Kirchenbau wurden die Emporen mit Absätzen
für die Grubenlichter und Froschlampen versehen,
die heute noch vorhanden sind. So wurde des
Bergmannes Grubenlicht das Vorbild jener
Mettenlaternchen, mit denen zum Beispiel in der
Silberbergstadt Iohanngeorgenstadt die zwölf
Kurrendeknaben in der Adventszeit auf den
Gasten Weihnachtslieder sangen, besonders aber
jene wunderbunten Mettenlaternchen, mit der die
Spielzeugmacherjugend von Seiffen in die Christ¬
mette geht.
Der Bergmann ist zum großen Lichtträger
der Erzgebirgsweihnacht geworden. Neben dem
Lichterengel trägt der holzgeschnitzte Bergmann
in seiner alten Knappentracht mit weißen Knie¬
hosen und Strümpfen, Fünfbuchstaben- und
Knieleder und federbuschgeschmückter Mütze, in
beiden Händen Weihnachtslichter. Man sieht
ihn auch mit dem rechten Fuß auf einer Erzstufe
stehen, das Licht in der Rechten hochhebend,
während sich die Linke auf den Schlägel stützt.
Der älteste holzgeschnitzte Bergmann ist über
400 Jahre alt und ist im Erzgebirgsmuseum von
Annaberg, der alten Silberstadt, zu sehen. Lich¬
terbergmann und Lichterengel stehen reihenweise
in der Adventszeit an den Fenstern der Erz-
gebirgshütten und verbreiten einen wundersamen
Lichtzauber. In manchem Ort war es Brauch,
daß soviel lichtertragende Bergleute ans Fenster
gestellt wurden, als sich Knaben im Hause be¬
fanden.
In einigen der schönsten Heimatkrippen, die
Feierohmd-Schnitzer, Nachfahren der Bergleute,
in ihrer Feierabendzeit ausdachten und bastel¬
ten, wurde die Geburt des Christkindes im erz-
gebirgischen Bergmannshäusl dargestellt. Da
wird das Christkind in einer sauber geweißten
Bergmannsstube geboren, unter der Hütte aber
ist das Bergwerk zu sehen, in dem fleißig die
Knappen werken. Einige steigen auf einer Leiter
in die Geburtsstube auf, um das Christkind zu
beschenken. Bescheiden sind ihre Gaben: Weih¬
nachtsstolle, Silbererz und Kohle. Aber da kommt
noch eine alte Bergmannsfrau und bringt dem
Christkind in der Krippe noch einen Brotlaib
und einen Krug voll Milch. Das ist wohl alles,
was sie besitzt! Hier wird die Krippe so recht zur
Wiege erzgebirgischer Bergmannspoesie. — In
den umfänglichen „Weihnachtsbergen" der Berg¬
vereine (bis zu 30 Quadratmeter groß) ist Maria
auch zuweilen als Bergmannsfrau mit dem hei¬
matlichen Kopftuch dargestellt, Joseph ist ein
Becgzimmerling und statt der Heiligen Drei
Könige aus dem Morgenland bringen erzgebir-
gische Bergherren Silbererzstvfen zum Geschenk
Vor etwa 200 Jahren schuf ein unbekannter
Iohanngeorgenstädter Bergmann den Schwib¬
bogen für den Stolleneingang und brachte ihn
seinem Obersteiger als Weihnachtsgabe. Als
einzigartiges Symbol des erzgebirgischen Ad¬
vents wurde er ein Wahrzeichen sächsischer Berg¬
mannskultur. 335 000 Besucher der wunder¬
baren Feierohmdschau in Schwarzenberg haben
ihn in der Weihnachtszeit 1937 kennen gelernt.
Über dem von 9 Kerzen gekrönten Bogen finden
sich zwei Bergknappen, die über dem Tisch mit
den gekreuzten Hammersymbol die Kurschwerter
halten, Schnitzer und Klöppelmaid, Weihnachts¬
engel und Adventsleuchter, die allesamt vom erz¬
gebirgischen Weihnachtsglück erzählen. War
einst ein Bergjahr glücklich zu Ende gegangen,
so hängten die Bergleute ihre Blenden an diesen
Schwibbogen...
Am 23. Dezember feierten dann die Bergleute
ihre Zechenweihnacht. Ein alter Bergmann,
Albert Hennig, Gersdorf, erzählt darüber
in seinen Heimaterinnerungen ungefähr das Fol¬
gende: „Da brachten die Bergjungen Lichter mit
in die Scheidebänke und Wäschen. Die Lichter
wurden an die Fenster gestellt, während der Raum
von einem halben Dutzend selbstgeschnitzter Leuch¬
ter erhellt wurde. Die Welle war bereits mit
12 Lichtertillen versehen, in die dann Talglichter
gesteckt wurden. Besonders in den Erzständen
mit Bleiglanz zauberten die Kerzen einen mär¬
chenhaften Glanz hervor. Die Lichter wurden
angezündet und etwa 35 Jungen traten an die
Scheidebühne, wo Punkt 6 Uhr von den ältesten
unter ihnen ein sogen. „Schauer" oder „Trapp¬
schlagen" kommandiert wurde. Wie ein Mann
schlugen alle Jungen in gleichmäßigem Takt etwa
5 Minuten lang mit dem Scheideisen auf die
Scheideplatte, zugleich Beginn der Bergmette
und Ehrung für den Steiger. Der trat aus
seinem Stübchen und nach Beendigung des
Schauers, grüßte er mit einem kräftigen Glück¬
auf. Dann wurden Weihnachtslieder gesungen.
Auch unter Tage sangen die Huntestößer und
Sauberjungen bei Kerzenglanz und Tannengrün
alte Weihnachtsweisen, die auch bei den alten
Knappen echte Weihnachtsfreude hervorbrachten.
Das strahlende Weihnachtslicht leuchtet durch
die Jahrhunderte erzgebirgischer Bergmanns¬
geschichte, jetzt nicht als tröstliches Licht bei ge¬
fahrvoller Arbeit im Erdendunkel, sondern als
Licht festlichen Feierns und segensreicher Kultur.
Jauchzend klingt heute noch wie vor Jahrhunder¬
ten des Bergmanns „Turmglückauf" in der vier¬
ten Morgenstunde des Christmorgens von der
Höhe des Schneeberger Bergmannsdomes:
„Der Bergfürst ist erschienen, das große Licht
der Welt..."
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