Full text: 66.1938 (0066)

war gegen 8 Uhr morgens. Eine Verständi¬ 
gung durch Zuruf war im Heulen des Stur¬ 
mes unmöglich, nur knappe Zeichen wurden 
gegeben. Jeder stürmte dem Gipfel zu. Ein 
Grat mußte im Reitsitz überschritten werden, 
stehend wäre man fortgeweht worden. In 
der herrschenden Kälte schwanden die Sinne. 
Die Augen voller Eisnadeln, war es fast un¬ 
möglich, vorwärts zu kommen, zumal der 
Wind einem den Atem verschlug. Auf dem 
Gipfel herrschte die Hölle, der Sturm war 
zum Orkan angeschwollen und drohte uns zu 
vernichten. Wo war das' soviel gepriesene 
Gipselglück? Hier jedenfalls nicht; jetzt gings 
ums Leben, ums pure, nackte Leben! Alle 
anderen Empfindungen waren erstorben. — 
Als wir wieder die Hütte erreicht hatten, 
reichten wir uns stumm die Hände, wir waren 
vorläufig mal wieder der Hölle entgangen 
und konnten mit Goethe sagen: „Die Erde 
hat uns wieder." 
Nach kurzer Rast und Aussprache in der 
Vallothütte trennten wir uns wieder; die 
Führerpartie ging den gekommenen Weg 
zurück, während ich mit meinem Gepäck 
weiter über das Dach Europas wanderte. 
Aus der Geschichte des Gr. Jngberter 
Kohlenbergbaues 
Nordwestlich von St. Ingbert, nach Schnappach 
zu, liegen die Kohlenvorkommen der Grube 
St.Jngbert, der die Stadt wohl ihre heutige Größe 
verdankt. Die Frühgeschichte des St. Ingberrer 
Bergbaues reicht bis in das Jahr 1614 zurück. 
Aus dieser Zeit spricht ein Brief des Kurfürsten 
von Trier von „zwo newen Steinkohlengruben", 
die zu St. Ingbert aufgemacht seien. Bis zum 
Jahre 1660 ist dann von der Geschichte des St. 
Jngberter Bergbaues sehr wenig erhalten. Die 
Stürme des 30jährigen Krieges und die Raub¬ 
züge Ludwig XIV., durch welche der Ort völlig 
zerstört und die Bewohner fast gänzlich ausge¬ 
rottet wurden, brachte das Kohlengraben und 
sogar das Andenken daran in Vergessenheit. Im 
Jahre 1661 kam St. Ingbert unter die Herrschaft 
des Grafen v. der Leyen, und auch die Kohlen¬ 
gruben wurden wieder aufgemacht. Die meisten 
waren noch wirkliche „Gruben", sie gehörten ver¬ 
schiedenen St. Jngberter Familien in Erbpacht 
und wurden sehr verschiedenartig, zum Teil ganz 
unbergmännisch betrieben. Der neue Landesherr 
als Besitzer der großen Waldungen erhob auch 
Anspruch auf die Bodenschätze unter dem Wald. 
So war er der Verpächter der Gruben. 
Auch von dieser Zeit bis etwa nach 1700 sind, 
da das Land bis 1697 eine französische Provinz 
war, keine, und selbst aus den folgenden 20 Jah¬ 
ren nur spärliche Mitteilungen vorhanden. Seit 
dem Jahre 1722 war die Aufmachung einer 
neuen Grube nur mehr mit der Genehmigung 
des Landesherrn möglich. Je nach Güte, Lage 
und Förderung mußte eine jährliche Abgabe ge¬ 
zahlt werden. 1742 gab es 15 solcher privaten 
Gruben. Die gewonnenen Kohlen wurden fast 
ausschließlich zu gewerblichen Zwecken verwandt, 
in Schmieden, Glashütten, Ziegeleien, Kalk- 
und Rußöfen. Die meisten der betriebenen Gru¬ 
ben lagen im oberen Rischbachtal, am Fuße des 
Sechseichenberges, wo die Flöze im Tagebau er¬ 
reicht werden konnten. Noch bis heute haben sich 
dort im Walde Ueberreste des früheren Alt-St. 
Jngberter Bergbaues erhalten in Form von ver¬ 
schütteten Stolleneingängen und Grauschiefer¬ 
schutthaufen. Erst später grub man in 'der Nähe 
des Ortes Schnappach Kohlen, da diese in grö¬ 
ßerem Maße hier zu Tage traten. Eine fach¬ 
männische Beaufsichtigung der Gruben gab es 
noch nicht, es wurde Raubbau schlimmster Art 
getrieben. Im Jahre 1748 fand eine Besichti¬ 
gung der Gruben durch den Bergfachmann Hans 
Duhr von Illingen statt. Als Gezäheftücke wur¬ 
den damals Grubenaxt, Grubenbeil, Gruben¬ 
schippe, Keilhaue, Handfeustel, Bergeisen und 
Klammerhaken verwandt. Da die Eigentümer 
sehr ungleich für die Instandhaltung ihrer Gru¬ 
ben sorgten, erging im Jahre 1771 von Koblenz 
für den Betrieb und die Gewinnung von Kohlen 
eine Bergwerksordnung. Zu dieser Zeit wurde 
auch der erste Steiger namens Christian Fey 
aus Wellesweiler von dem Grafen v. d. Leyen 
eingestellt. Unter Führung des Steigers Fey 
wurde die erste herrschaftliche Grube, die Ma¬ 
riannengrube, und 2 Jahre später die Philipp¬ 
stollengrube aufgetan. Beide wurden als erste 
nach bergmännischen Richtlinien betrieben. — 
Nach der französischen Revolution brach die alte 
Herrschaft zusammen und im Jahre 1793 nahm 
die französische Regierung die Gruben in eigene 
Regie. Von 1797 bis 1808 verpachtete sie jedoch 
die Anlagen, um sie dann bis 1813 wieder in 
Staatsverwaltung zu übernehmen. Vom 7. 1. 
1814 bis 16. 6. 1814 standen die Gruben unter 
rusiischer Verwaltung und anschließend 2 Jahre 
in k. k. österreichischer, um dann in bayerische 
Verwaltung überzugehen. 
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