Full text: 71.1943 (0071)

ich möchte ihm in den wenigen Tagen, in 
denen er zu Hause ist, nicht weglaufen. Er 
hat auch mt seinem Glauben gesiegt . . . 
Grüßen Sie die Kameraden an der Saar von 
uns Ruhrknappen. Nun glückliche Reise!“ 
Die Sonne strahlte durch die Fenster in den 
Wartesaal. Und der Heeresbericht kündete 
durch die Wellen des Äters den weiteren Vor¬ 
marsch der deutschen Truppen, den Sieg des 
Glaubens. 
Die Weinlieferung 
Geschichtliche Skizze aus der Zeit des 30jährigen Krieges 
(Nach den Akten frei erzählt von D r. A. J a k o b) 
Ein Spätwintertag des Jahres 1640. Das 
Wetter ist so rauh und ungastlich wie es nur 
sein kann. Ein eisiger Wind fegt von Nordost 
über das Saartal hin. Das ist der Wind von 
den Höhen des Hunsrück, der bringt des 
Winters strenges Regiment mit Schnee und 
Eis. Da sitzt der Bauer wie der Bürger am 
liebsten daheim bei seinem molligen Herd¬ 
feuer, wärmt sich behaglich die Beine und 
vertreibt sich die Zeit mit Erzählen und 
Kartenspielen. 
Auch die Männer von der löblichen Fischer¬ 
und Schifferzunft in dem freien Markt Mer- 
z i g hatten das an diesem garstigen Tage lie¬ 
ber getan als sonst irgend etwas. Und in nor¬ 
malen Zeiten hätte sie auch nicht der Teufel 
selber aus ihren behaglichen Fischerhäusern 
am Saarufer bei solchem Wetter heraus¬ 
bringen können. Aber die Zeiten waren leider 
nicht normal, es war Krieg an allen Ecken 
und Enden, und die Herren Soldaten galten 
mehr als Bürger und Bauern und waren mit¬ 
unter mächtiger und gefährlicher als der Teu¬ 
fel. Alle waren sie Leuteschinder geworden, 
ob sie sich nun kaiserliche, schwedische, loth¬ 
ringische oder französische nannten. 
Da saß in der festen Stadt Saarbrücken 
seit fünf Jahren der kaiserliche Obrist Gor- 
d o n als Kommandant. Seine Leute, ob Kroa¬ 
ten oder Schotten oder Ungarn, hatten sich 
gar sehr in den edlen Saarwein verliebt. Im 
Sommer löschte er ihnen den Durst, im Win¬ 
ter wärmte er ihnen den Magen. Da es aber 
in der Saarbrücker Gegend von dem edlen 
Gewächs nicht viel gab, so schickte Herr 
Gordon seine Requisitionskommandos gern in 
die weingesegneten Orte im unteren Saar- 
und Niedtal, um sich des beliebten Getränkes 
zu versichern. Wahrhaftig, da brauchten die 
Weinbauern zu Merzig, Beckingen und auf 
dem Gau nicht zu bangen um Absatz ihrer 
nassen Ware. Nicht genug konnte davon bei¬ 
gebracht werden. Kroaten und Ungarn waren 
gar gute Kunden, nur vergaßen sie leider 
stets das Zahlen. 
Ausgerechnet an diesem frostharten Winter¬ 
tage wollte der Obrist Gordon von den 
Merzigern seine Weinkontribution haben, auf 
die er im Namen kaiserlicher Majestät An¬ 
spruch erhob. Und gleich vier Fuder auf ein¬ 
mal wollte er. Das war gewiß hart für die 
unfreiwilligen Lieferanten, aber die schwerste 
Sorge war, wie man bei dem Wetter das Zeug 
nach Saarbrücken schaffen könne. Denn die 
Herren Soldaten wollten die Lieferung frei 
Keller. 
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