Full text: 64.1936 (0064)

, Wir helfen der Frau, wir helfen, 
-wo Not uns ruft! 
Ich wurde eines Morgens in Sen Hilfsdienst 
zu einer Wöchnerin geschickt, die in der Nacht 
einem Kindchen das Leben geschenkt hatte. Ganz 
1 zagend bin ich hingegangen. Wie werden die 
^Menschen meine Hilfe ausfassen? Wie werde 
ich mit der fremden Arbeit fertig? — Dann 
I sah ich die Frau und das Kind und fand ge- 
k fühlsmäßig schnell den Weg zu der jungen 
Mutter. Ich sah all die Not, die in dieser 
Vergmannsfamilie zu Hause war, die Enge der 
Wohnung, den Schmutz und die viele Arbeit, 
die die Mutter nicht hatte verrichten können in 
der Sorge um den Mann und die anderen 
Kinder. Ja — da fing ich einfach irgendwo an 
mit putzen, waschen, bügeln, kochen, bis wieder 
Ordnung war, und die ganze Wohnung eine ge¬ 
wisse Helle und Freundlichkeit zeigte. Die junge 
Frau sagte nichts dazu, aber ich merkte, wie sie 
langsam die quälende Sorge vor der Last der 
Arbeit verlor. Jetzt erst konnte sie sich in aller 
Ruhe ihrem Kinde hingeben. Dem ersten Ar¬ 
beitstag folgten noch viele andere. Ganz all¬ 
mählich habe ich versucht, auf die Leute ein¬ 
zuwirken, damit sie die hygienischen Verhält¬ 
nisse gesunder gestalten möchten, das Mutter 
und Kind die rechte Pflege erhielten. Wenn 
man dann sieht, wie die Menschen, die sich zu¬ 
nächst scheu zurückhielten, langsam einzusehen 
beginnen, daß deine Art gesunder, sauberer, ein¬ 
facher ist, und in rührender Dankbarkeit alle 
Anregungen annehmen, dann ist man zutiefst 
belohnt für alle Mühe, die man sich um diese 
Menschen gemacht hat. Dann wird dich ein 
dankbarer Stolz erfassen, daß du es warft, der 
dem Volke durch einen Dienst eine Mutter und 
ihr Kind gesund erhielt. —“ 
Wir helfen mit an des Reiches Bau, 
den neu unser Führet schuf! 
Wenn wir im Lager singen, klingen die 
frohen Volksweisen durchs ganze Dorf. Die 
Dorfjugend lauscht; sogar die Großväter schie¬ 
ben ihr Pfeifchen in den anderen Mundwinkel 
und kommen einige Schritte näher. So saßen 
wir auf der Wiese und sangen unsere Feier¬ 
abendfreude in den stillen Abend hinein. Da 
stehen plötzlich drei Iungens am Baum, dann 
noch einige kleine Mädchen, und in kurzer Zeit 
ist die ganze Dorfschuljugend bei uns. Wir 
Das Arbeitsdienstlager bei Bachcm/20rc>tdvrf (Kreis Merzig) 
Foto: Nehanek j 
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