Full text: 1949 (0077)

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Traud atmete auf. Wie gut, dass Bab den 
Notar noch hatte kommen lassen. O ja, Bab ! 
Er hatte die Gesetze gekannt, aber auch seine 
Geschwister hatte er gekannt. Ja, Bab... so 
einen guten und gerecht denkenden Mann gab 
es nicht mehr. 
Ein paar Tage darauf kamen die Geschwister 
abermals zu Traud. 
«Du musst aus dem Haus ! », sagten sie. 
« Bab hat kein Testament gemacht, das hast du 
selbst gesagt, und wir haben uns beim Notar 
erkundigt. Wir sind seine 
Erben. So ist es gesetz 
lich. Du musst aus un- 
serm Haus ! » 
Traud würde blass. 
« Aber », wandte sie ein, 
«Bab hat doch nur die 
drei Stücker Land und die 
Pfarrwies mitgebracht, 
das andere habe ich mit 
gebracht, von daheim. 
Und das Geld, das haben 
wir doch zusammen ge 
spart. Bab und ich. Aber 
ihr , könnt. .. ich will 
nicht mit euch streiten, 
das kann ich nicht... 
ich gebe euch die drei 
Stücker Land und die 
Wiese wieder, » 
Aufs längste Leben. Vor Gericht könnt ihrs 
bald noch einmal hören. » 
Sie ging zur Türe, zog sie auf und hob den 
Arm : 
«Und jetzt macht euch aus dem Haus, 
sonst hole ich den Gendarm ! » 
Da lachten sie. 
Sie gingen in den Stuben und Kammern, 
gingen im ganzen Haus umher, als wären sie 
hier die Herren. Sie schlichen und krochen und 
suchten umher wie Kater, wenn sie nach 
Mäusen jagen. Traud sah ihnen ängstlich zu, 
blass, den dünnen Mund verkniffen. Mit einmal 
fasste sie sich ein Herz. Sie sprang zur Wasch 
kommode hin, riss eine der Schubladen auf, 
•wühlte in den Wäschestücken und zog ein dün 
nes Buch heraus, das Sparbuch Babs aus seiner 
ledigen Zeit. 
« Da ! », rief sie aufweinend, « da, ihr Gier- 
pänze ! Das ist alles, was Bab hinter lassen hat. 
Da seht selber ! Ganze vierzehn Mark. Fresst Sie 
auf, ihr Fresshälse ! » Und sie schleuderte ihnen 
das blaue Büchlein vor die Füsse. Einer der 
Schwäger schnappte es vom Boden auf, dabei 
flatterte ein zusammengefalteter Schein heraus. 
Er ging ans Fenster damit, entfaltete ihn, las. 
« Aha », sagte er jetzt. « Beim Notar seid ihr 
gewesen, Bab und du. Da steht es schwarz auf 
•weiss. Bab hat also doch ein Testament ge 
macht, weil er wusste, was für eine du bist! » 
Traud sagte darauf ruhig : « Wir waren nicht 
beim Notar gewesen, aber der Notar war zu 
Bab hierher gekommen. Bab hatte ihn rufen 
lassen. Was du hast, ist nur ein Schreiben vom 
Notar. Das Testament liegt beim Gericht. Bab 
kannte euch, Bab hat auch ein Testament ge 
macht, er hat mir alles verschrieben, mir! 
Sie knurrten. Traud ging auf die Haustüre 
und rief, dass man es überall in den Nachbar 
häusern hörte : 
« Aus meinem Haus, ihr Erpresser, sonst rufe 
ich den Gendarm ! » 
Da gingen sie. Und Traud schloss die Türe, 
schob den Riegel vor, wankte in die Kammer 
und warf sich auf Babs Bett. 
« O, Bab ! », schluchzte sie. « O, Bab ! » 
Von dem Tage an hatte es den Anschein, als 
liessen sie ihr Ruhe, und Traud ging ihrer 
Arbeit nach, so wie sie es gewohnt war und 
musste. Doch nie vergass sie, des Abends, ehe 
sie sich oben in die Speicherkammer begab, 
die Türen abzuriegeln. Eine Weile ging sie 
auch mit dem Gedanken um, sich einen Hund 
anzuschaffen, der sie bewachte, und dann 
brauchte sie auch so etwas wie ein Lebewesen,- 
dem sie gut sein konnte und das ihr anhing. 
Die Kater gaben aber ihr Treiben gegen 
Traud nicht auf. Das hatte sie auch nicht an 
ders erwartet. Sie schlichen sich des Nachts an 
ihren Giebel, stiegen die Leiter hinauf aufs 
Dach und liessen alte Töpfe, Kannen und dicke 
Wacken durch das Kamin herunterfallen, in 
Trauds Küche. Sie schlüpften zum Kellerloch 
herein, stiegen die Kellertreppe hoch und fingen 
an zu miauen und zu schnurren. Sie stiegen in 
die Fruchtkammer, rasselten mit Ketten, die 
sie mitgebracht hatten, tappten und spekta 
kelten herum, bumsten gegen Trauds Schlaf-
	        

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