Full text: 68.1940 (0068)

Um den Mund des Leutnants gräbt sich ein har¬ 
ter, sinnender Zug; seine Augen, die sonst so still, 
kindlich fast lächeln können, tragen einen finste¬ 
ren, drohenden Glanz, und wer in die Reichweite 
ihres Blickes gerät, erschrickt vor ihm und seiner 
Abwesenheit. 
Des Abends sind die Herren von der Brigade 
herübergekommen und auch einige Infanteristen 
darunter; man will sich vor dem Sturm morgen 
noch einmal aussprechen und den Becher kreisen 
lasten ... 
Der Kompanieführer hat das große Wort, sie 
find ihm deshalb nicht böse, denn er pflegte es 
auch einzulösen, wenn es hart auf hart geht. 
„Dieses Mal müsten wir es den Hunden ver¬ 
salzen", schwört er grimmig, „und Pardon gibt 
es nicht!" Und läßt noch ein paar Schimpfworte 
folgen... 
Da sehen die anderen, daß der Batterieführer 
sich aufrichtet. Er ringt mit den Worten, denn 
ein großer Redner war jener Leutnant nie, und 
sitzt dann schnurgerade auf seinem Stuhl. „Diese 
Hunde, Herr Kamerad", spricht Schlageter jetzt 
verweisend, in Anklage, „sind Deutsche wie wir, 
und manch einer mag darunter sein, der das 
Kreuz für die Tat am Feinde trägt — wie wir." 
Schlageters Blick ist abwesend, verliert sich 
in Weiten. „Ich will nur soviel damit sagen", 
fährt er verloren fort, „ich kann es nicht recht 
ausdrücken: wir stehen hier für eine Sache, die 
uns heilig und groß dünkt, und die wir Deutsch¬ 
land nennen. Vielleicht suchen die drüben auch 
Deutschland und gehen nur in die Irre, — ich 
weiß es nicht. Es ist doch wohl so", Schlageter 
schreit es plötzlich heraus, „daß die, die für 
Deutschland reden, die oben, die unten, das ganz 
faule Pack, das uns jetzt jammernd als Retter 
ruft, gewiß nicht Deutschland, unser Deutschland 
ist. Sind sie uns nicht im Baltikum in den 
Rücken gefallen, haben uns in Schlesien ver¬ 
raten, werden uns wieder den Tritt geben, wenn 
hier die Stube rein geworden ist? ..." 
„Das ist wohl wahr", bestätigt ein Leutnant 
der MGK. „Rur weiß ich nicht, was es mit der 
Kommune zu tun hat", setzt der Infanterist ver- 
bisten hinzu. 
„Das ist sehr einfach", lächelt Schlageter bit¬ 
ter. „Die Roten drüben wisten's wohl haar¬ 
genau wie wir selbst, daß uns die Regierung ruft 
und wieder wegwirft, je nach Bedarf... Von 
dem da in unserer Brust, dem — Schemen, so 
luftig, so fern, wie es heute noch lebt, — das uns 
dieses Dasein ertragen läßt, das be.. scheidene 
Mohrentum, ahnen sie nichts, suchen dafür das 
Idol in der Klaste, in der Weltverbrüderung. 
Uns halten sie also für Söldlinge, für Verräter 
... verstehen sie's denn bester?" 
„Kinder, seid friedlich", fällt der MG.-Mann 
ein. „Beinahe klingt's, Schlageter, als zögest 
du nur widerwillig in diese Schweinerei!" 
Schlageter ist ganz ruhig geworden. „Ich 
haste den Bürgerkrieg, denn nicht die Schlech¬ 
testen sind es, die sich dabei den Schädel ein¬ 
schlagen. Wenn dieses Deutschland, desten Wer¬ 
den wir trotz des Weltenuntergangs ringsum 
freudig verspüren, Leben werden soll, wenn unser 
Kampf in der Tat mehr ist, als nur ein bißchen 
Ruhe und Ordnung für eine verfluchte Regie¬ 
rung bewahren, dann muß es doch dahin kom¬ 
men, daß wir alle uns wandeln —, wir und die 
an Seite gegen Frankreich oder England mar¬ 
schiert war. Kameraden für Deutschland, bis die 
asiatische Lehre ihnen die armen Hirne verwirrte. 
Run wandte sich Front gegen Front, und der 
Teufel mochte wisten, wer die Musik dazu spielte. 
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