Full text: 68.1940 (0068)

Eine Fuhre Mist 
Butterpause vor Ort. Die Kameraden sitzen 
kauend auf ihren Gezähkisten, ab und zu nehmen 
sie einen Schluck aus ihrer Blechpulle. Dazu 
wird ein Witz erzählt oder eine Schnurre. So 
auch heute. Wilhelm Pampig hat immer etwas 
auf Lager, er läßt sich auch nicht lange nötigen 
und beginnt sogleich: Wie ihr alle wißt, war ich 
doch seinerzeit in Berlin Droschkenkutscher mit 
so einem „Hafermotor". Es war im Jahre 1925, 
da stand ich eines Nachts in der Nähe eines 
Hotels und wartete auf Kundschaft. Mir wurde 
die Zeit schon langweilig, denn niemand rief nach 
mir. Ich wollte gerade meinen „Motor" an¬ 
werfen, da ertönte die Stimme des Portiers: 
„Hallo, Droschke!" Ich hin. Da stand vor dem 
Hotel ein Herr, total betrunken. Als er meine 
ehrwürdige Droschke sah, legte er auch sogleich 
los: „Was? Mit solch einer — hupp — Droschke 
soll ich — hupp — fahren? Portier, Sie sind 
wohl hupp — verrückt geworden! Das ist ja ein 
— hupp — Mistwagen!" 
NOTEL. 
Der Portier lachte nur still vor sich hin, denn 
er kannte diese Herren. Da stieg auch schon der 
Kerl ein unter dauerndem Schimpfen. Ich rührte 
keinen Finger, denn ich war in meiner Ehre ver¬ 
letzt. Da ertönte die Stimme des Betrunkenen 
aus dem Wageninnern: „Zum Teufel — hupp 
Von Heinrich Föllmer 
— der Teufel noch mal, wollen Sie — hupp — 
denn nicht abfahren?" 
Ich beugte mich nach hinten und sagte: „Ich 
weiß ja noch gar nicht, wo ich den Mist abladen 
soll!" 
* 
Wilhelm ist für Gemütlichkeit 
Priemchen-Wilhelm war schon lange Jahre 
auf der Grube und machte nun allerlei leichte 
Arbeiten; denn er war schon alt und konnte die 
Schippe nicht mehr so schwingen, wie die Jun¬ 
gen. Er war aber ein Original und hatte die 
Eigenschaft, zu jedem du zu sagen, ganz gleich, 
wer es auch war. 
Nun war es eines Morgens auf der zweiten 
Sohle, wo sich folgendes zutrug: Priemchen- 
Wilhelm schob gemütlich einen Steinwagen vor 
sich her und machte dabei ab und zu eine kleine 
Pause, wobei er dann ein Stück von seinem 
„Hufeisen" abbeißt und es hinter der Backe ver¬ 
schwinden läßt. Gerade in dem Augenblick 
kommt ein „Blitzer" an, bleibt bei ihm stehen 
und sagt: „Glückauf!" 
„Glückauf!" knurrt Priemchen-Wilhelm zurück. 
„Was machen Sie denn hier?" fragt da der 
„Blitzer" und schaut ihn an. 
Priemchen-Wilhelm fragt zurück: „Muscht du 
denn das wisie?" 
„Aber erlauben Sie mal!" ereifert sich der 
Beamte, „Sie wisien wohl nicht, wer ich bin?" 
„Nä", sagt Wilhelm, „wie soll ich dat wisie? 
Es laufen hie jo e sovill Leut erum, un wenn ich 
die all froge soll, wer se sinn, dann müßt ich viel 
se tun han!" 
Der „Blitzer" schnaubt: „Ich bin der Ein¬ 
fahrer, merken Sie sich das!" 
„Do haschde awa e gude Poschde geschnappt", 
antwortet Wilhelm seelenruhig. „Unser äns 
wird ämol nure Hauer, un dann is aus damit. 
Un jetzt mach ma ämol Platz do, der Waan 
last nit von selwa fort!" Und er schob den Stein- 
wagen an dem verdutzten Einfahrer vorbei, um 
die nächste Kurve. 
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