Full text: 68.1940 (0068)

Kirchenbau wurden die Emporen mit Absätzen 
für die Grubenlichter und Froschlampen versehen, 
die heute noch vorhanden sind. So wurde des 
Bergmannes Grubenlicht das Vorbild jener 
Mettenlaternchen, mit denen zum Beispiel in der 
Silberbergstadt Iohanngeorgenstadt die zwölf 
Kurrendeknaben in der Adventszeit auf den 
Gasten Weihnachtslieder sangen, besonders aber 
jene wunderbunten Mettenlaternchen, mit der die 
Spielzeugmacherjugend von Seiffen in die Christ¬ 
mette geht. 
Der Bergmann ist zum großen Lichtträger 
der Erzgebirgsweihnacht geworden. Neben dem 
Lichterengel trägt der holzgeschnitzte Bergmann 
in seiner alten Knappentracht mit weißen Knie¬ 
hosen und Strümpfen, Fünfbuchstaben- und 
Knieleder und federbuschgeschmückter Mütze, in 
beiden Händen Weihnachtslichter. Man sieht 
ihn auch mit dem rechten Fuß auf einer Erzstufe 
stehen, das Licht in der Rechten hochhebend, 
während sich die Linke auf den Schlägel stützt. 
Der älteste holzgeschnitzte Bergmann ist über 
400 Jahre alt und ist im Erzgebirgsmuseum von 
Annaberg, der alten Silberstadt, zu sehen. Lich¬ 
terbergmann und Lichterengel stehen reihenweise 
in der Adventszeit an den Fenstern der Erz- 
gebirgshütten und verbreiten einen wundersamen 
Lichtzauber. In manchem Ort war es Brauch, 
daß soviel lichtertragende Bergleute ans Fenster 
gestellt wurden, als sich Knaben im Hause be¬ 
fanden. 
In einigen der schönsten Heimatkrippen, die 
Feierohmd-Schnitzer, Nachfahren der Bergleute, 
in ihrer Feierabendzeit ausdachten und bastel¬ 
ten, wurde die Geburt des Christkindes im erz- 
gebirgischen Bergmannshäusl dargestellt. Da 
wird das Christkind in einer sauber geweißten 
Bergmannsstube geboren, unter der Hütte aber 
ist das Bergwerk zu sehen, in dem fleißig die 
Knappen werken. Einige steigen auf einer Leiter 
in die Geburtsstube auf, um das Christkind zu 
beschenken. Bescheiden sind ihre Gaben: Weih¬ 
nachtsstolle, Silbererz und Kohle. Aber da kommt 
noch eine alte Bergmannsfrau und bringt dem 
Christkind in der Krippe noch einen Brotlaib 
und einen Krug voll Milch. Das ist wohl alles, 
was sie besitzt! Hier wird die Krippe so recht zur 
Wiege erzgebirgischer Bergmannspoesie. — In 
den umfänglichen „Weihnachtsbergen" der Berg¬ 
vereine (bis zu 30 Quadratmeter groß) ist Maria 
auch zuweilen als Bergmannsfrau mit dem hei¬ 
matlichen Kopftuch dargestellt, Joseph ist ein 
Becgzimmerling und statt der Heiligen Drei 
Könige aus dem Morgenland bringen erzgebir- 
gische Bergherren Silbererzstvfen zum Geschenk 
Vor etwa 200 Jahren schuf ein unbekannter 
Iohanngeorgenstädter Bergmann den Schwib¬ 
bogen für den Stolleneingang und brachte ihn 
seinem Obersteiger als Weihnachtsgabe. Als 
einzigartiges Symbol des erzgebirgischen Ad¬ 
vents wurde er ein Wahrzeichen sächsischer Berg¬ 
mannskultur. 335 000 Besucher der wunder¬ 
baren Feierohmdschau in Schwarzenberg haben 
ihn in der Weihnachtszeit 1937 kennen gelernt. 
Über dem von 9 Kerzen gekrönten Bogen finden 
sich zwei Bergknappen, die über dem Tisch mit 
den gekreuzten Hammersymbol die Kurschwerter 
halten, Schnitzer und Klöppelmaid, Weihnachts¬ 
engel und Adventsleuchter, die allesamt vom erz¬ 
gebirgischen Weihnachtsglück erzählen. War 
einst ein Bergjahr glücklich zu Ende gegangen, 
so hängten die Bergleute ihre Blenden an diesen 
Schwibbogen... 
Am 23. Dezember feierten dann die Bergleute 
ihre Zechenweihnacht. Ein alter Bergmann, 
Albert Hennig, Gersdorf, erzählt darüber 
in seinen Heimaterinnerungen ungefähr das Fol¬ 
gende: „Da brachten die Bergjungen Lichter mit 
in die Scheidebänke und Wäschen. Die Lichter 
wurden an die Fenster gestellt, während der Raum 
von einem halben Dutzend selbstgeschnitzter Leuch¬ 
ter erhellt wurde. Die Welle war bereits mit 
12 Lichtertillen versehen, in die dann Talglichter 
gesteckt wurden. Besonders in den Erzständen 
mit Bleiglanz zauberten die Kerzen einen mär¬ 
chenhaften Glanz hervor. Die Lichter wurden 
angezündet und etwa 35 Jungen traten an die 
Scheidebühne, wo Punkt 6 Uhr von den ältesten 
unter ihnen ein sogen. „Schauer" oder „Trapp¬ 
schlagen" kommandiert wurde. Wie ein Mann 
schlugen alle Jungen in gleichmäßigem Takt etwa 
5 Minuten lang mit dem Scheideisen auf die 
Scheideplatte, zugleich Beginn der Bergmette 
und Ehrung für den Steiger. Der trat aus 
seinem Stübchen und nach Beendigung des 
Schauers, grüßte er mit einem kräftigen Glück¬ 
auf. Dann wurden Weihnachtslieder gesungen. 
Auch unter Tage sangen die Huntestößer und 
Sauberjungen bei Kerzenglanz und Tannengrün 
alte Weihnachtsweisen, die auch bei den alten 
Knappen echte Weihnachtsfreude hervorbrachten. 
Das strahlende Weihnachtslicht leuchtet durch 
die Jahrhunderte erzgebirgischer Bergmanns¬ 
geschichte, jetzt nicht als tröstliches Licht bei ge¬ 
fahrvoller Arbeit im Erdendunkel, sondern als 
Licht festlichen Feierns und segensreicher Kultur. 
Jauchzend klingt heute noch wie vor Jahrhunder¬ 
ten des Bergmanns „Turmglückauf" in der vier¬ 
ten Morgenstunde des Christmorgens von der 
Höhe des Schneeberger Bergmannsdomes: 
„Der Bergfürst ist erschienen, das große Licht 
der Welt..." 
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