Full text: 1947 (0075)

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gestattet, der sich entfaltet und sogar durch 
setzen will. Wie weit nun können wir, und 
sollen wir ihn unterdrücken oder weiterbilden? 
Wenn wir uns klar sind, daß unser Kind und 
wir nicht dieselbe Person sind, nicht den glei 
chen Charakter haben, daß wir also auch 
verschieden denken, verstehen wir, daß unser 
Kind auch anders handein und sprechen muß 
als wir. Ganz unbewußt nehmen die Kinder 
einen Teil unserer Gewohnheiten (unserer 
guten wie schlechten!!) und Bewegungen von 
uns an, da neben der Erziehung und den ver 
erbten Anlagen auch die Umgebung eine große 
Rolle spielt. Alles andere kommt aus ihnen 
selbst, aus ihrem Willen. Es ist deshalb un 
richtig, diesen Kinderwillen immer zu unter 
drücken. In den europäischen Ländern ist es 
üblich, mehr den Willen der Eltern bis zu 
einem gewissen Alter maßgeblich für die 
Kinder sein zu lassen. — in Nordamerika da 
gegen gibt man dem Kinderwillen großen 
Spielraum und hat dabei erfahren, daß die 
Kinder, ja selbst Erwachsene trotzdem einen 
sehr großen Respekt vor ihren Eltern haben 
und die wenigen, ihnen gegebenen Anwei 
sungen bis ins hohe Alter hinein befolgen. 
Vielleicht sollten auch wir uns mehr ent 
schließen, das Kind aus sich heraus wachsen 
zu lassen. 
Es ist nicht falsch, wenn Kinder etwas 
ungeschickter und sogar anders machen als 
wir. Fragen wir sie dann ruhig: „Warum hast 
du dies jetzt so gemacht,“ aber achten wir 
darauf, daß sie anständig antworten. „Darum“ 
ist keine Antwort, wir müssen sie beim ersten 
Mal scharf rügen — und wir müssen uns 
hüten, selbst den Kindern solche Antworten 
zu geben, auch dann nicht, wenn wir einmal 
des vielen Fragens müde sind. Wenn wir 
uns die Zeit nehmen, zuzuhören, werden wir 
sehen, wie unsere Kinder denken, und können 
dann eingreifen und lenken. Wir helfen damit, 
daß sich in unsern Kindern eine richtige, 
eigene Meinung bildet, die sie auch vertreten 
müssen. Und wir zeigen ihnen gleichzeitig 
damit, daß man die Meinung anderer achten 
muß. Wir legen damit Grundsteine, die für 
ihr ganzes Leben wichtig sind. 
Also: Dein Kind hat eine eigene Meinung, 
aber du kannst sie lenken. 
Vergessen wir aber eins nicht, das Beispiel 
ist immer die beste Erziehung. So wie wir 
sprechen, wie wir handeln, wie wir uns be 
nehmen, so werden es zum großen Teil unsere 
Kinder lernen und übernehmen. Die Erziehung 
unseres Kindes fängt damit mit unserer 
eigenen Erziehung an. 
Ein normales 
Kind 
lächelt, wenn seine Mutter es anlächelt 
mit 1 Monat 
hält einen Gegenstand, den es berührt, fest 
mit 3 Monaten 
greift nach einem Ding, das es sieht 
mit 6 Monaten 
bleibt sitzen 
mit 9 Monaten 
muß laufen können 
mit ca. 15 Monaten 
muß sich tagsüber sauber halten 
mit 18 Monaten 
bildet seine ersten Sätzchen, um einen 
Gegenstand verlangen zu können 
mit ca. 2 Jahren 
muß sich nachts sauber halten 
mit ca. 3 Jahren 
muß lesen und schreiben lernen im Alter von 
ca. 6 Jahren 
Und der berühmte Arzt Pichon kommt auf d 
zurück: 
•e Schlußfolgerungen von Hayer 
Das Kind, das seine ersten Zähne 
mit 6 Monaten bekommen hat, 
das normal laufen kann 
mit 12 Monaten, 
das seine ersten Sätzchen 
mit 18 Monaten sprechen ka*nn, 
das sich sauber hält 
mit 15 Monaten, 
wird sich auch in Bezug auf Intelligenz und Charakter normal entwickeln.
	        
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