Full text: 70.1942 (0070)

2. Die Wohnung sei für Luft und Licht gut zugänglich. 
Das hellste und luftigste Zimmer diene als Schlaf¬ 
zimmer. 
3. 2n der ganzen Lebenshaltung stehe Reinlichkeit und 
Ordnung voran. Man achte auf Sauberkeit des Körpers, 
im besonderen der Hände. Der ganze Körper ist täglich 
mit kaltem Wasser zu waschen oder schnell mit einem 
rauhen feuchten Tuch abzureiben. Bei der Arbeit beachte 
man die allgemeinen Gesundheitsregeln. 
Die arbeitsfreie Zeit verwende man zur Kräftigung des 
Körpers, man gehe spazieren, treibe Sport, ohne sich 
dabei zu überanstrengen. 2m Sommer bade man in 
reinen, freien Gewässern, gewöhne seinen Körper daran, 
in leichtester Bekleidung sich der Luft auszusetzen. Plan¬ 
loses Sonnenbaden kann gefährlich werden, indem ein 
ruhender Tuberkuloseherd durch den starken Reiz der 
Sonnenbestrahlung zum Aufflackern gebracht wird. 
4. Für reichlichen Schlaf ist Sorge zu tragen. 
D. Maßregeln zur rechtzeitigen Erkennung und 
Heilung der Tuberkulose. 
1. Die Tuberkulose ist heilbar, wenn sie rechtzeitig 
gründlich behandelt wird. 
2. Sehr oft beginnt eine Tuberkulose unter den Er¬ 
scheinungen einer Grippe oder Erkältung. Wenn also eine 
solche Krankheit nicht in zwei Wochen vollständig 
schwindet, sondern irgendwelche Beschwerden zurück¬ 
bleiben, besieht der dringende Verdacht, daß es sich um 
eine Tuberkulose handelt. Man kann an einer ernsten 
Tuberkulose leiden, ohne die geringsten Beschwerden zu 
haben. Deshalb folge man einer etwaigen ärztlichen 
Aufforderung zur Untersuchung der Lungen, auch wenn 
man sich gesund fühlt. 
3. Der Verdacht auf Tuberkulose besteht, wenn lang¬ 
dauernder Auswurf, insbesondere mit zunehmender 
Mattigkeit oder Gewichtsabnahme auftritt, bei Blut- 
auswurf und länger anhaltenden Temperatursteigerungen. 
Auch Schmerzen in Brust, Rücken oder Schultern, Husten 
oder Nachtschweiß können auf Tuberkulose hindeuten. 
4. Sobald die ersten, auf Tuberkulose verdächtigen 
Erscheinungen bemerkt werden, muß der Arzt aufgesucht 
werden. Ob eine Tuberkulose besteht oder nicht, kann mit 
Sicherheit nur entschieden werden durch mikroskopische 
Untersuchung des Auswurfs und durch die Vornahme 
einer sorgfältigen Röntgendurchleuchtung. Falls diese zu 
keinem sicheren Ergebnis führt, ist die Anfertigung einer 
Röntgenaufnahme erforderlich. Ohne Röntgenunter¬ 
suchung kann in keinem Fall mit Sicherheit gesagt 
werden, daß eine Tuberkulose nicht vorliegt. 
5. Familienangehörige Tuberkulöser, Krankenpflege¬ 
personen, die mit der Pflege ansteckend Tuberkulöser be¬ 
traut sind, Freunde und Berufskameraden Tuberkulöser 
find mehr als andere Menschen gefährdet. Sie sollten 
sich jährl.ch mindestens einmal mit Röntgenstrahlen unter¬ 
suchen lasten. 
6. Unentgeltliche Untersuchung und Unterstützung mit 
Rat und Tal finden Lungenkranke und ihre Angehörigen 
in den Fürsorgestellen der Gesundheitsämter. 
7. Die Heilung Tuberkulöser wird am sichersten in einer 
der Wiederherstellung von Lungenkranken besonders ge¬ 
widmeten, von einem Arzt sachkundig geleiteten Heilstätte 
erreicht. Oft genügt aber eine bloße klimatische Kur 
nicht, sondern sie muß dann ergänzt werden durch eine 
besondere Behandlung der Lungen. Deshalb ist Vor¬ 
schlägen des Arztes willig Folge zu leisten. 
