Full text: 1947 (0075)

22 
Universal-Schrämmaschine 
von Förderwagen oder ein Förderband kom 
men. 
Zuweilen deuten ein oder mehrere Blech 
schornsteine, die durch Seile gehalten werden, 
ein Kesselhaus an. Sehr oft ist die Grube 
völlig elektrifiziert und erhält ihren Strom 
über eine Freiluft-Umspannstation, die wir 
seitlich liegen sehen. 
Wir sind bei der Sieberei, die von drei, 
selten von vier Gleisen durchquert wird. Man 
stellt drei oder vier Kohlensorten her: Fein 
kohle, Nüsse und Stückkohle. Die Kohle ist 
im allgemeinen rein, sodaß es in der Regel 
nicht nötig ist, die Kohle ziu waschen, und wir 
sehen nur wenige Klauber an den Nuß- und 
Stückkohilenbändern damit beschäftigt, die 
wenigen Bergestücke, die aus dem Hangenden 
in die Kohle gefallen sind, auszuhalten. Aber 
viele Gruben haben schon Waschen, und zwar 
aus zwei Gründen: die elektrisch betriebene 
Lademaschine nimmt alles auf, was sich ihr 
darbietet, Berge wie Kohle, und die Klauber 
sind teuer. Man muß sie daher durch eine 
Maschine ersetzen, und diese Maschine ist die 
Wäsche; für die Nüsse ein Spitzbehälter mit 
Schwerflüssigkeit, mit einer Dichte von 1,6 
oder 1,8, welche nur die leichten Bestandteile 
aufschwimmen läßt. 
Von der Sieberei aus überblicken wir die 
Tagesanlagen, und wir sehen außer dem 
Kesselhaus und den Gebäuden für die Förder 
maschinen zwei oder drei kleine einstöckige 
Gebäude. Unser Führer erklärt sie uns: das 
erste ist die Reparaturwerkstatt, das zweite, 
entferntere ist das Magazin, das dritte das 
Büro und auf den neueren Gruben die Bade 
anstalt. Diese Gebäude könnte man leicht in 
einem einzigen Zechensaal der Saargruben 
unterbringen. Im Büro erledigen zwei oder 
drei Angestellte alle Schreibarbeiten. Diese 
Arbeiten sind bemerkenswert vereinfacht. Es 
gibt kein Gedinge, keine komplizierten Ver 
rechnungen. Alle Arbeiter in den mechani 
sierten Betrieben arbeiten im Schichtlohn. 
Man zählt die Schichten, woraus sich unmittel 
bar der Lohn ergibt. 
Im Magazin sind nur wenige Gegenstände, 
oeinahe ausschließlich Ersatzteile für Maschi 
nen; auf dem Holzplatz einige nicht entrindete 
Holzstämme aller Arten. In der Werkstatt 
sieht man nur wenige Werkzeugmaschinen 
und einige Arbeiter. Und trotzdem hat die 
Grube, die wir besuchen, eine Tagesförderung 
von 4000 bis 5000 to bei zwei Schichten. Wie 
können so wenige Werkstatt-Ar beiter eine 
solche Grube unterhalten? 
Begeben wir uns in die Grube. Wir fahren 
im Schacht an oder mit einem Zug durch den 
Stollen. Der Seilfahrtschacht bietet nichts Be 
sonderes. Der Förderschacht hat gewöhnlich 
Skipförderung mit Gefäßen von 5 bis 10 to. 
Der kippbare Förderkorb mit einem einzigen 
Förderwagen, der ehemals allgemein ge 
bräuchlich war, wird seltener. 
Im Tiefbau, wie im Stollenbetrieb, erreichen 
wir die Baue mit einem Zug von niedrigen 
Förderwagen. Ihre Spurweite beträgt etwa 1 m 
und ihr Fassungsvermögen im allgemeinen 
4 to und in neuen Gruben bis zu 7 to. Und 
wir fahren mit großer Geschwindigkeit, ge 
zogen von einer Fahrdrahtlokomotive von oft 
mehr als 100 PS. Wir halten in der Nähe einer 
Abteilung, die — so sagt uns der foreman 
(Steiger) — 300 to in der Schicht fördert. Der 
Abbau erfolgt im Kammerpfeilerbruchbau 
Die Abteilung umfaßt 10 Kammern und Pfei 
ler und ist mit einer Batterie von Maschinen 
ausgestattet, zu denen eine Schräm- und 
Kerbmaschine, eine Lademaschine und eine 
Rangierlokomotive gehören mit einer Be 
dienung von neun Arbeitern und einer Auf 
sichtsperson. 
Die Schräm- und Kerbmaschine kommt vor 
den Stoß der Kammer, die 6 — 7 m breit ist, 
und stellt einen Schram am Liegenden her 
und dann einen senkrechten Kerb. Während 
die Maschine in Stellung gebracht und wieder 
zurückgesetzt wird, hat man die vier bis fünf 
Löcher mit einer elektrischen Säulendreh 
bohrmaschine gebohrt. Alles dies dauert etwa 
eine halbe Stunde. Der Schießmeister schießt 
ein oder zwei Zündgänge, und das Ort ist 
fertig zum Laden. Jetzt kommt die elektrische 
Lademaschine an die Reihe, deren Schnabel 
in das Kohlenhaüfwerk eindringt, während 
Kratzarme die Kohle auf das Band bringen, 
auf dem die Kohle in den Förderwagen ge 
langt. Der Bedienungsmann der Lademaschine 
ist ausschließlich damit beschäftigt, seine 
Maschine in den Kohienhaufen zu treiben.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.