Full text: 72.1944 (0072)

Von Kriegsberichter K. H. Lea, im Osten 
PK. - Wer hätte diese Dörfer je genannt, 
die seit Jahrhunderten im geschichtslosen 
Dämmerdasein der Steppe liegen? Diese Höhen 
und Schluchten, die niemals einen Namen 
trugen, diese Straßen, die sich gleich Wüsten¬ 
pfaden durch die weiße Unendlichkeit winden, 
oft wie Hohlwege eingefurcht in die meter¬ 
hoch aufgewehte Schneedecke. In diesen 
Wochen des großen, unerhört harten Ringens 
gegen den Massensturm des Bolschewismus 
verknüpfen sich mit ihnen Taten und Opfer¬ 
gänge von erhabener Größe. Im Raume dieser 
Schlacht gewinnen Siedlungen, in denen kein 
Haus von Stein steht, und armselige Statio¬ 
nen, an einsamen Schienensträngen schweren, 
bleibenden Klang. 
Im Absetzen und im Gegenangriff, in der 
Führung abgeschnittener Verbände, im Hal¬ 
ten und Verteidigen der wenigen Straßen 
und Bahnwege, im Aufbau neuer Verteidi¬ 
gungslinien und im Heranführen neuer Kräfte 
bestehen die großen Leistungen der Führung, 
die auch einem wechselvollen Schlachten¬ 
schicksal gegenüber unerschüttert stehen 
muß. Die Taten des deutschen Soldaten sind 
ihrer würdig. So, wie die Meldungen aus 
neuen Gefechtsständen an die höheren Kom¬ 
mandostellen unbeirrt weitergegeben werden, 
auch wenn das Feuer vorbeirasselnder 
Sowjetpanzer das gesprochene Wort im Fern¬ 
sprecher für Sekunden übertönt, liegt irgend¬ 
wo im hochaufgewehten Schnee eine MG- 
Bedienung, bei der kein Mann danach fragt, 
was noch hinter ihm steht, oder was die 
Bolschewisten im nächsten Morgengrauen an 
neuen Massen gegen den deutschen Riegel 
vorschicken werden. 
In diesen bitter harten Kämpfen kann da9 
Ganze nur bestehen, wenn der Einzelne sich 
voll einsetzt. Auch dann, wenn er sich selber 
den Befehl dazu geben muß. Das Erlebnis 
jenes aus München gebürtigen Nürnberger 
Feldwebels, eines alten bayerischen Maschinen¬ 
gewehrschützen aus dem ersten Weltkrieg, 
Eine Handgranate . 
von gestähltem Arm des Stoßtruppmannes kraftvoll geschleudert. 
PK-Leßmann-Weltblld 
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