Full text: 1948 (0076)

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O/huei'e Qubilare 
Für die im Wirtschaftsleben tätigen Men 
schen gelten Jubiläen, wie sie in der Familie 
gefeiert werden, in der Regel nicht. Wenn 
es keine Regel ohne Ausnahme gäbe, dann 
müßte die für die Bergleute geschaffen 
werden, denn diese pflegen in ihrem Arbeits 
leben eine Kameradschaft, die sich zum min 
desten mit dem gegenseitigen Ertragen und 
Vertragen in der Familie vergleichen läßt. 
Diese Erkenntnis veranlaßt uns, auch in 
diesem Jahre der Jubilare zu gedenken, die 
40 Jahre ununterbrochen im Saarbergbau 
beschäftigt sind. 
Im Arbeitsleben dieser Jubilare wurde im 
Bergbau die Maschine in einem Umfange 
eingesetzt, wie man dies früher nicht für 
möglich gehalten hätte. Wer den Untertage- 
Betrieb vor 40 Jahren kannte und denselben 
mit dem heutigen Betrieb vergleicht, findet 
einen Unterschied, der, im Verhältnis ge 
sehen, dem zwischen Tag und Nacht gleicht. 
Geblieben ist der Bergmann, der unbe 
kümmert um die Neuerungen, unter Aus 
schluß der Öffentlichkeit, seine Arbeit treu 
und gewissenhaft erfüllt; ohne sich dem Vor 
wurf der Überheblichkeit auszusetzen, können 
die Jubilare dies von sich sagen. 
Ein Ereignis, das uns Kunde gibt aus ver 
gangener Zeit, soll das bis jetzt Gesagte noch 
deutlicher herausstellen. 
Beim Wiederaufbau einer alten Stadt 
wurde der Schlußstein — die sogenannte 
Kreuzblume — eines himmelragenden Domes 
unversehrt auf gefunden; Fachmänner haben 
den Stein behutsam geborgen und stellten 
fest, daß der Welt ein herrliches Kunstwerk 
von diesem Dom erhalten geblieben ist. Die 
ser Schlußstein ist ein Meisterwerk der 
Bildhauerkunst. Und doch ist die Frage be 
rechtigt: was ist die wertvollste Feststellung 
bei diesem Fund, das Bild im Stein oder der 
Bildner, der Mensch, der dieses herrliche 
Kunstwerk geschaffen hat? Uns dünkt, der 
Bildner — der Mensch — ist in diesem Falle 
das Wertvollste, was uns die Bombe oder 
das Artilleriegeschoß vor die Füße legte. 
Vergegenwärtigen wir uns kurz den Ar 
beitsvorgang beim Schaffen dieses Kunst 
werkes. Der Stein wurde, nur roh vorbear 
beitet auf die Spitze des Turmes gebracht; 
dort hat der Bildner — unkontrollierbar vom 
Baumeister und seinen Gehilfen sowie der 
Öffentlichkeit — dem Stein das „Gesicht“ 
gegeben. Er hat seine Arbeit gut gemacht, 
obwohl er annehmen mußte, daß diese seine 
Arbeit der Kritik der Öffentlichkeit auf 
immer entzogen bleibt. Fürwahr, ein selbst- 
’oser, großer Mensch, dieser Bildner, dieser 
Arbeiter. 
Wir hören die Frage, warum wird bei der 
Ehrung von Jubilaren im Bergbau dieser 
Vorgang herausgestellt? Wir sind der Auf 
fassung, daß in diesem Vorgang der Sinn der 
Arbeit und der Adel dessen, der sie leistet, 
vor aller Welt kundgetan wird und daß wir 
als Bergmänner diesem Bildner im Bewußt 
sein, daß wir seiner würdig sind, zur Seite 
treten dürfen. Auch wir leisten unsere Ar 
beit — wie dieser Bildner — ohne Kontrolle 
der Öffentlichkeit. Die Pflichterfüllung ist 
dem Bergmann wie diesem Bildner Herzens 
sache. Hieraus erklärt sich auch, daß es 
nicht nur Tradition ist, was den Berg 
mannssohn immer und immer wieder veran 
laßt, in die Grube zu gehen, um Bergmann 
zu werden. Es ist vielmehr die Liebe zum 
Bergbau, die unser Tun und das unserer 
Kinder kennzeichnet. 
Wir sind uns bewußt, und es ist von unseren 
Vorfahren überkommenes Gut, daß Berg 
mannsarbeit Schwerstarbeit ist und bleiben 
wird, und doch sind wir Bergmann geworden. 
Unser Beruf verlangt nicht nur von uns 
stärksten Einsatz unserer körperlichen Kräfte, 
sondern nicht zuletzt die geistige Fähigkeit, 
die heute dem Bergmann in die Hand gege 
benen technischen Hilfsmittel in der rechten 
Weise einzusetzen und zu meistern. Nur so 
können wir erreichen, daß die Maschine ihren 
Anteil an der Schwerstarbeit bringt. 
Seht, liebe Jubilare, wie — rückwärts 
schauend — das Arbeitsleben viel interessan 
ter ist, als es sich allgemein und ohne in die 
Tiefe zu gehen ansieht. Der Wert des Men 
schen Arbeiter wird nicht gewogen in Zahlen, 
sondern in dem inneren Wert zum Ausdruck 
gebracht, der in jedem Einzelnen, gegeben 
durch Pflichterfüllung, steckt. 
So wollen wir heute, Eure jüngeren Mit 
arbeiter, vor Euch hintreten und Dank sagen 
für all das, was Ihr uns in unserem bishe 
rigen Bergmannsleben gegeben habt. Wir 
wollen, so wie Ihr, die Liebe zum Beruf 
weitergeben und bergmännische Art und 
Sitten pflegen, wie Ihr dies getan. Für die 
fernere Fahrt auf Eurem Lebensweg rufen 
wir Euch ein fröhliches „G1 ü c k auf“ zu. 
Am 30. Juni 1947 standen noch 297 Beleg 
schaftsmitglieder in Arbeit, die in der Zeit 
vom 1. Juli 1906 bis 30. Juni 1907 angefahren 
sind. Von diesen Jubilaren waren am 30. Juni 
1947 beschäftigt: 
241 als Arbeiter und Handwerker unter und 
über Tage, 
3 als Meister, 
4 als Steiger, 
49 als Angestellte. 
Wir bringen nachstehend, wie dies auch
	        

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