältnis des verbrann 
ten Stoffes zum Gewicht der Rakete 
ist, umso stärker wird sie in gegen 
sätzlicher Richtung der Schwer 
kraft beschleunigt. 
Zur Überwindung des Luftwi 
derstandes muss die Rakete eine 
Geschossform mit grosser Quer 
schnittsbelastung besitzen. 
Zur Korrektur der Flugbahn muss der 
Schwerpunkt durch Kreisel nach Wunsch sta 
bilisiert oder verschoben werden können. Zum 
Flug durch die Atmosphäre müssen Schwanz 
flossen vorhanden sein. Aus den Faktoren Dauer 
der Beschleunigung, Endgeschwindigkeit und der 
Querschnittsbelastung errechnen wir die Flug 
bahn der Rakete. So erreicht eine V-2 bei 13 to 
Fluggewicht mit 9 to (68%) flüssigem Treib 
stoff bei einer Rückstosswucht von 27 to wäh 
rend 67 sec. ein Flughöhe von 60 km bei 1.500 
m/sec. Endgeschwindigkeit. Sodann folgt sie der 
Wurfparabel der freibewegten Körper (Beein 
flussung nur durch Erdanziehung, da fast kein 
Luftwiderstand) und erreicht 185 km Gipfel 
höhe. Je nach Neigung des Abgangswinkels zur 
Zielrichtung (der Abgangswinkel kann durch 
Kreiselverlagerung des Schwerpunktes beein 
flusst werden) erreicht sie bis zu 320 km Ent 
fernung. Die Fallkurve ist fast identisch der 
Steigkurve nach der Verbrennung des Treib 
stoffes, d. h. die Rakete fliegt mit über 1.000 
m/sec. in die Troposphäre ein und bewahrt 
Überschallgeschwindigkeit bis zum Auftreff 
punkt. Ihre moralische Wirkung war weniger 
der Sprengladung von einer Tonne als ihrer ge 
fährlichen Eigenschaft zuzuschreiben, ohne War 
nungsmöglichkeit aufzuschlagen. Es herrscht 
vielfach die irrige Ansicht, dass sich eine Rakete 
durch Ausdrücken der Verbrennungsgase an der 
Luftschicht abstösst, dies gilt nur im ersten Au 
genblick des Riickstosses, dann aber ist die Luft
	        

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