Full text: 64.1936 (0064)

Pferdekörper schützte ihn vor den nachpolternden 
Steinen. Kameraden zogen Iupp unter dem 
toten Schimmel hervor, ohnmächtig, doch fast 
unverletzt. Ein Wunder schien es, daß er so 
glücklich davongekommen. Iupp schwieg auf alle 
Fragen, hatte nur einen seltsam leuchtenden 
Glanz in seinem Blick. Dank verklärte die Trauer 
um den Verlust des Freundes, der im Dienst 
gestorben war und sterbend noch den gerettet 
hatte, der es besonders gut mit ihm gemeint 
hatte. 
Etwas von dem sonderbaren Geschehen begriff 
auch der Obersteiger; denn auch der sann dar¬ 
über nach, wie wunderlich es war, daß der 
Bergknappe der großen Gefahr heil entrinnen 
durfte gerade durch jenes Pferd, um dessen Leben 
er jüngst noch so hartnäckig und zäh entschlossen 
gekämpft hatte. 
& 
Für Eheleute 
Die folgenden Ausführungen entnehmen 
wir dem sehr lehrreichen Büchelchen „Ein¬ 
maleins der Ehe" von Karl Martini 
(Verlag Scherl, Berlin). 
Die stündliche und tägliche kleine Nörgelei und 
Stichelei am andern ist eine recht unerfreuliche 
Zugabe zur Ehe. 
In einer gut eingespielten Ehe wird über¬ 
haupt nicht mehr genörgelt, manbringtnur 
Wünsche vor. 
Wer gleichwohl als widerliches Ekel seinen 
Sport darin sucht und so anmaßend und unvor¬ 
nehm ist, sich über alles rücksichtslos zu äußern, 
was ihm am andern und dessen Tun nicht ge¬ 
fällt, wohl gar seinen Tadel für besonders auf¬ 
richtig und ehrlich ansieht, der hat bald in seiner 
Ehe entweder einen sich zur Wehr setzenden, 
störrischen Bock vor sich oder — was viel trau¬ 
riger ist — einen sich für den häuslichen Frieden 
schweigend beugenden, gleichgültigen und doch 
tief verletzten Hausgenossen. Der nimmt schlie߬ 
lich das ewige Kritteln und Ducken nicht mehr 
als Kritik, sondern als Lieblosigkeit und Fle¬ 
gelei: niemand kann es ihm verdenken. 
Kein Mensch schätzt den Tadel. 
Er richtet sich ja im Grunde gegen seine Um¬ 
sicht, sein Temperament, seine Tatkraft, sein 
Pflichtgefühl, oft gegen seine ganze Natur, durch¬ 
aus nicht immer mit Recht. 
Kritisiert euch darum so wenig wie möglich. 
Einem klugen, feinfühlenden Menschen kann man 
so leicht schon durch ein hingeworfenes Wort, 
durch eine Bitte, einen Scherz, selbst durch 
Schweigen klarmachen, daß man mit ihm ernst¬ 
lich nicht einverstanden ist. Viel von dem. was 
uns in der Ehe nicht gefällt, müssen wir still 
hinunterschlucken. 
Im übrigen machen kleine Schwächen 
ja bekanntlich liebenswert. Sie sind in ihrer 
an keine Wirklichkeit gebundenen Unberechenbar- 
keit und Hilflosigkeit, in ihrer kindlichen Nai¬ 
vität, ihrem behaglichen Dahinleben oder ihrer 
temperamentvollen Betriebsamkeit oft geradezu 
der besondere Reiz eines netten Menschen: wir 
sind ja, Gott sei Dank, alle etwas komisch ver¬ 
anlagt und bleiben kleine Kinder bis 
So morjens vor der Schicht! 
,,Lui, noch e Halwer, jetzt honn ich da vier. 
)br liewe Kinnec, beit schmeckt ina es Bier, 
ltnn Saumachegrumbre, e Götteresse, 
Do könn nia sein gonzer Kalaumes vergesse!" 
So honn ich gedrähmt, doch do hat^s getut 
Unn grad bei dem Esse, ich honn da e Ddut. 
Uff die Backn, in die Bur mm enaus in die Kich. 
Es Kattche, de Kaffee ftedd uff em Disch, 
SchmeertsBrot nun gebbt ma mei Kaffeeblech. 
Uff em Owe brutfchelts.aach, heit is jo TOesch! 
So, jetzt noch die Genachelte on die Fieß 
Unn: „Kattche, die Hinkte laß heit uff die Wieß!" 
Donn gedds enaus unn enuff uff die Grub, 
So ging schunn mei Vadder, so gedd ach mei Bub. 
Uff da Schaal, do heert ma es ITeischde noch: 
Bei da ITacbdschicht hat^ö Änem zwei Rippe ge- 
bcoch! 
Doch donn wird geschaffd, vum Schwähs bin ick' 
naß, 
Daß macht nie, die Rrwet macht heit widder Spaß! 
* 
Uff em Hemmwäch denk ich doch duschnr on mei 
Jltorjedrohm, 
Doch dehemm — gebbds DippelappeS mit Geise- 
milchrohm! 
Hans TOettmann.
	        

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