Full text: 67.1939 (0067)

Wiederbelebungsapparate meist nicht gleich zur 
Stelle, jo dag die künstliche Wiederbelebung mit 
der Hand m ihr Recht tritt. Es gibt deren 
mehrere Methoden. Am bekanntesten und nach 
den Erfahrungen in den Betrieben als die beste 
und zuverlässigste gilt die Ausführung der 
Methode Silvester-Brosch. Der Tiefbetäubte 
liegt auf dem Rücken und bekommt eine Rolle 
von etwa 25 cm Durchmesser unter die Schulter¬ 
blätter, so dag der Brustkorb gut herausgehoben 
wird und der Kopf tief zur Seite herunterhängt. 
Durch das Tiefherabhängen des Kopfes zur 
Seite werden die Atemwege frei und der Zungen- 
grund vom Kehldeckel weggezogen. An Hals und 
Brust des Betäubten müssen sämtliche Kleider 
gelöst sein. Der Helfer kniet oberhalb des Kopfes 
des Betäubten, faßt dessen Oberarme oberhalb 
des Ellbogens und zieht sie im Bogen bis zum 
Erdboden zu sich herüber — Einatmung — und 
dann umfaßt er die Unterarme unterhalb der 
Ellbogen, führt sie kräftig auf den Brustkorb 
zurück — Ausatmung. Dies geschieht in der 
Minute etwa 16 mal im Rhythmus der natür¬ 
lichen Atmung. Diese Methode Silvester-Brosch 
wird auch das Zweiarmverfahren genannt, und 
kann auch von zwei Helfern ausgeführt werden. 
Die andere Art der künstlichen Wiederbelebung 
ist die Ausführung nach Howard oder das 
Rippenverfahren. Der Scheintote liegt auf dem 
Rücken mit einem Polster unter dem Kreuz, die 
Arme liegen hochgestreckt über dem Kopf. Der 
Helfer kniet rittlings über dem Scheintoten, mit 
den Knien zu beiden Seiten der Hüften und 
wendet sein Gesicht dem Bedürftigen zu, legt 
seine Hände an die unteren Rippen so an, daß 
der Daumen entlang dem vorderen Rand des 
Rippenbogens liegt, die übrigen vier Finger 
umfassen mäßig den seitlichen Brustkorb. Run 
stützt sich der Helfer auf seine Hände und drückt 
die unteren Rippen zusammen — Ausatmung — 
verharrt etwa eine Sekunde in dieser Stellung, 
um sich dann aufzurichten und die Hände los¬ 
zulassen, wodurch sich der Brustkorb erweitert 
und die Einatmung erfolgt. Jeder Helfer soll 
eine Methode gut und sicher beherrschen, damit 
er sichere Aussicht auf Erfolg hat. Bei diesen 
Methoden werden die Lungen gut belüftet und 
die Herztätigkeit angeregt, so daß sie sich auch in 
vorzüglicher Weise beim Scheintod durch elek¬ 
trischen Unfall bewähren. Ungeeignet ist die 
Methode nach Silvester-Brosch beim gleichzeitigen 
Armbruch, beide Methoden bei gleichzeitig be¬ 
stehenden Rippenbrüchen. Bei der Ausführung 
der künstlichen Atmung kann die spontane At¬ 
mung angeregt werden durch Reizen der Fu߬ 
sohlen oder durch Besprengen des Körpers mit 
kaltem Master. Ganz besonders wird in letzter 
Zeit die Anwendung von Lobelin als Unter¬ 
stützungsmittel bei der künstlichen Atmung an¬ 
geraten; es ist ein Stoff aus einer Pflanze, der 
in Ampullen vorrätig gehalten wird und unter 
die Haut eingespritzt wird. Die künstliche At¬ 
mung muß längere Zeit durchgeführt werden, 
bis der Betäubte wieder regelmäßige Atemzüge 
von selbst durchführt. Falsch wäre es, wenn man 
mit der künstlichen Atmung bei den ersten tiefen 
Atemzügen des Betäubten nachließe, denn dann 
würde die Atmung wieder stockend werden oder 
gar aussetzen. Außer den oben beschriebenen 
Arten der künstlichen Wiederbelebung gibt es 
noch die Methode nach Schäfer, die darin beruht, 
daß der Bauchinhalt gegen das Zwerchfell ge¬ 
preßt wird, so daß dieses nach oben hin die 
Lungen ausdrückt. 
Der Abtransport des Verletzten soll schnell 
und zuverlässig ausgeführt werden. Von ihm 
hängt das weitere Schicksal des Verletzten ab. 
Das gut gefederte Krankenautomobil gilt selbst¬ 
verständlich als das idealste Krankenbeförde¬ 
rungsmittel. Im Notfall wird man von jedem 
Transportmittel Gebrauch machen müssen. Die 
bekannte Krankentrage ist schon ein sehr geeig¬ 
netes Transportmittel. In letzter Zeit wird mit 
Vorliebe der Krankentrage-Schleifkorb benützt, 
der es ermöglicht, den Vorletzten, ohne ihn um¬ 
betten zu müssen, von der Unfallftelle bis zum 
Krankenhause zu befördern. 
Wir sehen, daß die erste Hilfe mannigfache 
und bedeutsame Aufgaben stellt, denen alle 
Kreise ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden 
müssen. Sie wird dann jene Bedeutung ge¬ 
winnen, die ihr unbedingt zukommt, und nur 
Gutes als Erfolg buchen. 
„Wir wollen durch unseren Fleiß soviel Güter produzieren, 
daß jeder einzelne Deutsche daran einen immer steigenden 
Anteil haben kann und wird." 
Oer Führer in der Nürnberger Proklamation vom 6. 9. 1938. 
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