Full text: 68.1940 (0068)

Maus verteidigt Franzens Moos 
Von Cöremer 
*r Harter Franz 
war ein giuter 
Meltlsch und noch 
dazu jung verhei¬ 
ratet. Wie er s e lbst 
sagte, schien in 
seinem Heim stets 
die Sonne. Aber 
es war doch so, 
als ob da ein klei¬ 
ner Schatten sei. 
Wenn es Geld gab, pflegte 
Franz gewöhnlich „das Moos" 
in die rechte Rocktasche zu 
stecken, das muhte sein Lies¬ 
chen genau. Ihre Strategie, 
sich in den Besitz des Mam¬ 
mons zu setzen, war verblüf- 
send einfach und trotzdem oder 
vielleicht gerade deshalb -immer 
erfolgreich Wenn ihr Franz 
am Lohntalg nach Hause kam, 
erhielt er einen' Kuß und wurde seines Geldes 
beraubt. 
Mit der Geschwindigkeit eines gutgeölten Blitzes 
enteilte seine bessere Hälfte stets gleich darauf, 
ihrem Franzel noch flüchtig zuwinkend und ebenso 
lächelnd. Meistens kam sie erst gegen Abend wie¬ 
der. Natürlich mit allerlei nützlichen Sachen, 
aber die Geldtasche war dann stets sehr leicht 
geworden und das gefiel unserem Franz garnicht. 
Er sann lange darüber nach, wie er Lieschen 
das abgewöhnen könnte. Es fiel ihm auch tat¬ 
sächlich etwas ein. Als nun der Restlohn zur 
Auszahlung gelangte, nahm Franz aus seinem 
Flöz eine Maus mit nach oben, die er in einen 
alten Lappen wickelte, so daß sie ihm während 
des Waschens nichts durchbrennen konnte. Nach 
dem Baden holte er sein Geld, steckte aber die 
Maus in seine rechte Rocktasche und das Geld in 
die linke, wobei er ein erwartungsvolles Grinsen 
nicht unterdrücken konnte, wenn er an Lieschens 
„Überraschung" dachte. 
Als Franz dann nach Hause kam, entwickelte 
sich alles wie immer bei solchen Gelegenheiten. 
Lieschen gab ihm einen Kuß auf die Backe und 
griff im gleichen Augenblick in seine Tasche, um 
das Geld an sich zu nehmen. Doch laut gellte 
ihr Schrei durch das Haus, wie sie anstatt des 
Geldes eine zappelnde Maus hervorbrachte. 
Lieschen schien in Ohnmacht zu fallen und Franz 
mußte die Kreidebleiche auffangen. Er erschrak 
gewaltig und verwünschte seinen Einfall. 
Der aber hatte doch seinen Zweck erfüllt. Von 
nun an wartete Lieschen immer geduldig, bis 
Franz in aller Ruhe gegeffen hatte und ihr dann 
von selbst das Geld aushändigte. Jetzt schien 
tatsächlich immer dib ungetrübte Sonne in Fran¬ 
zens Heim. 
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