Full text: 67.1939 (0067)

Die 200 Meter lange Versuchsstrecke und Sprengstoffversuchsstrecke in Dortmund-Derne 
Bekämpfung der Explosionsgefahren im Bergbau 
Von Betriebsdirektor Bergassessor a. D. Lehmann, Sulzbach 
Der Bekämpfung der Explosionsgefahren hat 
der Bergbau stets besondere Beachtung gewid¬ 
met, da die Grubenexplosionen vor allen an¬ 
deren Gefahren des Bergbaues zu Massenunfäl¬ 
len führen und von den schwersten Folgen für 
die davon betroffenen Betriebe begleitet sein 
können. In der Grube kann sich eine Explosion 
nicht ins Freie entspannen wie über Tage. Ihre 
Folgen sind daher hier unheilvoller und machen 
sich in Gewaltwirkungen oder durch giftige Nach¬ 
schwaden auf weite Entfernungen hin bemerk¬ 
bar. Grubenexplosionen haben in einzelnen Fäl¬ 
len schon den Tod von Hunderten von Menschen 
ja in einer französischen Grube vor dem Kriege 
schon von über 1000 Bergleuten zur Folge ge¬ 
habt und erregen daher in besonderem Maße 
allgemeine Aufmerksamkeit. Von den tödlichen 
Unfällen im Bergbau entfallen im Durchschnitt 
der letzten Jahrzehnte nur etwa 3—4 v. H. auf 
Grubenexplosionen. Der Hauptanteil ist auf Ein- 
zelunsälle durch das Hereinbrechen von Gestein 
oder Kohle (42 v. H.), auf Unfälle in der För¬ 
derung und in Schächten und Strecken (37 v. H.) 
zurückzuführen. Im Vergleich mit anderen Be¬ 
rufszweigen steht der Bergbau hinsichtlich der 
Unfallhäufigkeit nach oder neben der Binnen¬ 
schiffahrt. dem Tiefbaugewerbe und der Fahr¬ 
zeughaltung. 
Die Bekämpfung der Explosionsgefahren bil¬ 
det ein wichtiges Arbeitsgebiet des Bergbaues, 
der Bergbehörde und verschiedener Forschungs¬ 
anstalten, insbesondere der Versuchsstrecken, über 
deren Tätigkeit hier berichtet werden soll. Der 
Betriebsführer hat angesichts seiner Verantwor¬ 
tung für die seiner Führung anvertrauten Ge- 
folgschaftsleute alle verfügbaren Mittel zur Be¬ 
kämpfung der Explosionsgefahren einzusetzen, 
während es jeden einzelnen Bergmannes Pflicht 
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ist, für eine sachgemäße Ausführung seiner Ar¬ 
beit zu sorgen und auf die Beachtung der ihm 
gegebenen Vorsichtsregeln zu achten. Die wich¬ 
tigen betrieblichen Maßnahmen, die den Explo¬ 
sionsgefahren vorbeugen, z. B. geeignete Abbau¬ 
verfahren, Beschränkung gefährlicher Arbeiten, 
scharfe Betriebsüberwachung, gute Bewetterung, 
Betriebsvorschriften, Schulung der Gefolgschaft 
usw., sollen nicht näher besprochen werden; sie 
mögen hiermit nur kurz angedeutet sein. 
Bei Grubenexplosionen handelt es sich um ein 
explosibles Abbrennen von Sch lagwettern 
oder Kohlenstaub oder von beiden 
zusammen. Die meisten schweren Explosionen 
sind Kohlenstaubexplosionen, die meistens durch 
eine Schlagwetterexplosion eingeleitet 
werden. Schlagende Wetter sind explosible Ge¬ 
mische von Grubengas und Luft. Sie haben 
ihren Namen wegen der schlagähnlichen Wir¬ 
kung ihrer Explosionen erhalten. Dem Explo- 
sionsfchlag folgt in der Regel ein Rückschlag 
(Explosionssog) infolge der schnellen Abkühlung 
der heißen Explosionsgase und des damit ver¬ 
bundenen Niederschlagens des in ihnen ent¬ 
haltenen Wasserdampfes. Auch der Rückschlag 
kann starke Zerstörungen verursachen. Da Gru¬ 
bengas nur explosibel, d. h. ohne weitere Zu¬ 
fuhr von Gas oder Luft brennbar ist, wenn es 
mit der 7- bis 20fachen Luftmenge vermischt ist, 
werden nur solche Gemische mit 5—14 v. H. 
Grubengas richtig als Schlagwetter bezeichnet. 
Der Bergmann redet jedoch auch von Schlag¬ 
wettern, wenn das Gemisch nicht explosibel ist, 
also wenn z. B. beim Ableuchten eines Be¬ 
triebspunktes mit der zum Nachweis von Gru¬ 
bengas dienenden Sicherheitslampe weniger als 
5. v. H. Grubengas nachgewiesen werden oder 
die Lampe in einem Gemisch mit mehr als
	        
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