Full text: 1947 (0075)

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Kriegsauswirkungen bei der Saarknappsdiaft 
W ie alle anderen Dienststellen im Saargebiet 
steht die Saarknappschaft vor der Auf 
gabe, aus Ruinen und Trümmern den Weg zum 
Wiederaufbau zu finden. 
a) Kriegszerstörungen 
1) Wohl jedem Bergmann wird das Verwal 
tungsgebäude der Saarknappschaft aus der 
Friedenszeit in Erinnerung sein. In seinen fünf 
Stockwerken befanden sich über 100 Räume. Im 
großen Treppenhaus grüßte jeden in Glasmalerei 
das Bild eines helmkehrenden Bergmannes. 
Wenn inzwischen auch bereits tatkräftig an 
der Wiederinstandsetzung des Gebäudes gear 
beitet wurde, so sind doch die schweren Schä 
den, welche im Laufe des Krieges entstanden 
sind, noch in großem Umfange vorhanden. In 
vier Stockwerken sind z. Zt, 45 Räume benutz 
bar. Die fortschreitenden Bauarbeiten werden 
aber die jetzige räumliche Enge fühlbar mildern. 
2) Gut Hartungshof: Anfang Dezember 1944 
kam das knappschaftliche Gut unter Artillerie 
beschuß und mußte überstürzt geräumt werden. 
Bei den schweren Kämpfen um den Hof haben 
sämtliche Wirtschafts- und Wohngebäude 
schwere Zerstörungen davongetragen und sind 
zum Teil vollkommen ausgebrannt. Ein großer 
Teil der Ländereien — und gerade die ertrag 
reichsten — wurde vermint. 
3) Knappschafts-Krankenhäuser: Das Knapp 
schaftskrankenhaus Völklingen, das bereits von 
Kriegsbeginn bis zum August 1940 geräumt war, 
mußte beim Näherrücken der Front in den 
ersten Dezembertagen 1944 erneut aufgegeben 
werden. Die Kranken wurden mit einem Laza 
rettzug nach dem Innern des Reiches abtrans 
portiert. Nur zum Teil konnte die Innenein 
richtung geborgen werden. 
Das Knappschaftskrankenhaus Sulzbach, das 
in unmittelbarer Nähe der Bahnlinie liegt, er 
litt nur unbedeutenden Glasschaden durch 
Artilleriebeschuß und Bombeneinwirkung. 
Bei Luftangriffen auf die Stadt Neunkirchen 
wurde auch das Knappschaftskrankenhaus 
Neunkirchen mit betroffen und erlitt die größ 
ten Beschädigungen von sämtlichen Knapp 
schaftskrankenhäusern. Eine in der Bunker 
linie beim Knappschaftskrankenhaus Quier 
schied niedergehende Luftmine verursachte 
Schäden am Haupt- und Wirtschaftsgebäude. 
Durch sofort einsetzende Hilfsmaßnahmen der 
Grubenverwaltung war es möglich, das Kran 
kenhaus innerhalb kurzer Zeit wieder so her 
zurichten, daß der Krankenhausbetrieb wieder 
in vollem Umfange! weitergeführt werden konnte. 
Am 13. Juli 1944 wurde die knappschaftliche 
Augenklinik in der St. Johanner Straße in 
Saarbrücken total zerstört. 
b) Versorgungsschwierigkeiten: 
Bereits Ende 1944 waren die Zufuhrwege nach 
dem Saargebiet sehr oft durch Kriegseinwirkun 
gen unterbunden. In den ersten Monaten des 
Jahres 1945 war die Unterbrechung des Eisen 
bahnverkehrs usw. so nachhaltig, daß die Her 
anschaffung von Lebensmitteln fast vollkommen 
ausfiel. In dieser Zeit mußten die vorhandenen 
Vorräte der Krankenhäuser aufgebraucht wer 
den, sodaß beim Einzug der alliierten Truppen 
keine Lebensmittel und zum Teil auch keine 
Verbandmittel und Medikamente mehr vor 
handen waren. Selbstverständlich war die In 
standsetzung der Verkehrsverbindungen eine 
schwierige und zeitraubende Aufgabe. Die Kran 
kenhausküchen konnten nicht so lange still 
gelegt werden. Mit Fuhrwerken und Lastwagen 
mußten aus dem landwirtschaftlichen .Hinter 
land wenigstens Kartoffeln und aus den Mühlen 
Mehl herangeischafft werden. Die gleiche Zwangs 
lage bestand für die Beschaf ung von Arzneien 
und Verbandmitteln. Auch hier mußten sich die 
Krankenhäuser selbst weiter heben. Schon 
während der letzten Kriegsjahre waren Medi 
kamente und Verbandstoffe nur in einem be 
stimmten Verhältnis der Bezugismengen des 
Betriebsjahres 1938 zugestanden worden. Um 
welche Mengen es sich dabei handelt, kann 
man sich vorstellen, wenn man erfährt, daß der 
normale Verbrauch an Verbandstoffen unserer 
Krankenhäuser jährlich 
50 000 m Verbandmull 
200 000 Mullbinden 
20 000 Gipsbinden 
10 000 kg Zellstoffwatte 
8 000 Rollen Heftpflaster usw. 
beträgt. 
Für Arzneien hat die Saarknappschaft im 
Jahre etwa 120 000 RM ausgeben müssen. 
Daß dem kranken Bergmann in den Knapp 
schaftskrankenhäusern aber immer wieder die 
notwendige Arznei, die unentbehrlichen Ver 
bände und die erforderliche Verpflegung gege 
ben werden konnten, ist zurückzuführen auf 
die tatkräftige Unterstützung der Saarknapp 
schaft durch die Mission Frangaise. 
Nach Einstellung der Kampfhandlungen wurde 
sofort versucht, die Schäden an den Knapp 
schaftskrankenhäusern behelfsmäßig so zu be 
heben, daß die Aufnahme von Patienten mög 
lich war. Sehr oft scheiterte dieser Versuch 
an den Schwierigkeiten der. Materialbeschaf 
fung, bis uns dann die Saargruben-Verwaltung 
Baumaterialien für die Wiederinstandsetzung 
zur Verfügung stellte. Es war eine sehr wirk 
same Unterstützung, denn allein innerhalb von 
drei Monaten wurden 
2 500 qm Glas 
3 Waggon Gips 
9 Waggon Zement 
5 Waggon Kies 
3 Waggon Kalk 
42 000 Backsteine
	        
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