Full text: 1947 (0075)

32 500 Ziegel 
3 Waggon Bau- und Schnittholz 
4 500 lfdm. Latten 
2 500 qm Fußboden 
7 000 kg Eisen 
geliefert. 
So konnte der Aufbau der Krankenhäuser und 
damit die Fürsorge für den kranken Bergmann 
beschleunigt sichergestellt werden. 
Auch auf dem Hartungshof wurde sofort 
mit den Aufräumungs- und Wiederinstand 
setzungsaribeiten begonnen. Die Feldbestellung 
war durch die ausgedehnten Minenfelder eine 
gefährliche Arbeit. Der Gutsverwalter verun 
glückte tödlich, und zwei Gespannführer wurden 
durch Minen schwer verletzt. 
Durch Vermittlung der Mission Francaise 
wurde uns vom französischen Ministerium ein 
Entminungskommando zur Ver.ügung gestellt, 
das täglich aus Frankreich zum Hartungshof 
gebracht wurde und in dreimonatiger Arbeit' 
mit modernen magnetischen Geräten über 7 000 
Minen verschiedenster Konstruktion entfernte. 
Die Ländereien des knappschaftlichen Gutes 
Hartungshof wurden als erste landwirtschaft- 
'iche Nutzflächen im Saargebiet entmint. 
Sind die Wirtschaftsgebäude einmal wieder 
iufgebaut und ist der Viehbestand ergänzt, so 
kann das Gut seine Versorgungsaufgabe gegen 
über den Knappschaftskrankenhäusem wieder 
erfüllen. 
c) Krankentransport 
Vor dem Kriege hatte die Saarknappschaft in 
ihren 6 Krankenhäusern insgesamt 7 Kranken 
wagen stationiert. Nach einem Erlaß über die 
Vereinheitlichung des Krankentransportes muß 
ten die Krankenwagen im Jahre 1943 an das 
Rote Kreuz abgegeben werden. Seit dieser Zeit 
traten immer wieder Schwierigkeiten im Kran 
kentransport, vor allem in der raschen Ueber- 
führung Unfallverletzter Bergleute ein. Trotz 
aller Vorstellungen konnte nicht erreicht wer 
den, daß Verzögerungen bei diesen Transporten 
ausgeschaltet wurden. Noch im Jahre 1945 wur 
den deshalb mit dem Roten Kreuz Verhandlun 
gen aufgenommen, um für den Unfalltransport 
geeignete Krankenwagen zu erlangen. Anfang 
1946 konnten dann zwei gebrauchte Sanitäts 
kraftwagen bei den Krankenhäusern Neunkir 
chen und Quierschied eingesetzt werden. In 
zwischen war uns die Beschaffung eines neuen 
Sanitätswagens durch Vermittlung der Mission 
Francaise möglich, der dem Knappschaftskran- 
kenhaus Völklingen zugeteilt wurde. Im Hin 
blick auf den noch nicht als einwandfrei anzu 
sehenden Transport der Unfallverletzten hat 
die Saargruben-AG. drei Krankenwagen be 
schafft und je einen bei der Gruppe Ost, Mitte 
md West speziell zu diesem Zweck eingesetzt. 
Die gemeinsamen Bemühungen und die Sicher 
stellung eines schnellen Krankentransportes 
haben deshalb allen Schwierigkeiten zum Trotz 
Erfolg gehabt. 
Die Saarknappschaft wird auch in Zukunft 
mit allen Kräften an der Beseitigung ihrer 
Kriegsschäden Weiterarbeiten 
Der Saarbergmann 
und sein Arzt 
In der englischen Zeitung „The Lancet’’ vom 
2. Februar 1945 wurde über die Fragen berich 
tet, welche der Bergarbeiterschaft in England 
nach Beendigung des Krieges besonders am 
Herzen liegen. Einen breiten Raum bei den 
geäußerten Reformwünschen nimmt die Schaf 
fung und der Ausbau eines besonderen Gesund 
heitsdienstes für den Bergmann ein. Man for 
dert eine gründliche Ausbildung der künftigen 
„Bergmannsärzte" und schlägt die Gründung 
einer Schule für Bergbaumedizin im Gebiet von 
Galles vor. 
Wenn wir von diesem im englischen Berg 
bau angestrebten Ziel hören, so kommt uns dei 
Vorzug einer Einrichtung zum Bewußtsein, die 
uns im Saargebiet seit langer Zeit vertraut ist 
Die ärztliche Betreuung des Saarbergmanns 
liegt durchweg in den Händen von Ärzten, die 
durch eine langjährige Ausbildung in den Kran 
kenhäusern der Saarknappschaft all das beruf 
liche Sonderwissen erworben und die Erfahrun 
gen gesammelt haben, welche -zur vorbildlichen 
Behandlung des Bergmannes unentbehrlich sind 
Der in seinem Kursprengel fest angestellte 
und darum bodenständige Knappschaftsarzt 
kennt die dem Bergbau eigentümlichen Erkran 
kungen und Verletzungsarten, er ist sich im 
klaren über die Schwere der im Grubenbetrieb 
zu verrichtenden Arbeiten, er kennt die beson 
deren Arbeitsverhältnisse in den einzelnen 
Gruben. Im Laufe seiner Berufsarbeit hat der 
Knappsohaftsarzt die Lebentsverhältnisse, die 
Lebensgewohnheiten und die Krankheitsveran 
lagungen der einzelnen Bergmanns r amilien 
seines Kursprengels kennengelernt und ist in 
folgedessen der von vielen erstrebte Hausarzt 
in des Wortes bester Bedeutung. Es bildet sich 
hier das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt 
und Patient, das eine wesentliche Grundlage 
zur erfolgreichen Krankenbehandlung ist. 
Auf welch breiter Grundlage das Vertrauen 
des Saarbergmannes in seinen Knappschaftsarzl 
aufgebaut ist, geht daraus hervor, daß nur 
wenige von der einmal im Jahr gegebenen 
Möglichkeit Gebrauch machen, einen anderen 
Arzt zu wählen. Die Wahlbeteiligung bei der 
Saarknappschaft war in den letzten acht Jahren 
vor 1935 nicht höher als 14%, wobei ein großer 
Teil der Umwahlen auf einen Wohnsitzwechsel 
der Versicherten oder auf das Ausscheiden des 
bisherigen Knappschaftsarztes wegen seines 
Alters zurückzuführen war. Diese Tatsache be 
weist, daß die Saarbergmänner mit ihren Knapp 
schaftsärzten bestimmt zufrieden waren. 
Gerade die alten Bergleute, die aufgrund 
ihrer Lebenserfahrung ein reifes Urteil fällen 
können, fühlen sich ihrem Knappschaftsarzt mit 
besonderer Anhänglichkeit verbunden, der 
ihnen in vielen schweren Jahren ein getreuer 
Helfer war.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.