Full text: 66.1938 (0066)

Dann werden die Eier eingelegt, jedoch so, dass 
die Flüssigkeit, welche in etwa 14 Tagen gallert¬ 
artig wird, 5 cm über den Eiern steht. Für 
100 Eier genügen % kg Wasserglas und 5 Liter 
Wasser. So eingelegt halten sich die Eier etwa 
1 bis 13A Jahre frisch, wobei weder Gewicht, 
Geschmack noch Geruch leiden. Auch läßt sich das 
Eiweiß, im Gegensatz zur Kalkkonservierung, zu 
Schnee schlagen. 
Der neue TLaschkorb 
von Grete Westecker,, mit Scherenschnitten 
von Holde Overmann. 
Mutter steckte einen 
größeren Geldschein 
in ihre Handtasche 
und fragte ihre 
sechsjährige Tochter 
Anne: „Willst du 
mit?" — Und ob 
Anne wollte! Erst¬ 
mal war es beson¬ 
ders netr, mal mit 
der Mutter allein 
zu gehen, und wenn 
sie doch so viel Geld 
in die Tasche steckte, 
na, dann mußte doch 
was dabei raus 
kommen. Aber diese 
große und nicht ganz 
selbstlose Freude 
wurde gleich ge¬ 
dämpft, denn es hieß: „Wir wollen Rolf von 
der Schule abholen, er braucht dringend ein 
Paar neue Schuhe bei dem nassen Wetter". 
Also holten sie Rolf von der Schule ab, und 
Anne quälte solange, bis die Mutter das schöne 
Märchen vom Aschenputtel erzählte. Und gerade 
waren sie so weit, daß sie spannend wurde, und 
das Aschenputtel die Treppe hinuntersprang, da 
waren sie bei der Schule, und heraus stürmte 
Rolf ohne Mütze, die hatte er in der Tasche, und 
schrie: „Habt ihr mir auch was zu essen mit¬ 
gebracht. ich mußte noch die biblische Geschichte 
lernen, und da hatte ich keine Zeit mehr, Kaffee 
zu trinken!" „Du meine Zeit", sagte die Mutter, 
„Junge, nun setz mal erst die Mütze auf, und 
hast du auch wohl die neuen Strümpfe ange¬ 
zogen? Du weißt doch, du sollst sofort neue 
Strümpfe anziehen, sobald ein Löchlein drin ist, 
erftmal wegen der Ordnung und zweitens, weil 
die Löcher sonst zu groß werden, und heute drit¬ 
tens wegen der Schuhe, die wir kaufen wollen." 
Da kriegte der Rolf einen roten Kopf, nein, er 
hatte heute morgen viel zu lange geschlafen, und 
da war es viel zu spät, und da hatte er schnell 
die alten angezogen. „Ach Mutter, nur am linken 
großen Zeh ist ein ganz kleines Loch —" 
Die Mutter schimpfte nun erst noch ein bi߬ 
chen, dann sah sie in Annes finstres Gesichtchen. 
Run war mit der leidigen Strumpfgeschichte der 
kleinen Anne der ganze Märchenhimmel von 
Aschenputtel ins graue Nichts gefallen, und böse 
Gedanken spielten in dem kleinen Kopf. „Nun 
kommt der dumme Rolf mit seinem Jungens- 
kram, und zur Belohnung bekommt er auch noch 
neue Schuhe, und ich kann seine ollen aufschlep- 
pen." Da fühlte sie die Augen der Mutter for¬ 
schend auf sich ruhen. Da war ja auch schon das 
Schuhgeschäft. Rolf zog dann ganz schnell den 
rechten Schuh aus. Er zwinkerte vergnügt der 
Mutter zu und wippte mit den Zehen, tiptop 
war der Strumpf, kein einziges Löchlein darin. 
Er kriegte ein Paar wunderbare Schuhe, braun 
und glänzend. Als das Fräulein ihm den linken 
auch anprobieren wollte, sagte er errötend: 
„Wissen Sie, Fräulein, mein Linker ist genau 
wie der Rechte." Und dann eilte er zum Rönr- 
genapparat, und konnte durch den Schuh seine 
Zehen spielen sehen. O weh, dachte Rolf, wenn 
ich nun den linken auch unter dieses scharfe Licht 
stelle, dann sieht man gewiß das Loch, wenn man 
sogar die Knochen durch das Leder sieht. Und 
eilig wollte er hinaus aus dem Laden, da sagte 
die Mutter: „Wie wär's denn, Fräulein, wenn 
wir für dieses kleine Aschenputtel auch ein paar 
Schuhe kauften?" Und dann zeigte sie lächelnd 
auf Anne. Anne saß auf ihrem Stuhl mit tief¬ 
rotem Gesicht. Da hatte die Mutter all ihre bösen 
Gedanken im Herzen gelesen und dazu bekam sie 
noch dieses Wunderwerk von Schuhen, braun. 
an den Seiten ge¬ 
steppt. Sie sagte 
nichts, aber sie 
nahm sich vor, sich 
nie mehr als 
Aschenputtel zu füh¬ 
len. Und wenn sie 
Mutters Schuhe an¬ 
sah, so konnte die 
auch wohl ein Paar 
neue brauchen, aber 
sie sagte nichts da¬ 
von, und heraus 
gingen die drei, alle 
in Gedanken. 
Da blieb die Mut¬ 
ter vor einem Korb¬ 
warengeschäft stehen, und sagte, nun hab ich mir 
schon mein ganzes Leben einen solch festen vier¬ 
eckigen Waschkorb gewünscht, in den man die 
Bettlaken so glatt legen kann, schon von unten 
an. Was der wohl kosten mag? Da wurden sie 
aber eifrig, die zwei. „Natürlich, Mutter, kriegst 
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