Full text: 67.1939 (0067)

kommen. Sie nahmen bei Tarnowitz, bas der 
Markgraf 1526 zur Stadt erhob, den Bergbau 
wieder auf und brachten ihn für ein Jahrhun¬ 
dert zu hoher Blüte. Der Markgraf gründete in 
der neuen Stadt ein Bergamt, verlieh den Bür¬ 
gern — ausnahmslos Bergleuten — mancherlei 
Rechte und Vergünstigungen und kam selbst nicht 
schlecht dabei fort. Die fachmännischen Schätzun¬ 
gen des späteren Berghauptmanns von Earnall 
beziffern die Förderung allein im Bezirk Tarno- 
witz in jenem Zeitabschnitt auf über 1% Mil¬ 
lionen Zentner reinen Bleies und mehr als 
150 000 «Pfund Silbers. 
Der damalige Bergbau lief in lauter Klein¬ 
betrieben um. Wer den Fund nutzbarer Minera¬ 
lien als erster nachweisen konnte, erhielt einen 
„Schacht", d. h. ein Erubenfeld von etwa 5000 qm 
„verliehen". Ebenso mutzten die Plätze für den 
Bau von Erzwäschen, Rotzkünsten (Pumpwerken), 
Schmelzhütten, sogar von Wohnstätten und 
Brunnen gemutet und verliehen werden, damit 
kein Fremder den Betrieb störe. Nicht betriebene 
oder verlassene Schächte wurden einem neuen 
Muter verliehen, nachdem sie „4 Sambstage vor 
Essens in der Marktzeit" öffentlich ausgerufen 
waren. So schrieb es die neue Bergordnung des 
Markgrafen vor. 
Er selbst verlangte als Steuer den Zehnten 
der geförderten Roherze, sowie ein bestimmtes 
„Muldengeld" für jede Mulde gewaschenen Sil¬ 
bers. Diese Lasten fielen in den Freijahren fort, 
wurden auch sonst bei Notlagen ermäßigt oder 
gestundet. Autzerdem empfingen noch der Grund¬ 
herr, Schule und Kirche ihren Zins von der 
Ausbeute. Auch die Bruderlade war im Gange. 
Die Besitzer der Schächte u aren fast durchweg 
Deutsche, vereinzelt Polen oder Böhmen. Die 
Arbeiter zählten meist zur polnischen Mutter¬ 
sprache. Alle waren auf die strengen Vorschriften 
des Betriebes vereidigt und bezogen ein Gedinge 
für jede Mulde gewaschenen Erzes. 
Nachdem die oberen Lagerstätten erschöpft 
waren, mutzte man grötzere Tiefen aufsuchen und 
stieß auf sehr starke Wasser. Der einzelne Klein¬ 
betrieb war nicht imstande, sie zu heben. Nach¬ 
barn schlossen sich zusammen und trieben gemein¬ 
sam Stollen zur Wasserlösung. Nicht überall 
ließen sie sich ansetzen. Das Land war zu flach, 
man mutzte große Pumpwerke aufstellen, die, 
durch Pferdegöpel betrieben, sehr teuer arbei¬ 
teten. In diesen „Rotzkünsten" um Tarnowitz 
gingen Hunderte von Pferden. „Kunstmeister" 
als technische Fachleute wurden nötig und führ¬ 
ten das Werk. Langsam nahm es die Form des 
Großbetriebes an. Noch lohnte er sich, weil die 
drei Hohenzollern immer wieder aushalfen, ein¬ 
mal mit 100 Pferden aus Franken. 
Da schlug der Dreißigjährige Krieg den Bau 
züsammen. Der Hohenzoller als Anhänger des 
„Winterkönigs" wurde 1621 seiner oberschlesischen 
Länder für verlustig erklärt und starb als 
Gebannter. Der Kaiser zog das Lehen ein. Die 
Gegenreformation trieb die meisten Bergleute, 
Protestanten, aus oem Lande. Die andern ver¬ 
liess Zteinkohlengrobe im deutschen West-Oberschlesien liegt eingebettet in einer schönen Anlage 
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