8. Da die Behandlung der Tuberkulose meist große 
Kosten verursacht t-peil,laktenkuren), sorge man dafür, 
dauernd Mitglied einer Krankenkasse zu sein; dadurch 
wird in den meisten Fällen eine kostenlose Behandlung 
gewährleistet. Aus diesem Grunde sollte man auch nach 
Ablauf der Verstcherungspfl.chk, z. B. infolge Aufgabe 
der Arbeit wegen Verheiralung usw., die Versicherung 
freiwillig fortsetzen. 
Der Kampf gilt der Tuberkulose, nicht dem Tuber¬ 
kulösen; denn der saubere Kranke, der alle Vorschriften 
zur Verhütung der Weirerverbreitung der Tuberkulose 
beachtet, bildet keine Gefahr. 
Der Kampf gegen die Seuche ist aber schwer. Er ver¬ 
langt daher die Mitarbeit aller. Er ist Nicht nur Aufgabe 
des Staates und seiner Organe, sondern Pflicht eines 
jeden deutschen Menschen. Der Tuberkulöse trägt das 
seine zu diesem Kampfe bei, wenn er sich hygienisch ein¬ 
wandfrei verhalt und alles zu seiner -Peilung tut, der 
Gesunde, wenn er durch gesunde Lebensweise seinen 
Körper kräftigt und abhauet, dam.l eine Ansteckung nicht 
zur Erkrankung wird. 
E. Anweisung zur Desinfektion. 
Als Desinfektionsmittel werden empfohlen: 
1. Alkalysol. 
2. Tb. Bac.llol. 
3. Chlorannn (Chloramin-Heyden, Mianin, Sputa- 
min). 
4. Kresolseifenlösung DAB 6 A. 
5. Baktol (fast geruchlos). 
6. Sagrolan (säst geruchlos). 
7. Carbolsäure DAB 6 A. 
8. Hitze (Auskochen, Verbrennung). 
- Ausführung der Desinfektion. 
Für die Desinfektion der Speigefäße kommen die 
unter 1—7 oben genannten M.ttel in Betracht. 
Die Mittel unter 1—6 sind in beigen Lösungen 
(3 Eßlöffel auf 1 Liter Master), das unter 7 Genannte 
in 3%iger Lösung (2 Eßlossel auf 1 Liter Master) her¬ 
zustellen. 
Die entleerten Speigefäße werden für 8 Stunden (am 
besten über Nacht) in eine dieser Lösungen so eingelegt, 
daß sie vollständig davon bedeckt sind (keine größeren 
Luftblasen in den Gefäßen!). 
Taschentücher, Leib- und Bettwäsche sind, sofern sie 
nicht entsprechend 0 I Ziffer 8 ausgekocht werden, für 
mindestens 8 Stunden, am besten über Nacht, in 3%tgf 
Lösungen der unter 4—7 genannten Mittel einzulegen 
und dann wie üblich zu waschen. 
Bei grober Verunreinigung der Kleidung, des Fu߬ 
bodens oder der Möbel mit Auswurf ist mit den für die 
Wäschedesinfektion angegebenen Mitteln in gleicher Ver¬ 
dünnung eine gründliche Reinigung vorzunehmen. 
Merkblatt für Offentuberkulöse. 
1. Dein Leiden ist ansteckend. Wenn Du nicht willst, daß 
Du deshalb von Anderen gemieden wirst, mußt Du 
alles tun, um die Ansteckungsgefahr zu beseitigen. 
2. Spucke nie auf den Boden, huste und niese nie anderen 
Leuten ins Gesicht. Halte Dich beim Sprechen immer 
auf mindestens 1 Meter entfernt. 
3. Trage stets ein Spuckglas bei Dir. 
4. Huste nie in die hohle Hand, sondern halte den Hand¬ 
rücken vor Mund und Nase, wenn Du plötzlich husten 
oder niesen mußt. 
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