Full text: 66.1938 (0066)

Eine zweite gleichartige Kultstätte findet sich 
bei Wallerfangen, wo etwas weiter auseinander 
die Bilder eines Gottes (Abb. 8) und einer 
Göttin aus dem Felsen herausgehauen sind. 
Ein drittes Götterbild, das sich früher dort 
befunden hat, ist leider zerstört und jetzt ganz 
verschwunden, wie überhaupt hier die ganze 
Landschaft, die sicherlich einst auch von dichtem 
Wald bestanden war, jetzt durch Steinbruch¬ 
betriebe ganz umgestaltet ist. 
Es sind nur einige wenige Beispiele von 
Ueberresten des Altertums in der Saarland¬ 
schaft, die hier vorgelegt und behandelt werden 
konnten. Aber auch diese geben doch schon eine 
Vorstellung davon, wie es auch hier nicht man- 
Fritz Koelle, der Bildner 
Vom künstlerischen Schaffen des Bildhauers 
Fritz Koelle, St. Ingbert-München, haben 
wir im Saarbrücker Bergmannskalender schon 
in den letzten Jahren einige Proben gezeigt; 
so im Jahrgang 1936 „Der betende Saarberg¬ 
mann" und im Jahrgang 1937 „Der Saarberg¬ 
mann". Auch in diesem Jahrgang bringen wir 
wieder das Abbild einer wirklich lebenswahren 
Vronzevlastik „Der Saarbergmann", die sich 
heute im Besitze der Reichsleitung der Deutschen 
Arbeitsfront in Berlin befindet, sowie ein 
Selbstbildnis des Künstlers, den wir Saarberg¬ 
leute mit Stolz als den Bildner der 
Menschen unseres Berufes in unserer Saar¬ 
heimat bezeichnen dürfen. Koelle, der in Augs¬ 
burg geboren ist, ist an der Saar kein Frenrder. 
Ihn zog es in d i e deutschen Gebiete, in denen 
das Leben der werktätigen Arbeit am heißesten 
pulst und webt. Ueber die Ruhr kam er in der 
Zeit, als wir noch unter fremder Herrschaft 
lebten, an die Saar, um hier die Menschen der 
Arbeit, die Bergleute und Hüttenmänner bei 
ihrer Arbeit zu sehen. Er fuhr hinab in die 
Gruben, ging hinein in die Hütten und nahm 
die Gestalten der hart schaffenden deutschen 
Menschen unserer Grenzmark tief in sich auf, 
wodurch ihm die Fähigkeit gegeben ward, sie in 
seiner stillen Künstlerwerkstatt lebenswahr und 
wirklich e ch t zu gestalten. Und von der Saar 
nahm er sich seine Lebensgefährtin, die Malerin 
Elisabeth Koelle-Karmann aus St. Ingbert, 
von derem frohen Schaffen wir in dieser Aus¬ 
gabe unseres Kalenders auch köstliche Proben 
bieten. 
Für sein Heimat- und dem schaffenden Men¬ 
schen tief verbundenes Schaffen wurde Koelle 
im Frühjahr 1937 mit dem Westmarkpreis aus¬ 
gezeichnet. Eine schöne Anerkennung und Aus¬ 
zeichnung, der auch wir Saarbergleute uns ehr¬ 
gelt an solchen eindrucksvollen Zeugen der Ver¬ 
gangenheit unserer Heimat, deren Betrachtung 
uns die Heimat noch besser verstehen und noch 
mehr liebgewinnen läßt. Unter diesen allen 
aber dürfen die beiden an letzter Stelle be¬ 
sprochenen Götterdenkmäler auf unser stärkstes 
Interesse rechnen, weil sie uns unmittelbar in 
Verbindung bringen mit dem alten Eötter- 
glauben unserer Vorfahren, von dem unser 
deutscher Volksdichter Uhland spricht: 
„Richt in kalten Marmorfteinen, 
Richt in Tempeln dumpf und todt, 
In den frischen Eichenhainen 
Webt und rauscht der deutsche Gott." 
des Saarbergmannes 
lich freuen. Doch lassen wir nunmehr einige 
Stimmen über das Wirken dieses Bildners des 
schaffenden Menschen zu uns sprechen, da sie uns 
zeigen, daß wir in Koelle einen wahren Künst¬ 
ler vor uns haben. 
„Bildhauer Fritz Koelle, St. Ingbert-Mün¬ 
chen, lud uns ein, seine Arbeiten in seinem 
Künstleratelier zu besichtigen", leitet die 
„München-Augsburger Abendzeitung" vom 22. 
Dezember 1934 eine eingehende Besprechung des 
Schaffens von Koelle ein, um dann u. a. fest¬ 
zustellen : 
„Wir hatten uns auf Schönes gefaßt gemacht, 
aber nicht auf einen solchen Reichtum der Ge¬ 
stalten, wie sie in diesen Räumen (in der Nähe 
dev Staatsbibliothek in München) zu sehen sind. 
In einer Ecke die Gestalt des hockenden 
Bergmanns aus dem Jahre 1929, eine große 
Figur von künstlerischer Vollendung. Man mag 
diese Figur ansehen, von welcher Seite man 
will, immer wieder staunt man über die natür¬ 
liche Plastik dieser Linien. Der Mann zündet 
seine Berglampe am Boden an und macht sich 
bereit zur Nachtschicht. Sein ganzer Oberkörper 
freiliegend in wunderschöner Muskulatur. Alles 
zusammengefaßt: das Bild einer einzigen 
Sammlung verhaltener Kraft... In der Mitte 
des Saales nun ein neues großes Werk, um 
deswillen wir vor allem diesen mehr als loh¬ 
nenden Besuch machen durften:„Derbetende 
Saarbergman n". Bekanntlich ist es eine 
alte Sitte, daß vor der Schicht gemeinsam ein 
Gebet gesprochen wird. Dieser Augenblick ist 
festgehalten. So steht dieser Hauer da, aufrecht, 
sehnig und stark, nur den Kopf gebeugt, mit 
beiden Armen auf seine Haue gestützt. Was wird 
der Tag, was wird die Nacht bringen? Der 
Gang des Bergmanns ist stets ein Weg vom 
Licht ins Dunkle und eine Hoffnung aus dem 
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