Full text: 1948 (0076)

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gebirgen herabgetragenen Gesteinen türmten 
sich zu Bergen, alles roh, kahl und unbewohn 
bar. Es sind in Mitteleuropa vier Haupt 
perioden der Vereisung festgestellt worden: 
1. die Günz-Eiszeit, 
2. die Mindel-Elster-Eiszeit, 
3. die Riß-Saale-Eiszeit und 
4. die Würm-Weichsel-Eiszeit. 
Benannt sind sie nach süd- und norddeutschen 
Flüssen, an welchen man ihre Spuren zuerst 
gefunden hat. Das waren also vier lang- 
dauernde Kältewellen (Glaziale). Zwischen 
ihnen liegen die wärmeren Zwischeneiszeiten 
oder Interglaziale. Auch diese Zwischeneis 
zeiten dauern jedesmal Jahrzehntau^ende. 
Sie gehen uns bei der Betrachtung des Lud- 
weiler Faustkeils hauptsächlich an, denn der 
Mensch bewohnt nur in den klimatisch gün 
stigeren Zwischeneiszeiten unsere dem Haupt 
eise doch sehr nahe gelegene Landschaft. Mit 
dem abschmelzenden Eise weicht während 
dieser Interglaziale auch die Tundra zurück. 
Tundra ist heute in arktischen Gebieten, 
wie Nordnorwegen und Nordsibirien zu fin 
den. Der Boden ist während eines großen Tei 
les des Jahreslaufs gefroren. Bäume gibt es 
in der Tundra nicht. Nur dürftiger Pflanzen 
wuchs bedeckt sehr dünn das unwirtliche 
Land. Die Rentierflechte (Cladonia rangiferina), 
Silberwurz (Dryas octopetala), die Alpenbären 
traube (Arctostaphylos alpina), die Rausch 
beere (Empetrum nigrum), verschiedene Moose 
(Sphagnum, Polytricbum) und die Zwergbirke 
(Betula nana) sind Tundrenpflanzen, die irn 
Sommer die Steinhalden begrünen und der 
Tierwelt Futter bieten, die aber auch noch im 
Winter vom hungernden Ren wild unter dem 
Schnee hervorgescharrt werden. An Tieren 
lebten in der eiszeitlichen Tundra und der an 
sie anschließenden Steppe das Mammut (Abb. 
14), das sibirische Nashorn (Abb. 15), der Bi 
son, das Urrind, das Ren, die Saigaantilope, 
der Eisfuchs, verschiedene Lemmingarten und 
$las Ziesel. So wie die Tundra in den Zwischen 
eiszeiten zurückwich, drang die Grassteppe 
vor und in weiter südlich gelegenen Land 
strichen verbreitete sich dann auch der Ur 
wald. 
Die Periode des Acheuleen, der unser Faust 
keil angehört, liegt in dem Interglazial zwi 
schen der Riß- und Würmeeiszeit. Das Klima 
war gemäßigt kühl. Der Urmensch durch 
streifte die Hügel und Täler unserer Saar 
landschaft in kleineren Trupps sammelnd 
und jagend, um die Nahrung für den täglichen 
Bedarf, wie auch für den langen Winter zu 
beschaffen. Seine Jagdtiere waren vorwiegend 
das Mammut (elephas primigenius) und das 
sibirische Nashorn (rhinoceros tichorhinus), 
beides mächtige, wollhaarige Wildtiere, die 
heute ausgestorben sind. Ihre Gebeine wer 
den noch in den diluvialen Sanden und Kie 
sen der Saar wie an anderen Plätzen gefun 
den, so daß wir über ihre Größe und ihr Aus 
sehen gut unterrichtet sind. Haben doch rus 
sische Forschungsexpeditionen in Nordsibirien 
ganz erhaltene Kadaver des Mammuts mit 
Abb. 14: Mammutherde 
(Photo zur Verfügung gestellt durch Dr. Guthörl)
	        

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