Full text: 64.1936 (0064)

schwur zum Reich so aus innerstem Herzen kom¬ 
mend abgelegt, wie in dieser denkwürdigen 
Stunde. Vielen alten Saarkampfern fällt ein 
Stein vom Herzen, als sie den Führer über eine 
Verständigungsmöglichkeit über das Saarproblem 
sagen hören: 
„Gerne werden wir uns mit Frankreich ver¬ 
ständigen über die wirtschaftlichen Dinge; in 
politischer Hinsicht jedoch kann es 
keinerlei Verzicht geben. Das Reich 
kann nicht auf das Saargebiet verzichten, ebenso 
wenig wie das Saargebiet auf das Reich ver¬ 
zichten kann. Wir sind zusammen ein Volk, das 
nicht voneinander zu lösen ist. D i e M e n s ch e n 
können nicht trennen, was Gott zu¬ 
sammengefügt hat. Es wird für Deutsch¬ 
land keine glücklichere Stunde geben, als wenn 
das Saargebiet wieder mit Deutschland vereint 
ist." 
Run sind alle Befürchtungen, alle Zweifel über 
die politische Zukunft des Saarlandes verschwun¬ 
den. Mit unbeugsamen Willen und heißem Her¬ 
zen gelobt das Saarvolk: „Wir sorgen dafür, 
daß wir wieder vereint werden mit unserem 
lieben deutschen Vaterland." 
Das Saarvolk hat Wort gehalten. 
Die Bildung der Deutschen Front 
1. März 1934. Der Einheit in der Auffassung 
der Saarbevölkerung wird nunmehr auch äußer¬ 
lich durch die Bildung der Deutschen Front sicht¬ 
bar Ausdruck verliehen. Alle deutschen 
Parteien einigen sich und schließen 
sich in der Deutschen Front zusam- 
m e n. Auch die NSDAP stellt im Saargebiet 
ihre Tätigkeit ein, löst sich auf und geht mit 
ihren Leuten an der Saar geschloffen zur Deut¬ 
schen Front über, an deren Spitze ein Führerrat 
steht. Er erläßt folgenden Aufruf: 
„Deutsche Männer und Frauen! 
Mit dem heutigen Tag geht der Wunsch in 
Erfüllung, dessen Verwirklichung wir Saarländer 
ausnahmslos ersehnten. Es ist Schluß mit allem 
Parteihader. Wir haben die große Pflicht und 
Ehre, der Welt zu sagen, was in der Stunde des 
Gebotes es heißt: Deutscher zu sein. Am heutigen 
Tage schließen wir das herrliche Bruderbündnis. 
Der Katholik geht in die katholische Kirche, der 
Protestant in die seine — aber beide sprechen 
das gleiche Gebet: Unser Deutschland. Der Ar¬ 
beiter, der Bauer, der Unternehmer, der Beamte, 
jeder tut an seiner Stelle seine Pflicht, alle aber 
tragen sie das gemeinsame in ihrem Herzen: 
Unser Deutschland. Der Sozialdemokrat, der 
Kommunist, der Zentrumsmann, der National¬ 
sozialist, der christliche Gewerkschaftler, der freie 
Gewerkschaftler, jeder mag politisch anders ge¬ 
48 
dacht haben; nun aber treffen sie sich alle! 
dem einen Gedanken: Unser Deutschland. $ 
diesem geschichtlichen Augenblick an sind wir e> 
eingeschworene Genoffenschaft, in der einer 
den anderen einsteht und keiner gegen den i 
deren aufsteht. 
Mit diesem Wollen gehen wir nun an 
Arbeit! 
Der Sieg wird unser sein! 
Es lebe die Deutsche Front!" 
Die Bildung der Deutschen Front ruft im gj 
zen Saargebiet große Begeisterung hervor. I 
Ortschaften zeigen reichen Flaggenschmuck. ! 
Presse begrüßt den Zusammenschluß als 
große Tat, die alle politischen, weltanschaulid 
und wirtschaftlichen Gegensätze überbrücke, 
festgeschlossener Front geht es jetzt einheitlich 
den großen Endkampf zur Befreiung des S« 
landes von der Fremdherrschaft, unaufhalt, 
dem großen deutschen Sieg entgegen. 
Der 13. Januar 1935 
Die Abstimmung 
Endlich ist er da, der Tag. den die S« 
deutschen seit 15 Jahren herbeigesehnt haben, 
Tag der Abstimmung, die als Ergebnis für 
die Wiedervereinigung mit dem heißgeliebi 
Vaterlande bringen wird. Aus allen Eai 
unseres Vaterlandes, aus dem Auslande, a 
von Uebersee, sind die Abstimmungsberechtig 
herbeigeeilt, um ihre Pflicht gegenüber Heil 
und Vaterland zu erfüllen. Rund 60 000 | 
es, die meistens mit Sonderzügen ankomm 
Allenthalben werden sie mit frohem Jubel 
grüßt. Wenn es auch verboten ist, Straßen i 
Häuser zu schmücken, irgendwie öffentlich 
festliches Gewand zu zeigen, so ist er, der 
Januar 1935 doch ein großer deutsch 
Feier- und Ehrentag. Früher als so 
sind die Menschen auf den Beinen. Hier und 
macht sich eine gewisse Hast bemerkbar, f 
jeder will so früh wie möglich abstimmen, l 
wenn man abgestimmt hat, ist man beruh 
Die Abstimmung selber geht mit feierlich 
Ernst vor sich. 
Stundenlang müssen die Abstimmungsder 
tigten vielfach im Gedränge und im Schnee' 
den Abstimmungslokalen stehen. An den W» 
tischen sitzen ausländische Männer, 
strengstens darauf achten, daß keinerlei Ae« 
rungen fallen, die zu erkennen geben odera 
nur darauf schließen laffen, wie der Betrefft 
abstimmen will. Schon sind harmloser Ae« 
rungen dieser Art wegen, abstimmungsberechti 
alte und kranke Personen — die an den Taj 
vorher zur Stimmabgabe aufgerufen wurde« 
zurückgewiesen worden. So ruhig und still 
wohl noch in keinem Lande eine Abstinnift
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.