Full text: 64.1936 (0064)

Regierungskommission, des französischen Staats- 
rats Ra ult, wird hierdurch schwer erschüttert. 
Von jetzt ab gilt er auch in Frankreich als ein 
erledigter Mann. Seine Französisie- 
rungspolitik ift gescheilert. Da er mit 
einer Wiederwahl durch den Völkerbundsrat 
nicht mehr rechnen kann, tritt er im März 1926 
zurück. Kurz darauf — am 1. April — verläßt 
er das Saargebiet sang- und klanglos; nicht ein¬ 
mal eine offizielle Abschiedsveranstaltung findet 
statt. Von den Saardeutschen vermißt ihn 
niemand. 
* 
Die französischen Truppen 
müssen verschwinden 
März 1927: Endlich beschließt der Völker¬ 
bundsrat, daß die französischen Truppen und die 
französische Gendarmerie das Saargebiet zu ver¬ 
lassen haben und eine Bahnschutztruppe von 800 
Mann, bestehend aus französischen, englischen 
Und belgischen Truppen, eingerichtet werden soll. 
Rach den Bestimmungen des Versailler Vertrags 
mutzte das französische Militär schon 1920 das 
Saarland verlaßen. 
: Immer wieder aber haben die Franzosen und 
die Regierungskommission es verstanden, die 
Einwilligung des Völkerbundsrates zu einem 
weiteren Verbleib des französischen Militärs zu 
erhalten. Nun endlich muß es von der Saar 
verschwinden. Das ist eine bittere Enttäuschung 
für die Franzosen; denn es war ihre feste Ab¬ 
sicht, dauernd Truppen im Saargebiet zu halten. 
Die Freude der Saarbevölkerung über die an¬ 
geordnete Räumung ist sehr groß. „Wieder 
einen Schritt näher zur Rückkehr ins Vater¬ 
haus," heißt es. 
* 
Erfolglose deutsch-französische 
Verhandlungen 
Im August 1929 kommt es zwischen Deutsch¬ 
land und Frankreich zu Verhandlungen über die 
alsbaldige Lösung des Saarproblems. Sie stehen 
im Zusammenhang mit der Räumung des Rhein¬ 
landes. In politischen Kreisen des Reiches ist 
man größtenteils sehr optimistisch. Anders an 
der Saar. Hier weiß man, daß die Franzosen 
nicht daran denken, das Saargebiet früher als 
unbedingt notwendig freizugeben. Hier weiß 
man, daß es Frankreichs Ziel ist, das Saarland 
dauernd in seinen Besitz zu bringen. Hier weiß 
man, daß die Franzosen nur dann früher als im 
Versailler Vertrag vorgesehen das Saarfeld 
räumen werden, wenn sie dadurch ein gutes 
wirtschaftliches Geschäft machen und der Einfluß 
Frankreichs auf die politischen Verhältnisse an 
der Saar gesichert wird. 
Frankreich läßt sich außerordentlich viel Zeit, 
um die Verhandlungen aufzunehmen. Im August 
werden sie beschlosien. Die erste Sitzung findet 
am 21. November in Paris statt. Nach mehr¬ 
fachen Unterbrechungen werden die Verhand¬ 
lungen am 7. Juli 1930 vertagt, um nicht wieder 
ausgenommen zu werden. Im Laufe der Be¬ 
sprechungen zeigte sich ganz deutlich, daß die 
französische Taktik auf Verschleppung und ergeb¬ 
nislosen Verlauf abgestellt war; es sei denn, 
Deutschland erfülle Frankreichs maßlose Forde¬ 
rungen. Die Schuld an dem Scheitern der Ver¬ 
handlungen tragen die Franzosen allein. Selbst 
englische Blätter bezeichnen die französischen 
Forderungen als unvernünftig. Unter den vor¬ 
liegenden Umständen ist die Saarbevölkerung 
froh, daß es zu keiner sogenannten vorzeitigen 
Lösung kam; denn wie die Verhältnisse liegen, 
wäre sie dann ziemlich sicher in dauernde Ab¬ 
hängigkeit von Frankreich und in fortwährende 
Kämpfe um ihr Deutschtum geraten und um die 
Möglichkeit friedlicher Arbeit gekommen. „Lieber 
warten wir bis zur Abstimmung im Jahre 1935," 
sagt man allenthalben an der Saar, „denn dann 
werden wir den Franzosen und ber ganzen Welt 
zeigen, daß wir ohne besondere Konzessionen 
wieder ganz zum Reich kommen." Das Saar¬ 
volk hat recht behalten! 
* 
Der Führer am Niederwald-Denkmal 
August 1933: Auf der großen Kund¬ 
gebung des Bundes der Saarver¬ 
eine am Niederwald-Denkmal spricht 
unser Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. 
Zum ersten Mal kommt ein deutscher Reichs¬ 
kanzler zu einer solchen Kundgebung. Die Freude 
darüber ist an der Saar überaus groß. Fast 
100 000 saardeutsche Menschen sind in Rüdesheim, 
umlagern das Denkmal am Niederwald, wollen 
ein Treuegelöbnis ablegen zum Vaterland, zum 
Deutschen Reich, wollen den Führer sehen! Zu 
ihrem größten Bedauern können die S a a r - 
bergleute nicht teilnehmen, ohne Gefahr zu 
laufen, gemaßregelt zu werden; denn die franz. 
Vergverwaltung hat nicht nur jeden Urlaub für 
eine Beteiligung verweigert, sondern auch wißen 
lassen, daß sie eine Teilnahme an der Veran¬ 
staltung des von ihr so sehr gehaßten Bundes 
der Saarvereine bezw. der NSDAP, als eine 
Herausforderung ansieht und sich danach richten 
wird. Was das bedeutet, haben viele Saarberg¬ 
leute bei früheren Anlässen zur Genüge erfahren. 
Sie müssen daher größtenteils daheim bleiben 
und sitzen mit den anderen Volksgenossen, die 
nicht dabei sein können, in der Heimat am 
Radio, um so wenigstens den Führer zu hören 
und im Geiste an dem Jubel am Rhein teilzu¬ 
nehmen. 
Nie vorher hat im Saarkampf eine Rede auch 
nur annähernd eine solche Begeisterung bei der 
Saarbevölkerung ausgelöst, wie die des Führers 
in Rüdesheim. Nie vorher wurde auch der Treue- 
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