Full text : 72.1944 (0072)

Das  Jahr  Der  harten  Herzen
Ein  Jahresrückblick  von  Dieppe  bis  Sizilien.  —  Front  und  Heimat  ein  Block
Von  Hauptschriftleiter  Ehrenfried  Cartobius  -  Berlin

Jede  Planung  in  Kriegsführung  und  Politik
(st  eine  Rechnung  mit  mehreren  Unbekannten.
Denn  sie  arbeitet  nicht  nur  mit  festen  Zahlen,
mit  Bevölkerungsziffern,  Raumgrößen,  Rohstoff-
  und  Lebensmittelvorräten  und  Produktionsmöglichkeiten,
  sondern  auch  mit  menschlichen
  Hirnen  und  Herzen.  Je  besser  ein
Volksführer  die  eigene  Nation  kennt  und  je
kühler  und  vorsichtiger  er  den  Zustand  und
die  Geistesverfassung  des  Gegners  einschätzt,
desto  besser  wird  seine  Rechnung  im  Endeffekt
  aufgehen.  Überraschungen  wird  es  jedoch
  immer  geben,  und  dann  kommt  es  darauf
  an,  ob  der  Führende  und  sein  System
geistreich,  beweglich  und  energisch  genug
sind,  den  ursprünglichen  Plan  blitzschnell  zu
ändern  und  der  neuen  Lage  anzupassen.  Der
bisherige  Verlauf  des  zweiten  Weltkrieges
hat  gezeigt,  daß  die  deutsche  Führung  diese
Fähigkeiten  besitzt.
Von  Dieppe  bis  Sizilien.
In  Hunderten  von  Schlachten  haben  die
deutschen  Truppen  und  die  mit  ihnen  verbündeten
  Soldaten  Sieg  auf  Sieg  an  ihre
Fahnen  heften  können.  Es  gibt  allerdings  im
Kriege  auch  Zeitabschnitte,  in  denen  es  gilt,
das  Gewonnene  zu  verteidigen.  Der  heutige
Krieg  wird  nicht  durch  Einzelerfolge  entschieden.
  Heute  hat  der  Stratege  mehr  denn
je  das  Wort  in  der  Führung  des  Krieges.  So
kann  es  kommen,  daß  große  Gebiete  wieder
aufgegeben  werden,  um  den  Gesamterfolg  zu
sichern.  Die  Kämpfe  in  Nordafrika  und  Stalingrad
  waren  Beispiele  derartiger  Kriegführung.
  An  diesen  Stellen  mußte  der  Feind  mit
starken  Kräften  gebunden  werden,  um  die
planmäßige  Absetzung  der  Kaukasustruppen
durchzuführen  bzw.  um  den  Atlantikwall
fertigstellen  zu  können.  Auch  wenn  hier  und
dort  sich  die  Lage  anders  entwickelte,  als
die  große  Volksmasse  es  sich  wünschte  und
der  Krieg  sogar  auf  italienischen  Boden  getragen
  wurde,  entscheidend  ist  nur  der  Endsieg.

Die  am  19.  August  1942  erfolgte  Landung
anglo-amerikanischer  Truppen  bei  Dieppe
an  der  französischen  Kanalküste,  war  im
wahrsten  Sinne  ein  Schlag  ins  Wasser.  Innerhalb
  kürzester  Frist  ergab  sich  eine  totale
Katastrophe  der  Invasionsstrategen  Churchill
und  Roosevelt.  Daran  änderte  auch  nichts
die  dumme  Ausrede  von  einer  sogenannten
„Generalprobe“.  Der  Schutzwall  am  Atlantik
bestand  an  diesem  19.  August  1942  seine  Bewährungsprobe.

  —  Nach  Dieppe  aber  gehörte
das  Weltinteresse  wieder  ganz  der  Ostfront.
Trotz  wütendster  Angriffe  der  Sowjets  konnte
der  deutsche  Vormarsch  auf  das  Gebiet  des
Kaukasus  nicht  aufgehalten  werden.  Bereits
am  21.  August  wurden  der  Elbrus,  der
höchste  Gipfel  des  Kaukasusgebirges  (5630  m)
bezwungen,  die  Ölfelder  von  Maikop  und
Krasnodar  erobert,  und  deutsche  Soldaten  begannen
  den  Kampf  um  Stalingrad.
Wenn  unter  diesen  Umständen  sich  ein
weitab  vom  Kriegsschauplatz  liegender  Staat
—  Brasilien  —  dazu  bewegen  läßt,  den  Achsenmächten
  den  Krieg  zu  erklären,  so  ist  das  ein
völlig  bedeutungsloser  Vorgang,  der  nur  durch
Roosevelts  Erpressungstaktik  zustande  kam.
Es  gehört  zum  Wesen  der  britisch-amerikanischen
  Kriegsführung,  immer  weitere  Staaten
  in  den  Krieg  und  sogar  in  die  Feuerlinie
hineinzuzerren,  wie  dies  auch  mit  dem  Irak
und  Iran  der  Fall  war.
Beim  Betrachten  einer  Karte  oder  Zeichnung
  von
Europa  am  Beginn  des  4.  Kriegsjahres
war  klar  zu  erkennen,  daß  England  vom  Kontinent
  abgesperrt  war,  Deutschland  sich  dagegen
  weite,  fruchtbare  Gebiete  von  Sowjetrußland
  erobert  und  sich  zudem  fast  ganz
Europa  für  seinen  Kriegseinsatz  wirtschaftlich
nutzbar  gemacht  hatte.  In  einem  gigantischen
  Kampf  hatten  die  deutschen  Soldaten
und  die  mit  ihnen  verbündeten  Truppen  bis
Ende  des  dritten  Kriegsjahres  den  Lebensraum
  der  europäischen  Völker  gegenüber  den
vorhergehenden  Jahren  wesentlich  erweitert
und  gefestigt.  Der  Versuch  der  internationalen
  Menschheitsbeglücker  Roosevelt,  Churchill
  und  Stalin,  die  europäischen  Völker
auszuhungern,  war  endgültig  gescheitert.  Die
Sorgen  um  eine  Aushungerung  waren  bei  den
Engländern  erheblich  größer  als  in  Deutschland.

„Die  Klapperschlangen  des  Atlantik“,
wie  Roosevelt  die  U-Boote  bezeichnete,  versenkten
  einen  Dampfer  nach  dem  anderen
und  selbst  das  amerikanische  Arbeitstempo
konnte  nicht  so  beschleunigt  werden,  um  die
Versenkungen  durch  Schiffs-Neubauten  auszugleichen.
  Das  Jahr  1942  war  in  der  Seekriegsführung
  das  erfolgreichste  Jahr  geworden,
  denn  fast  9  Millionen  BRT  angloamerikanischer
  Handelsschiffsraum  wurde
versenkt  Damit  wurde  den  Feindmächten

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